Chronik | Wien
10.11.2018

Islamische Glaubensgemeinschaft wählt neuen Präsidenten

Das IGGÖ-Parlament beschloss am Samstag vorzeitige Neuwahlen am 8. Dezember. Präsident Ibrahim Olgun kandidiert nicht.

Mit einer Zweidrittelmehrheit beschlossen die Mitglieder des Schurarates der Islamischen Glaubensgemeinschaft (IGGÖ) am Samstag vorzeitige Neuwahlen. Daher wird am 8. Dezember der Nachfolger von Präsident Ibrahim Olgun gewählt. Olgun, der intern unter Druck geraten war, nachdem die Bundesregierung am 8. Juni die Schließung von sieben Moscheen sowie die Auflösung der Arabischen Kultusgemeinde Österreichs verkündet hatte, war somit nur 2,5 Jahre im Amt und wird als erster Präsident der IGGÖ vor Ablauf der fünfjährigen Legislaturperiode sein Amt zurücklegen müssen.

Offiziell ist aber nicht von einer Abwahl die Rede, sondern von einem im Sommer gestarteten Reformprozess, zu dem auch die Änderung der IGGÖ-Verfassung gehört. Olgun macht im Gespräch mit dem KURIER aber keinen Hehl daraus, dass er sich das Prozedere anders vorgestellt hätte. "Ich bin enttäuscht, wie das gelaufen ist. Ich hätte den Reformprozess gern zu Ende gebracht. Erst danach hätte es Neuwahlen geben sollen."

"Dirty Campaigning"

Zurzeit habe er kein Interesse, am 8. Dezember noch einmal als Präsident zu kandidieren oder danach irgendeinem Gremium der IGGÖ anzugehören. Angesichts des bevorstehenden Abschieds sagt Olgun: "Es war eine große Ehre für mich, dass ich zweieinhalb Jahre für die Muslime in Österreich arbeiten durfte. Ich habe das getan, ohne mich von irgendeinem Verein instrumentalisieren zu lassen."

Eine Einschätzung, die Olguns Kritiker in der IGGÖ nicht teilen. Dem Präsidenten, der vom türkischen Moscheeverband ATIB aufgestellt worden war, wurde immer wieder nachgesagt, "eine Marionette Ankaras" zu sein und die Kräfteverhältnisse im Schurarat (also im Parlament der IGGÖ) zugunsten von ATIB beeinflusst zu haben.

Zudem wird ihm vorgeworfen, besagte Moscheeschließungen selbst verursacht zu haben, weil er dem Kultusamt formelle Mängel  bei der AKÖ gemeldet hatte. Olgun argumentierte, dass er dazu nach dem Islamgesetz verpflichtet gewesen sei.. 

In Olguns Umfeld meint man, die Moscheeschließungen seien "bloß gegen den Präsidenten ausgenutzt worden", innerhalb der Glaubensgemeinschaft habe es "Dirty Campaigning" gegen ihn gegeben. Bereits in der Schuraratssitzung am 30. Juni waren ja bereits die Befugnisse Olguns eingeschränkt worden. Hintergrund der Aktion wären aber nicht tatsächliche Vergehen des Präsidenten, sondern "ein interner Machtkampf, der der Zukunft der Glaubensgemeinschaft schaden" werde.

Wer beerbt Olgun?

Was Olguns Nachfolger betrifft, wird viel spekuliert. Offiziell hat zwar noch niemand kandidiert, gute Chancen auf das Amt werden aber dem derzeitigen Präsidenten des Schurarates, Ümit Vural, nachgesagt. Der Jurist, der der zur Milli-Görüs-Bewegung zählenden Islamischen Föderation zuzurechnen ist, will das aber noch nicht bestätigen. Mit der Kandidatenfrage werde man sich ab Sonntag beschäftigen.

Auf die Frage, ob der neue Präsident aus seinem bisherigen Verein austreten sollte, antwortet Vural allgemein: "Das ist ein Ansatz, mit dem ich was anfangen kann. Das hätte eine positive Aussagekraft, weil die Person Präsident aller Muslime sein soll." Zudem biete er damit weniger Angriffsfläche nach außen.