Remise 2.0 am Abstellgleis: Bauprojekt von Wienwert-Prozess gestoppt
Das Projekt, die Remise in Kagran zu erweitern und darüber Wohnungen zu errichten, hat durch die Anklage gegen Ernst Nevrivy im Wienwert-Prozess eine große Verzögerung erfahren.
„Betriebsbahnhof Kagran“ steht vorne und hinten auf den Straßenbahngarnituren der Linie 26 und 27, die neben dem Grundstück Attemsgasse Nr. 8 in die alte Remise unter der hoch geführten U-Bahn-Trasse der U1 einfahren.
Daneben stehen drei typische Kagraner Privathäuser, einstöckig, leicht aus der Zeit gefallen. Sie sind nicht mehr bewohnt, wie eine Anrainerin dem KURIER bestätigt. Beim Kfz-Meisterbetrieb Pamperl, Attemsgasse Nr. 6, wurden schon lange keine Autos mehr repariert. Auch das „Millionen Haus“ auf Nr. 4 wirkt seit Längerem verlassen. Vom groß angekündigten Projekt, hier eine moderne Remise und eine Wohnhausanlage in Kürze zu eröffnen, kann keine Rede sein.
Gerichtsanhängig
Vielmehr ist das Projekt „Remise 2.0“ in Kagran Nebendarsteller im Wienwert-Prozess mit Anlegern, die um 41 Millionen Euro betrogen worden sein sollen. Eine Häuserzeile in der Attemsgasse ist im Weg. Ein Haus davon, die Hausnummer 4, kauft der Hauptangeklagte, Stefan Gruze, um 1,3 Millionen Euro.
Den Tipp dafür soll er von seinem „Freund“, dem SPÖ-Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy, erhalten haben. Ihm wird Geheimnisverrat vorgeworfen. Er sagt, das hätten schon längst alle gewusst.
"Wiener Linien hätten ausreichend Zeit gehabt"
Die Wiener Linien haben tatsächlich zuvor schon mit der Hausbesitzerin verhandelt, mussten das Haus aber schließlich um 2,15 Millionen Euro von Gruze kaufen. Was schon vom Rechnungshof kritisiert wurde und dann zur Anklage gegen Nevrivy geführt hat. Der bekennt sich nicht schuldig. Sein Anwalt sagt: „Warum die Wiener Linien das Haus nicht früher gekauft haben, müssen Sie die Wiener Linien fragen.“ Denn diese hätten ausreichend Zeit dafür gehabt, sieht der Anwalt des SPÖ-Bezirksvorstehers die Verantwortung einzig und allein bei den Wiener Linien, dass sie 850.000 Euro mehr als Gruze bezahlt haben.
„Bereiten Schritte vor“
Die Wiener Linien sind zu dem Thema derzeit nicht gesprächig und geben „zu laufenden Gerichtsverfahren keine Stellungnahme“ ab. Bestätigt wird lediglich, dass die Wiener Linien derzeit das Ziel verfolgen, „die Erweiterung der Abstellflächen für unsere Straßenbahnen am Bahnhof Kagran und die sinnvolle und nachhaltige Mehrfachnutzung oberhalb der Remise voranzutreiben“.
Derzeit befinde man sich in der Phase der weiteren Planung und Abstimmung, um die nächsten Schritte vorzubereiten. Detaillierte Informationen zu Zeitplänen und Umsetzung liegen noch nicht vor.
Der 27er auf dem Weg in die alte Remise unter der U-Bahn.
Diese detaillierten Pläne hat es allerdings längst gegeben. Die Website der Wiener Linien, auf der dieses Projekt groß präsentiert wurde, wurde mittlerweile allerdings offline genommen. Dafür wird das Projekt, für das ein Konsortium aus S+B Gruppe, Soravia, Arwag und „Neues Leben“ eine europaweite Ausschreibung gewonnen hat, auf deren Website noch angepriesen.
Wohnungen, Nahversorger, Kindergarten
„In zwei Baustufen soll zuerst eine Erweiterungsfläche für die bestehende Remise bei laufendem Betrieb geschaffen werden und dann im zweiten Schritt erfolgt der Ausbau von Wohnraum. Der Abstellbereich für Straßenbahnen wird aufgrund von Infrastrukturerweiterungen der Stadt doppelt so groß. Darüber werden mehrere Baukörper geplant, davon zwei als Hochhäuser. Neben Wohnraum wird auch Raum für Nahversorger und für einen Kindergarten geschaffen.“
Wirkt unbewohnt: Das „Millionen-Haus“ in der Attemsgasse.
Auf den 110.000 Quadratmetern Nutzfläche sollen auch rund 1.000 Wohnungen errichtet werden, die Hälfte davon als geförderter Wohnbau. Schon vor fast zwei Jahren habe es Informationsveranstaltungen in der betroffenen Gegend gegeben, bei denen auch der Architekturwettbewerb angekündigt worden war.
Grundstücke noch nicht für den Bau freigemacht
„Bis Anfang 2025 soll sich eine Jury über das Siegerprojekt verständigen“, heißt es noch immer dazu. Davon ist jetzt aber keine Rede mehr. Und offenbar ist man von einem Juryentscheid weiter entfernt denn je. Denn bislang war es nicht einmal nötig, die vor über acht Jahren – laut Rechnungshof und Anklage zu teuer – gekauften Grundstücke für den Bau frei zu machen.
Die zahlreichen Arbeiter, die zu Mittag die Baucontainer in der Attemsgasse aufsuchen, haben mit dem Bauprojekt nichts zu tun. Sie arbeiten auf dem Grundstück schräg gegenüber. Das Hochhaus Vienna Twenty Two ist allerdings fast fertig, wie zwei Steirer freudig erzählen.
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