Wien: Wegen Jugendcollege weniger Mindestsicherungs-Bezieher
Perspektiven für junge Menschen schaffen, damit „die Zukunft freudig Hallo schreit“: So beschreibt Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ) die Zielsetzung des Wiener Jugendcollege. Das Integrationsprojekt wurde 2024 von Stadt Wien und AMS in seiner jetzigen Form ins Leben gerufen, um Asylberechtigte und subsidiär Schutzberechtigte unter 25 Jahren auszubilden und ihnen den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Am Montag wurde nun eine Evaluation der Wirtschaftsuniversität Wien präsentiert, die ein durchaus positives Bild zeichnet.
Im Evaluationszeitraum 2024/ 2025 haben demnach 4.774 der 6.129 Teilnehmer Leistungen der Wiener Mindestsicherung bezogen. Bei fast 3.000 Teilnehmern ist das nun nicht mehr der Fall. 57 Prozent der Teilnehmer benötigen also keine Mindestsicherung mehr.
„Das ist der größte Erfolg, den ich je miterlebt habe und ich bin schon lange im Bereich der Mindestsicherung tätig“, kommentiert das Peter Stanzl, Leiter der Gruppe Strategie der Abteilung Soziales, Sozial- und Gesundheitsrecht der Stadt Wien (MA 40).
Intensive Ausbildung
Doch woran liegt das? Intensive Bildungsprogramme wie das Jugendcollege würden insbesondere junge Geflüchtete mit niedrigem Bildungsniveau besonders effektiv auf den Arbeitsmarkt vorbereiten, sagt Haupt-Studienautor Julian Kettl. Die Ausbildung dauert rund sechs Monate. In den 30 Stunden pro Woche werden Basiskenntnisse in Deutsch, Mathematik und Englisch sowie digitales Grundwissen vermittelt. Berufsorientierung, Wertevermittlung und Finanzbildung stehen ebenfalls auf dem Lehrplan.
Sprungbrett
Auch sozialpädagogische Betreuung gibt es, immerhin handle es sich teilweise um Jugendliche mit Fluchterfahrung, wie Stanzl erklärt. „Da kann immer wieder etwas aufpoppen“.
„Die Maßnahme, die Wien hier gemeinsam mit dem AMS setzt, hat Signalwirkung weit über unser Bundesland hinaus und gilt als Vorbild für erfolgreiche Integration in den Arbeitsmarkt“, zeigt sich auch Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zufrieden.
Generell würde er die Mindestsicherung als Sprungbrett sehen, „von dem man auch wieder weghupfen kann“. Menschen ohne Berufsausbildung oder entsprechende Sprachkenntnisse hätten es besonders schwer, Fuß zu fassen. „Wenn wir in ganz Österreich über Fachkräftemangel reden, müssen wir in diese Menschen investieren und sie dementsprechend ausbilden.“
Verbesserungen
Laut einer Teilnehmerbefragung zeigten sich signifikante Verbesserung bei
...dem Kontakt zur deutschsprachigen Bevölkerung.
...beim Wissen über Arbeitsnormen, die Bedeutung von Ausbildung, Kommunikation am Arbeitsplatz und die eigene berufliche Selbsteinschätzung.
3.380 Deutschprüfungen
In der Zeit der Evaluation wurden 3.380 Prüfungsantritte über alle ÖIF-Deutschprüfungsniveaus hinweg (A1, A2, B1, B2) absolviert, davon wurden 1.949 positiv absolviert. Damit zeigt sich eine Erfolgsquote von knapp 60%.
Kritik
Politisch hat das Jugendcollege auch immer wieder Kritiker auf den Plan gerufen. Zuletzt, als die Finanzierung des Jugendcollege (und des Colleges 25+ für die nächste Altersgruppe) im Gemeinderat im Juni auf insgesamt 25,8 Millionen Euro erhöht wurde. Insbesondere die FPÖ ortete Geldverschwendung. Der blaue Sozialsprecher Lukas Brucker blieb auch nach der Präsentation der Zahlen bei seiner Einschätzung und erklärte das Jugendcollege zur „sauteuren Steuergeldvernichtungsmaschine“.
Er bezweifelte, dass die Teilnehmer dauerhafte, existenzsichernde Beschäftigungen gefunden hätten. Beim AMS Wien hingegen findet man das Jugendcollege gelungen, wie die stellvertretende Landesgeschäftsführerin Katharina Luger bei der Pressekonferenz erklärte. „Ich würde nicht als Vertreterin des AMS hier stehen, wenn ich das Projekt nicht als Erfolg sehen würde.“
Kritik am Bund
Novak und Hacker nutzten den Termin zudem, um einmal mehr den Bund in die Pflicht zu nehmen – und Wien als Positiv-Beispiel darzustellen. „Die Stadt Wien setzt Angebote, während uns andere nur Sachen ausrichten“, sagte etwa die Finanzstadträtin.
Ein Gedanke, den Hacker bei seiner Wortmeldung weiterführte. Er erwarte sich vom Bund, dass die Dinge, die im Regierungsprogramm festgeschrieben sind, auch umgesetzt werden. „Wenn drin steht, Integration ab Tag 1, dann erwarte ich mir mehr Fleisch und nicht immer nur gute Ratschläge.“
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