Chronik | Wien 05.12.2011

Hunderte Mütter ohne Kindergeld

Weil die Krankenkasse umzieht, gibt es massive Verzögerungen bei der Auszahlung des Kinderbetreuungsgeldes.

Ich habe mein Konto heillos überzogen. Die anfallenden Zinsen zahlt mir natürlich niemand", ärgert sich Petra T. Erst mit dreimonatiger Verspätung hat sie das Kinderbetreuungsgeld für ihre im April geborene Tochter bekommen. Insgesamt geht es um die stattliche Summe von 1800 Euro.

Wie Frau T. geht es derzeit vielen jungen Müttern: Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) kommt mit der Abwicklung der Anträge nicht nach. "Schuld sind unerwartete Sanierungsarbeiten, die im Zuge des Umzuges der Servicestelle notwendig wurden", heißt es bei der WGKK. Rund 1800 Versicherte waren zeitweilig von den Verzögerungen betroffen, "wobei die Zahl mittlerweile stark fallend ist". In etwa ein bis zwei Wochen soll das Problem gelöst sein.

Für die Betroffenen ist das allerdings nur ein schwacher Trost. "Bei mir geht es um 624 Euro pro Monat, die ich immer noch nicht bekommen habe. Da wird es finanziell schon ziemlich eng. Ich halte das für einen absoluten Wahnsinn", sagt Hanna S., eine weitere Mutter. Weil das Kindergeld noch nicht da ist, kann sie auch keinen Mietzuschuss beantragen. Nur weil ihr Mann berufstätig ist, kommt die Familie finanziell gerade noch über die Runden. "Ich frage mich aber, wie es Alleinerzieherinnen in dieser Situation geht."

Petra T. hat schon nachgedacht, ihren finanziellen Schaden einzuklagen. "Doch wer tut sich so was schon an?" Hinzu gesellen sich aber noch weitere Probleme: Durch die Verzögerungen bei den Kindergeld-Anträgen kommt es zu einer Deaktivierung der eCard. "Ich hab' erst bei einem Arzttermin erfahren, dass ich eigentlich nicht versichert bin", sagt Ulrike Trybus. "Somit hätte ich die Kosten für die geplante Operation selbst auslegen müssen."

Schlecht informiert

Erst nach einem langwierigen Telefonat mit der WGKK konnte das Problem behoben werden. Die junge Mutter versteht nicht, warum die Kasse ihre Versicherten nicht ausreichend informiert. "Man hat das Gefühl, dafür bestraft zu werden, dass man ein Kind bekommt", ärgert sie sich.

Trotz der eCard-Panne seien die Patienten aber auf alle Fälle versichert, betont man bei der WGKK. Sollte es bei Arztbesuchen zu Problemen und Unklarheiten kommen, soll man noch in der Praxis bei der Hotline 01 / 601 22 - 2222 anrufen.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011