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Chronik Wien
05/25/2019

Je größer die Muskeln, desto enger das Höschen

Um die Masse anzusprechen, wurden im Bodybuilding neue Wettkampfdivisionen eingeführt.

von Markus Strohmayer

Kein Haar am Körper. Selbstbräuner und Öl  auf einer Haut, die so dünn ist, dass jede Ader zum Vorschein kommt. Darunter Berge von Muskeln. All das verpackt lediglich in einem winzigen Slip, der kein Gramm Fett verzeiht. So oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen einen Bodybuilder vor.

Damit liegen sie nicht weit daneben.  Speziell in der Königsklasse sehen die Topathleten genau so aus. Dem durchschnittlichen Sportfan ist das zu extrem. In Kombination mit weitverbreitetem Steroidmissbrauch haben Bodybuilder nicht den besten Ruf. Aber spätestens seit Fitnessstudios gefühlt an jeder Ecke aufsperren, wird auch ihr Sport immer massentauglicher.

Die internationalen Verbände haben diese Chance erkannt und neue Divisionen eingeführt.   Damit sollen jene angesprochen werden, die einen Waschbrettbauch zwar schön finden, nicht aber einen Nacken, der an einen Zuchtbullen erinnert.

Model versus Massemonster

Eine der neuen Divisionen heißt „Men’s Physique“. Die Teilnehmer sind nicht übermäßig muskelbepackt. Typisch ist eine V-Form, wie man sie aus Fitnessmagazinen kennt. Viele dieser Athleten stehen als Fitnessmodels vor der Kamera. Von klassischen Bodybuildern werden sie – trotz beachtlicher Form – oft nicht ernst genommen. Sie posen mit knielangen Boardshorts. Diese würden ihre nur durchschnittlich trainierten Beine verdecken, so die Kritik. 

Anders bei „Classic Physique“. Hier stolzieren die Teilnehmer in engen Boxershorts auf die Bühne. Diese Männer kratzen an ihren genetischen Limits, ohne sie durch den massiven Einsatz von Wachstumshormonen zu sprengen. Optisches Vorbild in dieser Division ist  Arnold Schwarzenegger

Die prestigereichste Division bleibt aber „Men’s Open“. Hier sind die „großen Jungs“ in den knappen Speedos zu Hause. Massemäßig gibt es keine Grenzen. Jahrelanges Training, sechs oder mehr Mahlzeiten pro Tag und – zumindest an der Weltspitze – systematisches Doping sind notwendig, um dieses Niveau zu erreichen. Gesundheitliche Risiken werden in Kauf genommen. Ein Sieg in dieser Klasse ist die Champions League des Bodybuildings.