Nevrivy vor Gericht: "Mit Rapid-Karten kann man mich nicht kaufen"
Vor dem Verfahren beraten sich Ernst Nevrivy und sein Anwalt Volkert Sackmann noch im Lokal "Edison".
Ein Politiker hat das Verfahren schon hinter sich: Karl Mahrer ist mit einer Diversion und einer hohen Bußgeldzahlung aus dem Wienwert-Prozess raus.
Für den anderen angeklagten Politiker, den SPÖ-Bezirksvorsteher von Donaustadt, Ernst Nevrivy, geht es heute mit seiner Einvernahme weiter. Zuvor haben sich er und sein Anwalt Volkert Sackmann noch im benachbarten Lokal "Edison" auf den heutigen Prozesstag vorbereitet.
Genauso übrigens wie der Hauptangeklagte im Wienwert-Prozess, Stefan Gruze, mit seinem Anwalt Norbert Wess. Gegenüber den Medien gibt Nevrivy weiterhin keine Stellungnahme ab, vor dem Richter schon.
Nevrivy ist wegen Verrats von Amtsgeheimnissen angeklagt, weil er Gruze einen Tipp zum Ankauf eines Hauses in der Attemsgasse gegeben habe, das dieser gekauft und kurz darauf um über 800.000 Euro teurer an die Wiener Linien veräußert hat.
Er ist der erste am vierten Prozesstag, nimmt noch Unterlagen aus seinem braunen Aktenkoffer und setzt sich auf den Anklagestuhl. "Ich bekenne mich in allen Anklagepunkten nicht schuldig", sagt er laut und deutlich dem Richter.
"Da trifft dich der Schlag"
Spurlos ist das Verfahren nicht an ihm vorbeigegangen. "Wenn du hörst, gegen dich wird ermittelt, trifft dich gleich einmal der Schlag", räumt er ein. Aber er war immer davon ausgegangen, das ausräumen zu können: "Nur habe ich das Gefühl, dass die Staatsanwaltschaft entlastendes Material weggelassen hat."
"Bin mit Rapid-Karten nicht zu kaufen"
Dann geht er auf die Punkte ein. "Mit Rapid-Karten kann man mich nicht kaufen", betont er. Die bekomme er "von meinem Buam".
Der "Bua" ist Christoph Peschek, Nevrivys Stiefsohn, mit dem er schon als Kind zur Rapid gegangen sei. "Ich bin gewissermaßen mitverantwortlich, dass er Rapid-Präsident geworden ist", sagt Nevrivy.
„Rapid-Karten sind für mich, verstehns mich richtig, jo, eh“, sagt Nevrivy, "ich hab sie in dem Fall von Gruze genommen, weil ich mit einem neuen Freund Zeit verbringen hätte können."
Ebenso verhält es sich mit den Moldawien-Karten. "Das Spiel hat keinen mehr interessiert, da waren nur mehr 21.000 Zuschauer", erinnert er sich, "da habe ich nicht das Gefühl, dass man mich damit kaufen oder bestechen könnte." Und Gruze war nicht einmal dabei.
"Das war vor Ibiza, heute sieht man das vielleicht anders"
Wiewohl er eingesteht: "Das war 2017, vor Ibiza, vor den Schmid-Chats, das war eine andere Zeit. Heute sieht man das vielleicht ein bisschen anders. Aber ich habe nicht gehört, dass jemals wer wegen Vip-Karten vor Gericht gestanden ist."
Wiener Wahnsinn mit Gruze bekannt gemacht
Dass er Stefan Gruze mit der Gruppe Wiener Wahnsinn bekannt gemacht hat, räumt er ein. Und gibt Einblick in seine private Hochzeitsfeier. Schließlich wird ihm vorgeworfen, die Gruppe habe gratis auf seiner Hochzeit gespielt, bei der auch Gruze eingeladen war.
"Das stimmt nicht. Ich habe im Garten meiner Bezirksorganisation geheiratet, da habe sie nicht gespielt, auch nicht bei der privaten Feier im Lokal."
Erst spät in der Früh sei er mit anderen noch ein ein nahes Café gegangen, wo "zwei oder drei von denen unplugged gespielt" hätten.
"Ein Bezirksvorsteher hat nur Freunde"
Gruze hat Nevrivy übrigens bei einem Rapid-Match näher kennengelernt. "Da war ich mit meinem Stiefsohn beim Spiel, Herr Gruze war mir sympathisch", erzählt Nevrivy. Auf die Frage des Richters, ob sie befreundet seien, sorgt Nevrivy für Lacher: "Als Bezirksvorsteher hast du nur Freunde.“
Auf Nachfrage des Richters konkretisiert er: "Ja, das war im Wachsen." Drei echte neue Freunde habe er in der Zeit als Bezirksvorsteher dazugewonnen. Gruze wäre einer davon: "Deshalb war er auch auch meiner Hochzeit." Seit 2018, dem Niedergang der Wienwert-Gruppe, gäbe es keinen Kontakt mehr.
Und dann ist da noch die Sache mit der Remise. "Welche Rolle haben Sie da als Bezirksvorsteher?", will der Richter wissen.
"Das haben schon alle gewusst"
"Die Position der Donaustadt vertreten", antwortet Nevrivy, schränkt aber gleich ein: "Alle glauben, Bezirksvorsteher sind mächtig." In der Realität angekommen sei es aber mehr nur ein „Jo eh“.
Den Vorwurf, ein Geheimnis verraten zu haben, mit dem sein Freund Gruze auf Kosten der Wiener Linien rund 800.000 Euro Gewinn machen konnte, weist er strikt zurück. "Seit 2014 war mir spätestens klar, dass die Wiener Linien die Remise bauen wollen." Damals hätte er mit der Info viel Geld verdienen können. Was er nicht gemacht habe.
"100 Leute haben das gelesen"
Denn das von ihm weitergeleitete Mail, das ihm zum Vorwurf gemacht wird, hätten über 100 Personen gelesen. "Wenn es ein Geheimnisverrat ist, hat der, der dieses ursprüngliche Mail geschickt hat, das Geheimnis verraten", legt sich Nevrivy fest: "Ich habe keinerlei Unrechtsbewusstsein gehabt."
Und dann ist da noch die Maklerin, ebenfalls eine Freundin von Nevrivy, die auch bei dessen Hochzeit war. Sie hat schon Monate vor dem vorgeworfenen Mail Stefan Gruze die umstrittene Liegenschaft angeboten. "Haben Sie ihr verraten, dass die Wiener Linien das Haus kaufen wollen?", fragt der Richter. "Das schließe ich aus. Das mache ich nicht", sagt Nevrivy bestimmt.
"Möchte das falsche Bild von mir korrigieren"
Abschließend sagt Nevrivy: "Ich vertraue voll auf das Urteil des Gerichts. Ich war über Monate nahezu täglich in der Zeitung. Der politische Mitbewerber hat mich kein einziges Mal zum Rücktritt aufgefordert. Möglicherweise deshalb, weil der Stadtrechnungshof die Remise schon geprüft hat."
Da stehe drinnen, dass die Wiener Linien das Haus zu teuer gekauft hätten. "No na", sagt Nevrivy und betont erneut: "Die Wiener Linien hätten es ja schon längst kaufen können."
Er mache Medien keinen Vorwurf, "die schreiben, was ist: Nämlich, dass ich angeklagt bin. Nur ist das Bild, das von mir gezeichnet wird, ein Falsches." Und wendet sich an den Richter: "Ich bitte Sie, dass es schnell geht, damit ich dieses Bild korrigieren kann."
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