© Stephan Boroviczeny

Chronik Wien
10/17/2012

Kasachen-Millionen in St. Marx

Der Consultatio-Bericht bestätigt: Ex-Botschafter Aliyev hat 6,9 Millionen Euro im Wiener Mediencenter investiert.

von Andrea Hodoschek

Seit Monaten wird darüber spekuliert, wer die tatsächlichen Partner der Stadt Wien beim Media Quarter Marx (MQM) sind. Weshalb die Stadt die Wirtschaftsprüfungskanzlei Consultatio mit einer Prüfung beauftragte. Der Prüfbericht, der dem KURIER vorliegt, bestätigt die Vermutungen, dass der umstrittene kasachische Ex-Botschafter Rakhat Aliyev rund 6,9 Millionen Euro in das Medienzentrum investierte.

Dem Consultatio-Bericht liegt ein Schreiben von Aliyevs Anwalt, Otto Dietrich , bei. Darin heißt es: "Es ist richtig, dass die A.V. Maximus Holding AG ua. in das Projekt Marx Media Quarter einen Betrag von gerundet 6,9 Millionen Euro investiert hat." Der Anwalt weist weiters darauf hin, dass Aliyev seit mehr als fünf Jahren nicht mehr wirtschaftlich Berechtigter der Maximus sei. Sondern, die "wirtschaftlich Berechtigte ist die österreichische Staatsbürgerin Mag. Elnara Shorazova, mit der Dr. Aliyev seit 2009 verheiratet ist".

Das Media Quarter ist ein PPP-Modell (Publik Private Partnership). Die ZIT , die Technologieagentur der Stadt, hält daran 40 Prozent, Mehrheitspartner ist die VBM Beteiligungsmanagement GmbH. An dieser Firma hält laut Firmenbuch zwei Drittel eine gewisse ITN , die der Ehefrau von Andreas Lenzinger gehört, der Rest gehört Christian Bodizs. Die Maximus gibt im Anhang zu ihrer Bilanz die VBM als Tochter an. Lenzinger, er ist auch Geschäftsführer des Media Quarter, und Bodizs dürften in der VBM allerdings nur als Treuhänder fungieren. Die Consultatio kommt zum Schluss, "dass die im Firmenbuch eingetragenen Gesellschafter der VBM nicht wirtschaftliche Eigentümer der Anteile sind", sondern bereits seit 14. Mai 2007 der Maximus "als wahren wirtschaftlichen Eigentümer zuzurechnen sind".

Initiiert hatte das Projekt für die VBM Ex-Nationalbank-Präsident Adolf Wala , der auch als Geschäftsführer agierte. Als Wala 2010 Vorstand der Fimbag (Banken-ÖIAG) wurde, stieg er aus und verkaufte seinen Drittel-Anteil an der VBM an die Firma von Lenzingers Ehefrau. Wala saß ebenso wie Aliyev und Shorazova im Aufsichtsrat der Maximus.

"Klare Verhältnisse sind besser als Spekulationen", sagt Gerhard Hirczi , Chef der Wirtschaftsagentur, zu der die Technologie-Agentur ZIT gehört. Wie geht’s jetzt weiter? "Wir sehen keine Veranlassung, die Projektpartnerschaft zu beenden", erklärt Hirczi. Die VBM habe sich als professioneller und zuverlässiger Partner bewiesen. Der Syndikatsvertrag zwischen der ZIT und der VBM sei bereits vor dem Investment der Maximus abgeschlossen worden, diese übe keinen Einfluss aus.

Wichtig für Hirczi ist die Bestätigung der Consultatio, dass die ZIT immer ihre Sorgfaltspflichten eingehalten habe. Auch der Verdacht auf Geldwäsche wurde von der Consultatio ausgeräumt. Alle Überweisungen der VBM liefen über die Raiffeisenbank Korneuburg . Die Kredite über 48,5 Millionen Euro für das Medienzentrum finanzierte die UniCredit Bank Austria . Die Consultatio weist auch darauf hin, dass trotz der Strafverfahren gegen Aliyev, derzeit wohnhaft in Malta, weder ein europäischer Haftbefehl noch eine Kontensperre verfügt seien.

Die Wiener VP will trotzdem die Partnerwahl der Stadt hinterfragen, die Blauen wittern nach wie vor einen "Kriminalfall".