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Chronik Wien
07/23/2019

Zu wenig Rollatoren für Krankenhaus-Nord-Patienten

Zwei Monate nach Betriebsbeginn gibt es nicht genügend Gehhilfen. Betroffene sind empört

Gemessen an den massiven Baukostenüberschreitungen und Verzögerungen mag die aktuelle Panne im Krankenhaus Nord fast wie eine Lappalie erscheinen. Für die betroffenen Patienten ist sie aber extrem unangenehm und ärgerlich: In einem der laut Selbstbezeichnung „modernsten Spitäler Europas“, gibt es fast zwei Monate nach Beginn des Betriebs noch nicht genug Rollatoren für Patienten mit Gehbehinderungen – eine in Krankenhäusern nicht gerade selten anzutreffende Klientel.

Diese Erfahrung musste auch Frau T. machen, deren Mann vergangene Woche in der Kardiologie aufgenommen wurde. Aufgrund seines angeschlagenen gesundheitlichen Zustandes ist er auf einen Rollator angewiesen. Umso größer waren die Überraschung und der Ärger bei ihm und seiner Frau, als ihnen gesagt wurde, dass das Krankenhaus keine Gehhilfe zur Verfügung stellen konnte.

Wie Frau T. weiter erfuhr, fehlen die Rollatoren derzeit aber nicht nur auf der Kardiologie, sondern auch auf anderen Abteilungen – weil sie erst geliefert werden müssten. Das bestätigten auch Spitalsmitarbeiter gegenüber dem KURIER.

Somit bleibt Patienten, die rasch eine derartige Gehhilfe benötigen, nur eine Möglichkeit: Einen Rollator in dem im Spital untergebrachten Bandagisten-Geschäft auszuborgen – um 18 Euro pro Woche.

Großer Ärger

Für Frau T. ist das keine akzeptable Option: „Wie komme ich dazu, dass ich meinen Mann im Spital mit Hilfsmitteln unterstützen muss, die eigentlich Standard sein sollten, in diesem ,hochmodernen‘ Haus. Wieso soll ich einen Rollator beim Bandagisten ausborgen und dafür bezahlen?“, schreibt sie in einem Mail an den KURIER. Und weiter: „Ich habe keine Herzbeschwerden, aber wenn ich noch ein paar Schauermärchen von diesem Spital höre, kann es leicht sein, dass ich welche bekomme.“

In ihrem Ärger hat sie sich auch an die Wiener Patientenanwaltschaft gewandt. Offenbar mit Erfolg. Denn mittlerweile wurde ihrem Mann ein Rollator organisiert.

Das Grundproblem ist damit aber noch nicht gelöst, wie auch der Krankenanstaltenverbund (KAV) einräumen muss. „Wir sind derzeit laufend beim Optimieren der Prozesse. Deshalb wurden bereits mehr Gehhilfen für das Krankenhaus Nord – Klinik Floridsdorf bestellt“, sagt eine Sprecherin des KAV.

Kauf erwünscht

Gleichzeitig verweist sie darauf, dass unabhängig davon bestimmten Patienten tatsächlich empfohlen werde, die Gehhilfen zu kaufen oder zu mieten. Und zwar, wenn sie voraussichtlich längere Zeit und auch zu Hause auf solche Geräte angewiesen sind. „Das hat den Vorteil, dass unser Personal beratend zur Seite steht und die Patienten dann gleich auf ihre Gehhilfe eingeschult werden. Denn es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Modellen."