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Jugendkriminalität: Warum Wien Hilfe aus den Bundesländern braucht

NÖ, OÖ, Steiermark und Burgenland müssen 24 Beamtinnen und Beamten zur Unterstützung bei straffälligen Jugendlichen nach Wien entsenden. Das Innenministerium relativiert.
MEDIENTERMIN LANDESPOLIZEIDIREKTION WIEN SCHWERPUNKTAKTION "BANDENKRIMINALITÄT"

Erst in der Nacht auf Donnerstag schlugen drei Jugendliche die Glasscheibe der Eingangstüre eines Friseursalons in der Josefstadt ein und nahmen eine dort gefundene Geldbörse mit.

Ein Zeuge alarmierte die Polizei, die einen 14-jährigen Österreicher festnahm, ein 13-jähriger Verdächtige wurde den Erziehungsberechtigten übergeben. Der dritte Jugendliche, 14 Jahre alt und aus Serbien, ist derzeit noch flüchtig.

Vorfälle wie diese sind der Grund, warum die Wiener Polizei seit rund zwei Jahren Schwerpunktaktionen zur Jugendkriminalität durchführt. Nun forderte man zusätzliche Unterstützung aus den Bundesländern an. 

24 Polizisten werden täglich geschickt

Oberösterreich, Niederösterreich, die Steiermark und das Burgenland müssen seit Anfang August jeweils 6 Beamtinnen und Beamte in die Bundeshauptstadt schicken. Die Einsatzkräfte fahren von Montag bis Samstag nach Wien und unterstützen die Einsatzgruppe gegen Jugendkriminalität (EJK), die im März 2024 eingerichtet wurde.

Maßnahme im August

Das Innenministerium (BMI) bestätigt gegenüber dem KURIER die Anordnung an die vier Landespolizeidirektionen. „Ein überregionaler Personaleinsatz ist kein außergewöhnlicher Vorgang, sondern Ausdruck einer modernen, vernetzten Sicherheitsstruktur, die sich in zahlreichen Einsätzen und Großveranstaltungen über viele Jahre hinweg bewährt hat“, so eine Sprecherin.

„Versuchen, Freiwillige zu finden“

Laut BMI gelte diese Maßnahme im August, anschließend werde evaluiert und entschieden, ob die Beamtinnen und Beamten darüber hinaus noch weiter täglich nach Wien geschickt werden. Wieso man im Kampf gegen Jugendkriminalität nun konkret Hilfe braucht, wurde nicht erklärt. „Die Jugendkriminalität steigt in den letzten Jahren. Wir versuchen, möglichst Freiwillige für diese Entsendungen zu finden, was eigentlich in den meisten Fällen kein Problem darstellt“, sagt die Sprecherin.

Ein Blick in die Kriminalstatistik 2025, die im März des heurigen Jahres präsentiert wurde, zeigt auch die Entwicklung der Jugendkriminalität in Wien: Im Jahr 2025 wurden in Wien 7.386 Tatverdächtige im Alter von 18 bis unter 21 Jahren registriert – 713 mehr als im Jahr davor.

Plus bei Unter-Zehnjährigen

Auch bei den jüngeren Altersgruppen stieg die Zahl deutlich: Bei den 10- bis 14-Jährigen nahmen insbesondere Einbruchsdiebstähle und Körperverletzungen stark zu, bei den unter 10-Jährigen stieg die Zahl der Tatverdächtigen von 216 auf 243.

Dass man als Maßnahme dagegen nun Kräfte aus anderen Bundesländern holt, sorgt für Unverständnis bei manchen Personalvertretern. „Wir sind zwar froh, dass wir Unterstützung bekommen, aber dann kann der Personalstand in Wien nicht so hoch sein, wie es immer aus Innenministerium heißt“, sagt dazu Walter Strallhofer, Vorsitzender der roten Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter in Wien. 

Kritik aus Oberösterreich

Gerhard Zauner, Personalvertreter der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG) in der Bundeshauptstadt, verwies auf 650 unbesetzte Planstellen in den operativen Bereichen in Wien (Stand 1. Juli).

Angestoßen wurde Debatte von der FPÖ. „Die personellen Notmaßnahmen gehen zulasten der Sicherheit in den Bundesländern, weil dort zusätzliche Lücken entstehen, die kaum mehr geschlossen werden können“, kritisierte FPÖ-Nationalratsabgeordnete und AUF-Personalvertreter Reinhold Maier. 

Kritik kommt auch aus OÖ: „Es kann keine Dauerlösung sein, Polizisten aus Oberösterreich abzuziehen, um die Folgen von Versäumnissen der Politik in Wien auszugleichen“, so der zuständige Landesrat Christian Dörfel (ÖVP).

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