Chronik | Wien
11.01.2019

Illegale Schönheit-OPs in Wien: Behandelte ein verurteilter Arzt?

Ehemaliger Mediziner soll im Schönheitszentrum tätig gewesen sein. Ein weiterer Arzt leistete "Beitrag zu Kurpfuscherei".

Die unerlaubten kosmetischen Eingriffe in einem Schönheitszentrum in Wien-Meidling könnten weitreichender sein, als bisher gedacht. Zum falschen Chirurgen  - am Montag nicht rechtskräftig verurteilt - kommen weitere Verdachtsfälle.

Bei einer Kontrolle der MA 40 am 20. Dezember 2017 fand man in einem Behandlungszimmer einen Plastiksack mit OP-Instrumenten (Scheren, Pinzetten, Haken, Sonden), die einem verurteilten Arzt gehören sollen. Der Sack war mit der Aufschrift "Alternativmedizin" versehen und hinter einer Tür versteckt. Bei den Gegenständen handelt es sich nur um solche, die bei chirurgischen Operationen verwendet werden.

Der in dem Behandlungszimmer praktizierende Arzt, er hat eine Zulassung, gab sich damals unwissend. Der Geschäftsführer der „Schönheitsklinik“ konnte jedoch Licht ins Dunkel bringen und nannte gegenüber der MA 40 den Namen eines bereits verurteilten Mediziners. Der Verurteilte war jedoch nicht vor Ort. Ein entsprechender Bericht erging an die Staatsanwaltschaft Wien. Laut Wiener Ärztekammer gab „es Vermutungen, dass der ehemalige Arzt tätig ist“. „Hier wurde auch stets enger Informationskontakt zur MA 40 gehalten“, sagt Sprecher Hans-Peter Petutschnig.

"Dürfte ein Nest sein"

Der Mediziner ist kein unbeschriebenes Blatt. 2014 wurde ihm die Zulassung entzogen. Er hatte ohne Berechtigung in seiner Ordination in Wien-Favoriten Patienten behandelt. Außerdem bestand Kontakt zu einer algerischen Bande, die auf Einbruchsdiebstähle spezialisiert war und ihm Diebesgut anbot. Rund die Hälfte der Gegenstände in seiner Ordination war gestohlen. Außerdem soll der Mann als Lieferant gedient und gefälschte Potenzmittel verteilt haben. Er wurde im Oktober 2017 zu einer bedingten  Haftstrafe von sieben Monaten und 3000 Euro verurteilt. „Das Schönheitszentrum dürfte ein Nest von solchen Ärzten gewesen sein“, schildert  ein Insider.

Gegen jenen Mediziner, der auch in der „Schönheitsklinik" praktizierte und nichts über die OP-Instrumente wissen wollte, gab es ebenfalls Ermittlungsansätze. Er soll  mit dem slowakischen Arzt, der am Montag in Wien verurteilt wurde, ebenfalls zusammengearbeitet haben. Die MA 40 erhob nach der Kontrolle  den Vorwurf „mit einem nicht berufsberechtigten und nicht einschlägig ausgebildeten bzw. qualifizierten Arzt, an einer ästhetischen Operation als Anästhesist zusammengewirkt“ zu haben und „dadurch einen Beitrag zur Kurpfuscherei und fahrlässigen Körperverletzung geleistet zu haben“.  Der Mann ist als Allgemeinmediziner und Anästhesist zugelassen.

 

Wie schlimm eine Operation durch die Hände eines nicht qualifizierten Arztes sein kann, zeigen auch die damaligen Ermittlungen in Bratislava. In der illegalen Klinik, in der auch der slowakische Arzt an Menschen herumschnitt, musste einem Patienten nach einer Operation das Bein amputiert werden.

Der Mann hatte sich dort 2013 Hilfe erhofft, da er unter Krampfadern litt. Die Operation führte zu Komplikationen, weshalb er sein Bein verlor. Die Klinik schloss ihre Pforten. Der falsche Chirurg fand den Weg dann nach Österreich, bekam eine Anstellung in dem „Schönheitszentrum“ in Meidling. Die offizielle Berufsbezeichnung: „Verwalter“.

Vor Konkurs

Die ominöse Schönheitsklinik dürfte laut Insidern vor dem Konkurs stehen. In der Jahresbilanz für 2017 wies die Firma hinter dem Schönheitszentrum Schulden von über 380.000 Euro auf. Der 47-jährige Geschäftsführer ist alleiniger Eigentümer. Gegen ihn ermittelt laut KURIER-Informationen auch die Staatsanwaltschaft Wien.