Chronik | Wien
16.11.2017

Integrationsmonitor: Jeder dritte Wiener im Ausland geboren

Stadt Wien präsentierte Integrationsmonitor. Herausforderungen liegen vor allem im Bildungsbereich.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Wiener Wohnbevölkerung um elf Prozent bzw. fast 190.000 Menschen angewachsen. Mehr als ein Drittel der Wiener ist im Ausland geboren. Und jeder zweite hat Migrationshintergrund – ist also selbst nicht in Österreich geboren oder hat zumindest einen im Ausland geborenen Elternteil. Das geht aus dem Integrations- und Diversitätsmonitor hervor, den Stadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) am Donnerstag präsentierte.

Der zum vierten Mal von der MA17 erstellte Bericht liefert Informationen über den Stand des Integrationsprozesses und zeigt auf, welche Herausforderungen die Stadt Wien, aber auch der Bund bewältigen müssen. Beobachtet wurden dafür unter anderem Bereiche wie Bildung, Arbeitsmarkt und politische Partizipation.

Niedriges Einkommen verhindert Staatsbürgerschaft

Wien ist erst seit zehn Jahren eine stark wachsende Stadt“, sagt Czernohorszky. 2016 lebten 1,840 Millionen Menschen in Wien, davon haben 27 Prozent einen ausländischen Pass. Etwa ein Drittel der Einwanderung ist auf Binnenzuwanderung zurückzuführen. Rund 50 Prozent der Zuwanderung aus dem Ausland findet durch EU-Bürger statt – das sind etwa 35.000 Menschen pro Jahr. Und dazu kommen noch jährlich rund 16.000 Drittstaatsangehörige.

Die Zahl der Menschen, die in Wien aufgrund von Verfolgung oder Krieg Zuflucht suchten, bewegte sich in den vergangenen Jahren zwischen 4000 und 5000 Menschen, 2015 waren es rund 22.000 Personen.

Die Anzahl der Ausländer, die in Wien eingebürgert und somit in allen Lebensbereichen gleichgestellt werden, bleibt jedoch niedrig. In den Genuss kommen sechs von 1000 ausländischen Staatsbürgern. 2016 gab es insgesamt 3055 Einbürgerungen. Niedrige Haushaltseinkommen schließen Menschen, die seit mindestens zehn Jahren hier leben, oft von der Einbürgerung aus. Das betrifft derzeit 21 Prozent der Haushalte aus Drittstaaten.

Jeder vierte Wiener darf hier nicht wählen

Eine der Konsequenzen: Jeder vierte Wiener ist vom Wahlrecht ausgeschlossen. In den kommenden Monaten will Czernohorszky mit dem überparteilichen Expertenrat der Stadt „forum.wien.welt.offen“ daher über Möglichkeiten demokratischer Partizipation beraten. Auf Wiener Initiative wird es kommendes Jahr zudem eine Konferenz der Integrationslandesräte zu diesem Thema geben.

Beim Thema Bildung steht man ebenso vor großen Herausforderungen. Zwar zeigt sich, dass die Bildungsbeteiligung nach der Pflichtschule insgesamt steigt. Auch ist ein Trend hin zu höheren Bildungsabschlüssen zu beobachten. Positiv ist zudem, dass eine Bildungsmobilität zwischen Eltern- und Jugendgeneration stattfindet. „Die Jugendgeneration schafft den Bildungsaufstieg“, sagt Theodora Manolakos, Projektleiterin des Integrationsmonitors bei der MA 17. Der Anteil der Jugendlichen mit maximal Pflichtschulabschluss halbiere sich im Vergleich zu den Eltern.

Zugewanderte Jugendliche haben Probleme, Anschluss zu finden

Bei nach dem Pflichtschulalter zugewanderten Jugendlichen mit geringer Bildung gibt es aber Anschlussprobleme. Ab dem Jahr 2018 starten daher zwei neue Projekte in Wien: Die Einrichtung „Interspace für Jugendliche“ soll, so wie es das Jugendcollege für geflüchtete Jugendliche ist, eine Brücke zu Schule, Lehre und Arbeitsmarkt für neu zugewanderte Jugendliche aus EU- und Drittstaaten darstellen.

Außerdem wird das Projekt „Mama lernt Deutsch“ zu einem Bildungscollege für Frauen ausgeweitet. Für die Jugendlichen werden 520 Plätze zur Verfügung stehen, für die Frauen gibt es 700 Plätze. Vom Bund fordert Czernohorszky, die Ausbildungspflicht bis 18 Jahre auf Asylwerber auszuweiten und die Lehre auch außerhalb von Mangelberufen für diese zu öffnen.

Info: Mama lernt Deutsch - zu den Kursträgern

Erhoben wurde auch die Diversität des Personals der Stadt Wien. Am aktuellen Monitor nahmen 43 Abteilungen mit insgesamt rund 62.000 Mitarbeitern teil.

Besonders auffällig ist die zunehmende mehrsprachige Kommunikation mit den Kunden: 20 Prozent der Wiener Einrichtungen bieten systematisch und 64 Prozent zumindest fallweise mehrsprachige Beratungen an (u. a. auf Englisch, Türkisch, BKS, Arabisch, Polnisch oder Russisch). Rund 8000 Mitarbeiter sprechen Sprachen aus den zehn Top-Herkunftsländern der Wiener Bevölkerung. Und 25 Prozent der Mitarbeiter sind selbst ausländischer Herkunft.

Der Integrationsmonitor ist online unter https://www.wien.gv.at/menschen/integration/grundlagen/monitoring/ abrufbar.