Wie Jörg Haiders Tennistrainer in Wien auf der Anklagebank landete
Stefan Gruze, Hauptangeklagter im Wienwert Prozess.
Am Donnerstag, dem vierten Tag im Wienwert-Prozess, kommt auch Stefan Gruze zu Wort. Er ist der Hauptangeklagte in dem Prozess, bei dem es um 1.800 Geschädigte und eine Schadenssumme von 41 Millionen Euro geht.
Die Anleger seien über Jahre getäuscht worden, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, und hat Gruze, seine beiden Vorgänger und eine Vielzahl anderer Personen angeklagt. Darunter Karl Mahrer (ÖVP), der wie seine Frau mit einer Diversion schon aus dem Verfahren ausgeschieden wurde.
Am Donnerstag hat vor Gruze auch der mächtige SPÖ-Bezirksvorsteher aus der Donaustadt, Ernst Nevrivy, seinen Auftritt. Er bleibt dabei, nicht schuldig im Sinne der Anklage zu sein.
Gruze kommt gut vorbereitet zu seiner ersten Wortmeldung. Und die fällt wortreich aus. Sehr wortreich. Mehrere Stunden trägt er - mit klarer Stimme und überzeugend im Ton - seine Sicht der Dinge vor. Nur manchmal muss er einen Schluck Wasser trinken. Und er wird dabei auch sehr persönlich, beim "12-jährigen Stefan, der sich beim Einkauf am Samstag eine Börsenzeitung gekauft hat", erzählt er dem Richter und den Geschworenen.
"Ein Ort des Vertrauens"
Der Kapitalmarkt sei für ihn "nie Mittel zum Zweck, sondern ein Ort des Vertrauens" gewesen: "Der Vorwurf trifft mich in meiner Ehre und hat mein berufliches Leben ruiniert. Die essentiellen Jahre für mein Berufsleben bekomme ich nicht mehr zurück."
Gruze erzählt, wie er über den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, dessen Tennistrainer er war, und die Hypo Alpe Adria Kontakte nach New York knüpfte, um im Finanzgeschäft Karriere zu machen.
Bis er eben 2016 in die Wienwert Holding gekommen ist, die seit kurz vor dem Niedergang im Jahr 2018 bis jetzt im Visier der Justiz steht. Mit Gruze als Hauptangeklagten in dem millionenschweren Betrugsprozess.
Teilgeständig, aber "nicht schuldig"
Er zeigt sich teilgeständig, entschuldigt sich bei den Geschädigten und gibt "grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen“ und andere Fehler zu: "Ich bin zu verschwenderisch mit dem Vermögen der Gesellschaft umgegangen und habe zu riskante Geschäfte gemacht.“ Dass der Abschluss der - aus seiner Sicht millionenschweren - Vereinbarung mit der Bundespensionskasse ihn dazu veranlasst habe, erzählt er auch.
"Kein Betrüger"
Aber er bleibt dabei: Betrüger sei er keiner. Im Gegenteil. Denn er habe zu jeder Zeit transparent agiert und versucht, das finanzielle Chaos zu ordnen: "In der Gesamtschau sind die externen Berater und die von mir eingeleitete Professionalisierung der Beweis, dass ich nie täuschen oder betrügen wollte, sondern der Hinweis auf ordnungsgemäßes Handeln.“
Er ist überzeugt: Die Vorwürfe seien nicht haltbar und überschießend. Aus der Rückschau betrachtet komme die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft zu falschen und überschießenden Schlüssen, was auch schon Gruzes Anwalt Norbert Wess betont hatte.
Vorwürfe gegen Vorgänger
Gruze will, dass das Verfahren getrennt wird – in die Zeit vor seinem Eintritt und danach. Denn in der Zeit der beiden mitangeklagten Gründer habe es "unbesicherte Anleihen, die risikobehaftet waren", gegeben. In der Zeit seien auch massiv Schulden aufgebaut worden, bei ihm nicht mehr. Und er versichert: "Wer bei mir gezeichnet hat, wusste über alle Risiken klar und ausdrücklich Bescheid. Eine Täuschung ist ausgeschlossen. Die Anleger hatten detaillierte Dokumente, die alle Informationen enthielten."
Sprachs und legte den Geschworenen hunderte Seiten dicke Prospekte und Gutachten vor, dabei wird er emotional: "Wer betrügen will, holt nicht so viele externe Berater wie ich ins Haus“, hält er die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft für überschießend und nicht haltbar. Und sich im größten Teil der Anklage für nicht schuldig.
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