Iran-Demo in Wien: "Wir kämpfen nicht mehr alleine"
Eine junge Frau wischt sich Tränen aus ihrem Gesicht, während die Menschen um sie herum tanzen, klatschen und Jubelrufe von sich geben. Es sind Tränen der Freude, denn die Iranische Community in Wien hat sich am Sonntag versammelt, um den Tod des Obersten Führers des Landes, Ayatollah Ali Khamenei , zu feiern.
Erwartet wurden bei der Demonstration zur "Unterstützung der Revolution im Iran" laut Landespolizeidirektion 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, letztlich sollen es rund doppelt so viele gewesen sein.
Majid blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.
„Javid Shah“, was auf Deutsch so viel wie „Es lebe der König“ bedeutet, ertönt laut aus der Menge vor der Hofburg. „Es ist der beste Tag meines Lebens“, jubelt auch Majid. Der Anwalt trägt eine Flagge um die Schultern und ein Schild, das Reza Pahlavi, den Sohn des letzten Schahs, zeigt. „Ich habe meinen Studierenden immer gesagt, dass wir nicht aufhören dürfen zu kämpfen.“ Nach 47 Jahren unter Khameneis Regime hegt er nun Hoffnung auf einen Umschwung. Möglich machen soll das Pahlavi: „Er kann uns zur Demokratie führen“, ist der 46-Jährige aus dem Iran überzeugt.
Mohsen, Somi und Leila wünschen sich ihr Land zurück. Sie tanzten ausgelassen vor der Hofburg.
Freiheit vor Augen
Menschen von Jung bis Alt fallen sich zur Begrüßung regelrecht in die Arme, bevor sie tanzend in das Meer von grün-weiß-roten Flaggen eintauchen. Unter ihnen ist die Familie von Mohsen, Somi und Leila, die gerade im Kreis tanzen, als der KURIER sie trifft: „Das ist unsere Heimat, wir wollen sie zurück.“ Zum ersten Mal seit Langem sind sie zuversichtlich, dass das ein freier Iran tatsächlich in Reichweite ist.
„Als ich die Nachrichten gehört habe, konnte ich gar nicht sprechen. Ich habe nur geweint", berichtet auch die 20-jährige Helia. Wie so viele vor Ort wünscht auch sie sich nicht nur, dass das Regime endlich fällt: Viele sehnen die Schah-Zeiten herbei mit Pahlavi als neuen Anführer. „We want our Shah back“ (dt. „Wir wollen unseren Schah zurück“) oder „King Reza“ ist auf vielen Schildern zu lesen.
„Wir erleben gerade Weltgeschichte. Reza wird den Iran ins 21. Jahrhundert führen. Es wird Gleichberechtigung der Frauen, der Minderheiten und eine Trennung von Religion und Staat geben“, ruft einer der Demonstrierenden ins Megafon. Nun gebe es endlich ein Licht der Hoffnung für alle Iranerinnen und Iraner.
Neben Jubel für den Sohn des Schahs gibt es auch Dankesrufe für den amerikanischen Präsidenten Donald Trump und Israels Präsident Benjamin Netanjahu. Der Demozug wird zwischenzeitlich sogar von dem Song „YMCA“ der Village People begleitet – bekanntlich Trumps Lieblingslied. „Wir kämpfen nicht mehr alleine. Es ist Zeit, das Terrorregime zu stürzen“, wird in der Nähe der Strudelhofstiege in die Menschenmenge gerufen.
Die Angst bleibt
Nach dem Massaker Anfang Jänner, bei dem innerhalb von zwei Tagen mindestens 32.000 Menschen brutal ermordet wurden, ist der Tod Khamenei eine Genugtuung für die Iraner. Viele haben unter seiner Herrschaft Familienmitglieder verloren.
Doch trotz aller Euphorie sind Sorgen und Angst noch nicht vergessen. „Es ist noch nicht vorbei“, sagt Parsa. Noch seien viele Szenarien offen, in denen es für die iranische Bevölkerung noch schlimmer werden könnte. Und während in Wien demonstriert wird, kommen trotz Internet-Blackout Nachrichten von Verwandten in Teheran durch: „Es geht uns gut, macht euch keine Sorgen. Sie greifen Ziele wie Militärstützpunkte an, aber keine große Gefahr für die Menschen. Habt keine Angst, es ist ok.“
Allein in Wien leben rund 18.000 Menschen mit iranischer Staatsbürgerschaft (Stand 1.1.2025) – die Zahl jener, die eingebürgert wurden oder in zweiter, dritter Generation als Österreicher geboren wurden, dürfte viel höher sein. Die meisten von ihnen kamen in den 1980er Jahren nach der Islamischen Revolution, als das Regime nach der Machtübernahme mit ersten Massenhinrichtungen begonnen hat und während des Iran-Irak-Krieges. In den vergangenen 20 Jahren sind viele über Studentenvisa eingewandert und haben sich in technischen Berufen etabliert. Bekannt sind Iraner aber vor allem als Ärzte: Österreichweit dürften mindestens 2.000 Ärzte iranischer Abstammung sein.
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