Gut behütet: Hutmacherei seit fast 170 Jahren
Eine unscheinbare grüne Tür auf der Mariahilfer Straße 4, daneben eine kleine Auslage mit einem Hut. Dass sich hinter der Fassade eine der letzten traditionellen Hutmacherwerkstätten Wiens befindet, lässt sich von außen kaum erahnen.
Betritt man das Geschäft, stehen alte Holzformen, historische Maschinen und Werkbänke dicht aneinander. Hüte in allen Formen und Farben stapeln sich hier – in der Mitte der Hutmacher selbst, der 66-jährige Shmuel Shapira.
Handwerk mit Freude
Die Hutmacherei Szászy zählt zu den ältesten ihres Fachs in Wien. Gegründet wurde sie 1858 vom ungarischen Hutmacher Michael Szászy. Heute führt Shmuel Shapira den Betrieb. „Ich habe nach einem Handwerk gesucht, das mir Freude macht“, erzählt er. Und Freude hat nicht nur er: „Der liebe Gott schenkt mir, dass meine Hüte auch bei den Kunden gut ankommen.“
Seit 1991 arbeitet er in der Werkstatt. Fünf Jahre lang erlernte er das Handwerk, bevor er den Betrieb übernahm. Nicht nur der Name des Betriebs, auch die Tradition ist seit fast 170 Jahren gleich geblieben. Shapira arbeitet noch mit alten Maschinen, ohne technische Hilfsmittel. „Bei mir dauert es länger als in Fabriken, dafür ist es handgemacht.“
Hutmacher Shapira arbeitet noch mit alten Geräten, ohne technische Hilfsmittel.
Schon die Beratung nimmt Zeit in Anspruch. Termine muss man sich im Vorhinein ausmachen. „Wenn ein Kunde kommt, dauert es mindestens eine Stunde, bis ich mir überlegt habe, was zu ihm passt“, sagt der Hutmacher. Die Wahl des richtigen Hutes sei eine persönliche Angelegenheit. Schließlich müsse er nicht nur gefallen, sondern auch zur Kopfform, zum Gesicht und zur Persönlichkeit seines Trägers passen.
Danach beginnt die harte Arbeit. Das Rohmaterial Filz lässt Shapira aus einer Fabrik liefern. Er bringt zunächst die rohe Masse, den Rohling, unter Dampf in Form. Gehärtet wird das Material mit Schellack, einem natürlichen Harz. Dann wird der Filz über Gusseisenformen und auf Holzmodellen bearbeitet. Die schwere Handpresse verleiht dem Filz seine Festigkeit.
Schritt für Schritt entstehen Krone und Krempe des Hutes. Zum Schluss wird die Oberfläche geglättet und poliert. Selbst das Hutband näht Shapira noch mit der Hand an. „Kleine Nuancen machen den Unterschied“, sagt er. Ein konfektionierter Hut kostet je nach Modell mehrere Hundert Euro. Maßanfertigungen beginnen bei rund 3.000 Euro und können je nach Aufwand und Material deutlich darüber liegen. Dafür erhält der Kunde ein Einzelstück, das exakt auf ihn abgestimmt ist.
Zukunft ungewiss
Mittlerweile hat Shapira viele Stammkunden, aber immer öfter fragen auch junge Männer in seinem Laden nach einem Hut. Dennoch beschäftigt Shapira die Zukunft des Handwerks. „Es ist nicht möglich, das einfach zu übernehmen, weil man es kennen muss“, sagt er. Mehrfach habe es bereits Anfragen aus dem Ausland gegeben. Doch die Arbeit erfordere jahrelange Erfahrung und Verständnis für die Tradition des Hauses.
Ob junge Menschen ihren Weg in dieses Handwerk finden, kann er nicht sagen. Ans Herz legt er aber: „Wenn jemand Handarbeit sucht und etwas, womit man Freude hat, dann könnte Hutmacher ein interessanter Beruf sein.“
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