Rolltreppen-Attacke: Zuvor Freispruch nach Drohung gegen Simone Lugner
Simone Lugner mit ihrem Anwalt Florian Höllwarth
Am Mittwoch wurde in Wien ein 30-jähriger Mann in eine forensisch-psychiatrische Anstalt eingewiesen, weil er unter anderem eine ihm unbekannte Frau auf einer U-Bahn-Rolltreppe niedergestoßen und einen älteren Mann im Andre-Heller-Park mehrmals brutal attackiert hatte.
Für die Wienerin Simone Lugner war das Urteil eine Art später Genugtuung. Aber auch Grund für großen Ärger, wie sie der Tageszeitung "Heute" sagte.
Denn die Angriffe des Mannes, wegen der er nun eingewiesen wurde, hätten verhindert werden können, ist sie überzeugt.
Verurteilter schon mehrmals angeklagt
Wie das? Der Mann stand nämlich schon einmal vor Gericht. Oder besser: Hätte vor Gericht stehen sollen. Denn wie der KURIER berichtete, hat der Mann im Dezember 2024 an die Kabine des Radiosenders, in dem Simone Lugner gerade ein Interview gab, gehämmert und gedroht, sie umbringen zu wollen.
Das sagt Lugner im Juni auch als Zeugin vor Gericht aus. "Reds leiser, ich zuck aus", soll er geschrien und dabei an den Glasverbau des Studios gehämmert haben.
Er sei dann wieder gegangen, anschließend sei er aber wieder zurückgekehrt und habe mit Sesseln geworfen und "i bring euch um" gerufen, erinnert sich Lugner an den Vorfall.
Simone Lugner: "Habe mich nicht mehr einkaufen getraut"
"Ich habe mich an dem Tag nicht einmal mehr einkaufen gehen getraut", schildert sie rückblickend dieses Erlebnis. Weil der Mann so aggressiv und gezielt agiert habe, wurde auch die Polizei gerufen: "Ja, ich hatte große Angst."
Der Mann wurde im Juni des Vorjahres freigesprochen, ohne dass der Richter ihn jemals zu Gesicht bekommen hat.
Angeklagter ließ sich nicht am Gericht blicken
Denn der Mann blieb damals als Angeklagter gleich zwei Prozessterminen fern. Am zweiten Prozesstag war die Polizei sogar bei ihm, um ihn an der Wohnadresse in der Donaustadt abzuholen. Vergeblich.
Und der Richter beließ es schließlich dabei, das Verfahren in Abwesenheit des Angeklagten abzuwickeln.
Er glaubte dem Mann, der wegen diverser Delikte vorbestraft war, und hat ihn nach weniger als einer Stunde freigesprochen. "Dem Herrn hat irgendetwas nicht gepasst und eine verbale Unmutsäußerung getätigt, aber sicher keine gefährliche Drohung", war der Richter überzeugt.
Und er begründete den Freispruch mit Verweis auf etwas offenbar typisch Wienerisches: "'I bring di um' fällt in Wien 10.000 Mal am Tag, dabei wird aber niemand umgebracht."
Simone Lugner, als Privatbeteiligte am Strafrechtsprozess angeschlossen, akzeptierte das Urteil, ließ im Gespräch mit dem KURIER aber auch damals schon ein schlechtes Gefühl durchblicken: "Meine persönliche Empfindung ist eine andere."
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