Chronik | Wien 10.06.2018

Jugendcollege wird fortgeführt, aber mit weniger Plätzen

© Bild: Julia Schrenk

750 statt 1000 Teilnehmer. Projekt nicht mehr nur für Flüchtlinge. Auch Teilnehmer aus der EU und Drittstaaten berechtigt.

Das Jugendcollege StartWien, ein Bildungsprojekt für nicht mehr schulpflichtige Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 21 Jahren der Stadt Wien, kann weiterhin bestehen. Am Freitag wurden im Integrationsausschuss des Gemeinderates die Förderungen bis zum Jahr 2021 beschlossen.

Allerdings wird das Jugendcollege nicht in seiner bisherigen Form fortbestehen. Wie der KURIER erfuhr, wird das Projekt künftig statt 1000 Teilnehmer nur 750 aufnehmen. Zum Bildungsprojekt zugangsberechtigt sind künftig aber nicht nur nicht mehr nur Asylwerber, Asylberechtigte, sowie subsidiär Schutzberechtigte zwischen 15 und 21 Jahren, sondern auch "sonstige benachteiligte" und aus der EU oder Drittstaaten zugewanderte Jugendliche oder junge Erwachsene, die nicht mehr schulpflichtig sind, aber einer (Aus)Bildung bedürfen.

Grund dafür ist nicht nur die sinkende Anzahl an Asylwerbern. Es gebe schlicht keinen Grund, das Projekt nicht zu öffnen, heißt es aus dem Büro von Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ). "Gelungene Integration ist abhängig vom persönlichen Willen und den entsprechenden Angeboten", sagt Hacker. Ziel des Jugendcollege ist es, Jugendliche und junge Erwachsene Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten anzubieten und ihnen so den Eintritt in den Arbeitsmarkt zu erleichtern. "Wir lassen die Jugendlichen nicht im Stich, egal woher sie kommen", sagt Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ).

AMS-Plätze halbiert

Dafür stehen ab Juli pro Jahr 4,8 Millionen Euro zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt zur Hälfte aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) und von der MA 17 (Integration und Diversität), dem Fonds Soziales Wien (FSW) , sowie dem Arbeitsmarktservice. Wie der KURIER erfuhr, musste das AMS, dem ja Fördermittel von der Bundesregierung gestrichen wurden, die Förderungen an da Jugendcollege allerdings halbieren. Statt wie bisher 500 Plätze pro Jahr fördert das AMS künftig nur noch 250 Plätze. Trotz Budgetkürzung durch den Bund bekenne sich das AMS voll und ganz zu dem Projekt, heißt es. Die Förderungen der Stadt Wien bleiben gleich hoch wie bisher.

Das Jugendcollege besteht seit 2016. 1958 Jugendliche und junge Erwachsene - vor allem aus Afghanistan, Syrien, Somalia und dem Irak - haben daran teilgenommen. 714 von ihnen konnten in ein Arbeitsverhältnis, eine weiterführende Ausbildung, ein Studium oder eine Lehre vermittelt werden. Das Bildungsangebot beginnt mit einem sogenannten "Clearing" (wo Interessen und Kompetenzen geklärt werden) und umfasst Basisbildung in Mathematik, Englisch, Informations- und Kommunikationstechnologien). Darüber hinaus absolvieren die Teilnehmer Wahlmodule in den Fächern Natur, Gesundheit, Soziales, kritische Partizipation,  Peer-Dolmetsch oder Werkstätte.

 

( kurier.at ) Erstellt am 10.06.2018