Inklusionsoffensive: Damit beim ESC alle mitfeiern können
Die Musik ist laut, die Menge dicht, die Stimmung elektrisierend. Beim Eurovision Song Contest gehört das dazu. Für viele Menschen mit Behinderungen bedeutet diese Atmosphäre aber oft Stress. Beim ESC in Wien soll das anders laufen: Die Stadt setzt parallel zum Megaevent auf eine groß angelegte Inklusionsoffensive. Mit barrierefreien Angeboten, geschultem Personal und neuen Awareness-Konzepten will Wien zeigen, dass Großveranstaltungen für möglichst viele Menschen zugänglich sein können.
„Das Ziel besteht darin, Wien langfristig als führende Host City für inklusive Großevents zu positionieren“, sagt Vizebürgermeisterin und Wirtschaftsstadträtin Barbara Novak (SPÖ). Inklusion sei nicht nur gesellschaftliche Verantwortung, sondern auch ein strategischer Vorteil für den Veranstaltungs- und Tourismusstandort. Die Initiative wird in enger Zusammenarbeit mit der Plattform „Freiwillig für Wien“ umgesetzt.
Zusammenarbeit mit "Full Access"
Dass hier Handlungsbedarf besteht, zeigen aktuelle Zahlen: In der EU lebt rund ein Fünftel mit sichtbarer und unsichtbarer Behinderung. In Österreich ebenfalls, das sind rund 1,9 Millionen Menschen.
Deswegen wird heuer besonders drauf geachtet und das Unternehmen Full Access, das seit 2016 auf barrierefreie Freizeit- und Großveranstaltungen spezialisiert ist, hilft dabei. „Wir unterstützen dabei, eine möglichst barrierearme Veranstaltung umzusetzen“, erklären Martina Gollner und Christina Riedler von Full Access. Ziel sei es, Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen die Teilnahme zu ermöglichen – von motorischen Einschränkungen bis zu sensorischen oder neurologischen Anforderungen.
Und diese Möglichkeiten starten direkt beim Flughafen. Bei Infoständen sollen sich Besucher über alle barrierefreien Angebote in Wien informieren können und, falls nötig, einen Ansteckpin holen. Der ist dafür gedacht, unsichtbare Behinderungen sichtbar zu machen – das Personal am Flughafen und rund um den ESC ist darauf geschult, den Pin mit der Sonnenblume zu erkennen und bei Bedarf den Personen zu helfen.
Maßnahmen an allen Veranstaltungsorten
Neue Maßnahmen In der Stadthalle und am Rathausplatz soll es unter anderem Rollstuhlplattformen, Ruhezonen und eigene Bereiche für Assistenzhunde geben. Besucher können sich dort auch bei Bedarf spezielle Reizentlastungs-Sets kostenlos ausleihen. Diese enthalten Gehörschutz, Lichtschutzfassungen und sogenannte Fidget-Tools, die helfen können, Reize besser zu verarbeiten.
Auch Nebenveranstaltungsorte wie der Praterdom das Wien-Museum sind mit Barrierefreiheitsmaßnahmen ausgerüstet.
Mit an Board der Inklusionsoffensive und offizieller Partner des ESC sind auch die Österreichischen Lotterien gemeinsam mit win2day. Laut Erwin van Lambaart, Generaldirektor der Österreichische Lotterien, beschäftigte man sich fünf bis sechs Monate lang mit der Umsetzung der Maßnahmen. Ein eigenes Budget wurde dafür bereitgestellt, konkrete Kosten wurden nicht genannt.
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