Kamera läuft im Gemeindebau

Auf Inspektion: Wohnbaustadtrat Michael Ludwig ist von den Vorteilen der Überwachung überzeugt.
Foto: Deutsch Gerhard

2800 Kameras in 22 städtischen Bauten überwachen Keller, Garagen, Müllräume und Aufzüge. Essollen mehr werden.

Die Rennbahnwegsiedlung in der Donaustadt gilt als einer der sozialen Brennpunkte Wiens. Viele Menschen mit oft wenig Einkommen leben hier auf engem Raum zusammen. Immer wieder kam es in der Vergangenheit zu Einbrüchen, Vandalismus - und Sperrmüllbergen.
Wohnbaustadtrat Michael Ludwig setzt neben mehr Betreuung auf Überwachungskameras.

Nach einem Pilotprojekt 2008 wurden bis jetzt 22 Gemeindebauten in Wien mit Kameras ausgestattet. Sie überwachen Garagen, Aufzüge, Keller und Müllplätze. Allein 480 Kameras hängen in der Siedlung am Rennbahnweg, die der Wohnbaustadtrat nach Abschluss der Arbeiten inspiziert. Es geht durch Garagen, Müllräume und Keller, überall hängen die kleinen, runden Kameras. "Seit es Videoüberwachung gibt, haben sich Vandalismus, Diebstähle und Sachbeschädigungen etwa halbiert", sagt Ludwig nicht ohne Stolz. Warum aber in einem einzigen Kellergang gleich sechs Kameras hängen müssen, bleibt fraglich.

Auch hat das Pilotprojekt gezeigt, dass die Aufwendungen knapp höher sind, als die Einsparungen durch weniger Schadensfälle. Derzeit kosten Installation und Betrieb der Videoüberwachung 1,4 Millionen Euro pro Jahr, sind alle Kameras erst einmal montiert, sinken die Betriebskosten auf eine halbe Million Euro. "Auch wenn die Investitionskosten derzeit höher sind als die Einsparungen, bin ich für die Kameras", sagt Ludwig. Denn auch das Sicherheitsgefühl der Bewohner sei wichtig: "Wir hatten eine Mieterin, bei der fünf Mal ins Auto eingebrochen wurde. Seit die Kameras da sind, ist es ruhig." Daher sollen schon bald weitere Gemeindebauten mit Kameras ausgestattet werden.

Scharfer Blick

"Die Kameras sind sicherlich nicht schlecht", sagt Peter Ecker. Er ist Hausmeister am Rennbahnweg, betreut fünf Stiegen. "Unsere Damen fürchten sich jetzt nicht mehr so in der Parkgarage." Herr Ecker ist technikinteressiert, also durfte er den Arbeitern bei der Installation der Kameras assistieren. "Die sind so scharf, da sehen S' jede Falte im Gsicht", sagt er und grinst. Tatsächlich haben die Kameras HD-Qualität und sind zudem mit Infrarot (für Dunkelheit) ausgestattet. Allerdings dürfen die Daten nur bei Straftaten herangezogen werden. Das Abladen von Sperrmüll ist zwar unsozial, aber nur ein Verwaltungsdelikt. "Unser größtes Ärgernis ist aber der Sperrmüll", sagt Ecker.

Daher soll künftig eine mobile Eingreiftruppe mit Laptops durch die Bauten patrouillieren. Am Schirm haben die Ordnungspartner dann Live-Bilder der Überwachungskameras. Wer dann etwa unerlaubt Müll ablädt, kann direkt zur Rechenschaft gezogen. Von Menschen vor Ort.

(kurier / Elias Natmessnig, Stefanie Rachbauer) Erstellt am
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