Chronik | Wien
13.09.2018

Mit Michael Ludwig im Kipferlexpress nach Bratislava

Der erste Auslandsbesuch von Bürgermeister Michael Ludwig führte in die slowakische Nachbarstadt. Mit dem Zug.

Bratislava statt Tokio. Einst jettete Michael Häupl für seinen ersten Auslandsbesuch als Bürgermeister in das Land der aufgehenden Sonne – Anlass war der erste AUA-Direktflug nach Tokio – seinen Nachfolger Michael Ludwig zieht es nicht so weit. Bratislava heißt sein erstes Ziel, statt Flugzeug per Pendlerzug. Dieser wurde kurzerhand zum Kipferlexpress, der Bürgermeister verteilt selbige bekanntlich gern, diesmal durften sich die Zuggäste freuen. Nach einer guten Stunde war das Ziel erreicht, der erste Auslandsbesuch konnte beginnen. Wobei Ausland relativ ist, wie zur Begrüßung gleich Ludwigs slowakisches Pendant Ivo Nesrovnal feststellte. „Wir sind schon so eng zusammengewachsen, dass wir praktisch eine Region sind. Kulturell, historisch, kulinarisch sind wir ein Gebiet.“

Der Besuch hat durchaus Symbolcharakter. Ist doch die Rückbesinnung auf die eigene Region, auf die eigenen Leute auch ein zentrales Motiv von Ludwig. Da passt eine Zugfahrt nach Bratislava zum bodenständigen Image. Dass Wien in internationalen Rankings bei der Lebensqualität auf Platz Eins liegt, ist schön und gut – aber man dürfe nicht auf jene vergessen, die es in Wien nicht so gut haben, betonte Ludwig vor Schülern des bilingualen (deutsch/slowakisch) Bilikova-Gymnasiums in Bratislava.

Bratislava und Wien verbindet auch die starke wirtschaftliche Verflechtung, keine Hauptstädte der Welt sind räumlich so nah gelegen wie Wien und Bratislava. 6 Milliarden Euro investierten österreichische Firmen im Großraum Bratislava.

Daher sprachen sich beide Bürgermeister auch dafür aus, die Verbindungen auf der Straße aber auch der Bahn auszubauen. Gleichzeitig soll es auch bei Flusskreuzfahrten stärkere Kooperation geben. Nesrovnal betonte auch, dass es sein Wunsch wäre, beide Flughäfen mit der Bahn zu verbinden – ob das in den Chefetagen in Schwechat auch begrüßt wird, bleibt offen. Macht doch Bratislava den Österreichern im Billigflieger-Bereich schon länger Konkurrenz. Dennoch betonte auch Wiens Wirtschaftskammerpräsident, der ebenfalls mit einer Delegation nach Bratislava gekommen war, wie wichtig es für beide Städte ist, den Wirtschaftsraum zu öffnen.

Das betrifft auch den Ausbau der russischen Breitspurbahn durch die Slowakei bis vor die Tore Wiens. Doch der Zeitplan dafür ist ein längerer. Optimistische Berechnungen gehen von 10 Jahren aus. In der Zeit wird Michael Ludwig wohl noch öfters nach Bratislava fahren. Mit dem Zug.