Der Rohbau ist fertig, jetzt beginnt der heikle Innenausbau.

© KURIER/Franz Gruber

Baustelle
08/20/2014

KH Nord könnte eine Milliarde kosten

Verantwortliche räumen erstmals mögliche Kostenüberschreitung von bis zu 50 Millionen Euro ein.

von Josef Gebhard

Es wirkt ein wenig wie eine Flucht nach vorne, um sich gegen böse Überraschungen zu wappnen. Erstmals schließen die Verantwortlichen für das Floridsdorfer Krankenhaus Nord mögliche Kostenüberschreitungen nicht mehr aus. "Sie liegen bei maximal fünf Prozent", sagt Thomas Balázs, Direktor für Infrastruktur und und Organisationsentwicklung im Krankenanstaltenverbund (KAV).

In absoluten Zahlen wären das 40 bis 50 Millionen Euro, die zu den aktuell kalkulierten Gesamtkosten von 954 Millionen Euro hinzukommen würden. Somit könnte das neue 750-Betten-Spital mehr als eine Milliarde Euro kosten.

Die mögliche Kostenüberschreitung ergibt sich laut KAV aus den Problemen, die in den vergangenen Monaten auf der Großbaustelle zutage getreten waren. Wie berichtet, ging im März 2014 die für den Fassadenbau zuständige Firma in Konkurs, bereits Ende 2012 hatte sich herausgestellt, dass die Statik-Berechnung für das Tragwerk falsch war. "Deshalb musste die Terminplanung angepasst werden", heißt es beim KAV. Daraus würden sich technische und prozessuale Risiken ergeben.

Team verstärkt

"Die Risiken müssen aber keinesfalls eintreten", betont Balázs. "Insbesondere, da wir bereits umfassende Gegenmaßnahmen gesetzt haben." Der KAV habe mit drei Unternehmen Rahmenverträge abgeschlossen, die seine Kapazitäten als Bauherr verstärken sollen. Sie sollen bei Bedarf Leistungen für die Koordinierung übernehmen.

Eine Maßnahme, die auch nötig wurde, nachdem im Mai die massive Kritik der begleitenden Kontrolle bekannt geworden war. Sie stellte chaotische Zustände im Management fest. Es sei unsicher, ob der Zeit- und Kostenrahmen für den Bau halten würde. Zudem haben beteiligte Baufirmen eine Beweissicherung durchgesetzt, um sich im Falle es Rechtsstreits mit der Stadt abzusichern.Dass der KAV gerade jetzt seine Risiko-Kalkulation veröffentlicht, ist kein Zufall: Nachdem immerhin der Rohbau zeitgerecht fertiggestellt worden war, beginnt jetzt mit dem Innenausbau, der Organisations- und Personalentwicklung eine viel komplexere Bauphase. "War bisher im Grunde ein Auftragnehmer federführend tätig, müssen ab jetzt 70 parallel koordiniert werden", sagt Balázs.

Wieweit sich die bisherigen Probleme auf den Zeitplan auswirken werden, kann er noch nicht sagen: "Wir klären gerade, welche terminlichen Folgen das hat." Ziel sei es, 2016 mit dem Patienten-Betrieb im neuen Spital beginnen zu können. Das klingt wesentlich vorsichtiger als frühere Ankündigungen. Noch vor wenigen Monaten hätte laut KAV das Krankenhaus Nord im Sommer 2016 in Vollbetrieb gehen sollen.

Die Opposition wird ungeduldig: "Die nun vorgelegten Zahlenspiele haben wir schon seit Längerem aufgezeigt", sagt ÖVP-Gemeinderätin Ingrid Korosec. Wie so oft fehle auch bei diesem Projekt die Transparenz.

Bilder von der Baustelle:

KH Nord

KH Nord

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Wien - Krankenhaus Nord

46.000 Aufnahmen pro Jahr

Großspital

Baubeginn für das Krankenhaus Nord war im September 2012. Auf dem ehemaligen ÖBB-Gelände im 21. Bezirk soll ein 785-Betten-Spital entstehen, in dem 2500 Personen arbeiten werden. Pro Jahr rechnet man mit 46.000 stationären Aufnahmen.

Innovationen

Das neue Krankenhaus Nord wird über eine zentrale, fachübergreifende Anlaufstelle für Notfall-Patienten verfügen. Eine weitere Innovation ist die OP-Einheit, die, anders als in anderen Krankenhäusern, über ein zentrales Management verfügt.

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