Borhan und Marwa sind zwei von bald 1000 Flüchtlingen, die im Jugendcollege lernen.

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Chronik | Wien
09/06/2016

Junge Flüchtlinge werden aufs Jugendcollege geschickt

Die Stadt Wien startet neues Ausbildungsangebot mit 1000 Plätzen für 15- bis 21-Jährige, die nicht mehr schulpflichtig sind.

Borhan kommt aus Afghanistan. Er ist seit zwei Jahren in Österreich und lebt als Asylberechtigter in Wien. Seit einem Monat besucht er das StartWien-Jugendcollege, aktuell in der Spitalgasse (Alsergrund), zuvor in einem Übergangsquartier. Dort lernt er unter anderem Deutsch, Mathematik und Englisch. Auch politische Bildung, demokratische Werte und Kunst stehen am Lehrplan. Borhan gefällt es hier: „Es gibt viele junge Leute, die nichts zu tun haben. Hier können sie lernen und sich auf ihre Zukunft vorbereiten“, sagt er.

Borhan ist 19 Jahre alt – und damit nicht mehr schulpflichtig. Deswegen bekommt er im Rahmen des Jugendcolleges die Chance, auf den Arbeitsmarkt oder eine weitere Ausbildung vorbereitet zu werden. Bisher laufe es gut, berichtet eine Deutsch-Trainerin: „Natürlich gibt es typische Jugendprobleme. Da verpasst vielleicht mal jemand eine U-Bahn und kommt zu spät, aber bis jetzt ist nichts Dramatisches passiert.’’

Zwei Orte, 1000 Plätze

Heute, Dienstag, eröffneten die Stadträtinnen Sandra Frauenberger und Sonja Wehsely (beide SPÖ) den zweiten Standort des Jugendcolleges in der Buchengasse in Favoriten. Seit Anfang September ist der Standort Spitalgasse geöffnet; 635 Asylwerber, Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte zwischen 15 und 21 Jahren lernen derzeit an den beiden Adressen. Insgesamt sind 1000 Plätze verfügbar, bis Oktober soll der Vollbetrieb erreicht sein.

Das Projekt kostet jährlich sechs Millionen Euro, die Hälfte davon kommt aus dem Europäischen Sozialfonds, der Rest von der MA 17 (Integration und Diversität), dem AMS und dem Fonds Soziales Wien.

Bei Asylberechtigten oder subsidiär Schutzberechtigten erfolgt die Zuteilung zu einem dieser Plätze über das AMS Wien. Personen, die noch im Asylverfahren sind, werden über den FSW und die Bildungsdrehscheibe den Kursen zugewiesen. Auch privat untergebrachte Flüchtlinge können über die Bildungsdrehscheibe einen Platz bekommen.

Vor den Kursen wird in einer Clearingphase – in dieser werden Bildungsstand und Motivation geklärt – über die Aufnahme entschieden, dann starten die einzelnen Ausbildungsmodule. Neun Monate sollen die jungen Menschen im Durchschnitt am Jugendcollege bleiben.

Blick in die Zukunft

Die Kurse sind begehrt; wer seine Chance nicht wahrnimmt, muss daher mit Sanktionen rechnen: Asylberechtigten kann in diesem Fall die Mindestsicherung gekürzt werden, im Extremfall bis zu 100 Prozent. Asylwerber, die über den FSW in die Kurse kommen, verlieren ihren Anspruch auf Fahrtkostenerstattung für Bildungsmaßnahmen.

So weit will es Borhan gar nicht erst kommen lassen. Durch das Jugendcollege kommt er seinem Traum vom Arbeitsleben näher: Er möchte später Modedesigner werden oder bei den Wiener Linien arbeiten.