Verwandte der Angeklagten kämpften in Syrien für den IS.

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Chronik Wien
04/16/2019

IS-Prozess in Wien: "Schlagt ihnen die Köpfe ab!"

Vier Männer und eine Frau sollen die Terrormiliz unterstützt haben. Etliche ihrer Verwandte zogen tatsächlich in den Krieg.

von Michaela Reibenwein

„Schlagt ihnen die Köpfe ab. Für Gott töten wir euch mit glückerfülltem Herzen. Für Gott terrorisieren wir euch. Wir töten euch mit allen Mitteln. Wir werden euch die Qual bringen.“ Es waren düstere Gesänge wie diese, die der 21-Jährige mitgesungen haben soll, während er mit dem Auto durch Wien fuhr. Der Verfassungsschutz hatte den Pkw verwanzt, die Gesänge gibt’s auf Band.

Der 21-jährige Serbe, der in Wien wohnt, ist nur einer von fünf Angeklagten, gegen die seit Dienstagfrüh ein Hochsicherheitsprozess im Landesgericht Wien geführt wird. Den vier Männern und einer Frau wird Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und krimineller Organisation vorgeworfen. Mit anderen Worten: Sie sollen Anhänger und Unterstützer des IS - des sogenannten "Islamischen Staats" - gewesen sein.

Lieblingsschüler von Hassprediger Mirsad O.

Der Hauptangeklagte, ein 21-jähriger Bosnier, ist ein „Unbelehrbarer“, wie es die Staatsanwältin nennt. Schon 2016 wurde er wegen IS-Unterstützung verurteilt. Er hatte die direkte Nähe des Hasspredigers Mirsad O. gesucht – eine der Hauptfiguren in der österreichischen IS-Szene. O. wurde bereits zu 20 Jahren Haft verurteilt. Den Hauptangeklagten Hamza D. bezeichnete er einst als seinen „Lieblingsschüler“.

Der junge Bosnier hatte auch selbst versucht, nach Syrien in den „Heiligen Krieg“ zu reisen. Erfolglos. Sein Stiefvater hält sich seit April 2014 dort auf – ob er noch lebt, ist ungewiss. Auch der Vater eines weiteren Angeklagten reiste als Kämpfer nach Syrien. Einem Justizwachebeamten soll er gedroht haben: „Wir werden uns wieder sehen, wenn ich für den IS Köpfe abschneide.“

Und auch der Bruder der einzigen weiblichen Angeklagten schloss sich der Terrormiliz an. Die junge Frau – sie sitzt wegen einer Muskelkrankheit im Rollstuhl – ist übrigens mit dem Erstangeklagten Hamza D. verheiratet. Die beiden haben einen kleinen Sohn.

Angeklagte bekennen sich nicht schuldig

Die Ideologie, so behaupten sie alle vor Gericht, würden sie aber strikt ablehnen. Sie bekennen sich nicht schuldig. Der Erstangeklagte, so sagt sein Anwalt, sei bekehrt. Er habe sich nur zu Studienzwecken mit dem IS beschäftigt.

Der Zweite will mit seinen Freunden keine radikalen Treffen in seiner Wohnung abgehalten haben, sondern nur gemeinsam PlayStation gespielt haben.

Der Dritte wiederum leidet unter einer Persönlichkeitsstörung.

Angeklagter Nummer vier will nur Gefallen an den stampfenden Kampfliedern gefunden haben, die er allerdings gar nicht verstand, weil er kein Arabisch spricht. 

Und die Angeklagte habe sich eigentlich nur um den Aufbau der jungen Familie gekümmert.

Urteile gibt es heute keine. Der Prozess wird mehrere Tage dauern.