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Chronik Wien
06/23/2019

Illegale Straßenrennen: Polizei bremst Roadrunner aus

Seit 1995 kämpft die Exekutive aktiv gegen Straßenrennen, aber die Szene formiert sich ständig neu. Gestern hieß es wieder "Aktion scharf".

von Markus Strohmayer

Mit mindestens 182 Stundenkilometern raste ein Sportwagenfahrer in der Nacht auf Sonntag über die Wiener Triester Straße. 50 km/h wären in dem Abschnitt erlaubt gewesen. Während einer kurzen Verfolgung vergrößerte sich der Abstand zur Polizeistreife sogar noch. Knapp vor der Autobahnauffahrt wurde der Lenker aber schließlich angehalten.

Er war nur einer von vielen, der den Beamten der Landesverkehrsabteilungen Wien, Niederösterreich und Burgenland im Rahmen einer gemeinsamen Roadrunner-Schwerpunktaktion ins Netz ging. Nicht alle waren dabei so rücksichtslos wie der Raser auf der Triester Straße unterwegs, erklärt der Leiter der Wiener Verkehrspolizei, Michael Takacs, unter dessen Leitung Jagd auf die Roadrunner gemacht wurde. 

Illegale Umbauten

„Die Szene ist zweigeteilt, in jene, die legal ihre Fahrzeuge tunen und damit ihre Liebe zur Technik und zum Auto zur Schau stellen. Hier geht es mehr ums Sehen und Gesehen werden.“ Problematischer seien hingegen Fahrer, die illegale Umbauten tätigen würden. Etwa, um mehr Lärm zu erzeugen und Aufmerksamkeit zu erregen. „Diese wollen sich messen, am liebsten auf öffentlichen Verkehrsflächen. Da haben sie den Reiz, erwischt zu werden.“ 

Dicle H. ist 22 Jahre alt und gehört zur ersten Gruppe. Er hat lang für seinen VW Golf GTI Performance gespart. Für knapp 20.000 Euro hat er 230 PS bekommen. Und so wenig Bodenfreiheit, dass die Polizisten auf sein Fahrzeug aufmerksam wurden. Als er aussteigt, erzählt er stolz, dass sein  Auto viele Blicke auf sich ziehe. Auch seiner Freundin gefalle es sehr.

Frage der Sicherheit

Die Techniker der Wiener Landesfahrzeugsprüfungsstelle (MA46) beginnen unterdessen den tiefergelegten Golf detailliert zu prüfen. KFZ-Sachverständiger Alois Gabat ist seit 1998 bei solchen Kontrollen dabei: „Wir testen auf Verkehrssicherheit, Umweltverträglichkeit und Lärm.“ Geringe Bodenfreiheit, laute Auspuffe und breite Reifen seien oft erste Anzeichen.

Laut Takacs werde es dann schnell gefährlich. Bei einem zu niedrigen Fahrwerk reiche ein kleiner Stein, um die Kontrolle zu verlieren. „Wir hatten mehrere tödliche Unfälle durch die Roadrunner-Szene. Wir sind da, um fahrlässige Lenker rechtzeitig aus dem Verkehr zu ziehen.“

Lärmbelästigung

Dicle H. wird sein Kennzeichen Samstagnacht aus einem anderen Grund abgenommen: Sein Golf ist zu laut. 14 Dezibel über dem im Zulassungsschein eingetragenen Wert werden angezeigt. Das hört sich nicht viel an, aber zehn zusätzliche Dezibel eines frisierten Fahrzeugs produzieren denselben Lärm wie 100 unveränderte Autos. Dicle H. muss sein Fahrzeug so weit rückbauen, dass es wieder den gesetzlichen Auflagen entspricht. Erst dann bekommt er sein Kennzeichen zurück.

Takacs weiß, dass es sich dabei um ein Katz- und Mausspiel handelt: „Viele tunen ihre Autos nach Rückgabe des Kennzeichens wieder.“ Trotzdem müsse man dranbleiben. Es gehe nicht nur um Lärm, sondern um die Sicherheit, speziell bei jenen, die um die Wette fahren. 

Lebendige Rennszene

Dass abgesprochene Rennen stattfinden, sagt nicht nur die Polizei. Auch die Fahrer an den Treffpunkten bestätigen das. Es soll Lenker geben, die eigens unterwegs sind, um Radarkontrollen und Polizei auszuspähen. Andere wiederum fahren vor – etwa am Gürtel – um den Verkehr zu blockieren und somit freie Bahn zu schaffen.

Mit Schwerpunktkontrollen kämpft die Polizei dagegen an. Doch die Szene reagiert und ändert laufend ihre Hotspots.