Chronik | Wien
05.12.2011

Höchstes Gebäude Österreichs entsteht

Baustellen-Visite: Auf der Wiener Donauplatte wird derzeit das höchste Gebäude Österreichs hochgezogen.

Das Ziel von Gerhard Brunner liegt in 220 Metern Höhe und ist die Spitze des DC Towers. Es ist nicht nur das größte Hochhausprojekt in Österreich, sondern auch für den Projektleiter der WED die größte Chance seines Lebens, "so etwas Großes zu bauen". Fast wäre es gar nicht dazu gekommen. Der Baubeginn musste aufgrund der weltweiten Finanzkrise mehrmals verschoben werden, der Spatenstich erfolgte erst im Juni des Vorjahres. Bis zum Frühling 2013 will man fertig sein. In die ersten 15 der 60 Etagen wird ein Hotel einziehen, der große Rest wird Bürofläche. In den oberen Stockwerken sollen Luxusapartments und ein Restaurant entstehen.

"Wir haben die sportliche Vorgabe von 34 Monaten Bauzeit bekommen", sagt Brunner, "und wir müssen alle Register ziehen, um das einzuhalten."

Welche Dimension das Unterfangen hat, ist erst auf der Baustelle erkennbar. Riesige Stahlstangen liegen für den nächsten Bauabschnitt bereit, Kräne drehen sich über den Köpfen, überall wuseln Bauarbeiter herum. Knapp 360 Menschen arbeiten rund um die Uhr auf der Baustelle, viele von ihnen schlafen hier. "Auch ich habe am Anfang auf der Baustelle geschlafen", erzählt Brunner, nun hat er ein Büro im nahen Tech-Gate Gebäude mit Blick auf die Baustelle.

Dort ragt der massive Stahlbetonkern des Towers in den Himmel. Gemessen auf die Höhe wird der DC Tower das schlankste Hochhaus Europas, 35 Meter tiefe Fundamente waren notwendig, um das Hochhaus stabil zu halten. 250.000 Tonnen wird der DC Tower nach der Fertigstellung auf die Waage bringen, die Bodenplatte auf der der Tower ruht, ist unglaubliche vier Meter dick, das vierfache der Norm.
"Wir arbeiten hier mit Gleitschalung", erklärt Brunner. Dabei werde der Beton vor Ort in eine mit Stahl verstärkte Form gegossen, ist er ausgehärtet, wandert die Schalung Zentimeter für Zentimeter nach oben. Alle fünf Tage wird ein Geschoß fertig, Pause gibt es keine. "In einem Jahr wollen wir die 60. Etage erreicht haben", erklärt Mario Trimmel von der örtlichen Bauaufsicht. Er ist eine der wichtigsten Personen auf der Baustelle. Neben Mario werken auch Vater Albert und Großcousin Stefan in der Bauaufsicht. Brunner vertraut ihnen blind. "Es ist jeden Tag eine neue Herausforderung. Jeden Tag tauchen neue Probleme auf. Wir machen hier Dinge, die noch nie gemacht wurden", sagt Trimmel stolz.

Etwa den Baubeton in einem eigenen Betonwerk auf der Baustelle selbst anzumischen. "Anders wäre es gar nicht mehr möglich", sagt Trimmel. Der Beton wird direkt über Rohrleitungen nach oben gepumpt. "Am Anfang hat es uns die Pumpe zerrissen, weil der Druck so stark war", erinnert sich Brunner, "bei meinem ersten Hochhaus - dem Andromeda Tower - haben wir den Beton noch mit Kübeln nach oben gebracht."

Es klinge vielleicht komisch, sagt Brunner, aber man entwickle eine echte Beziehung zu den Gebäuden. Oft falle es ihm schwer, sein Kind abzugeben, sagt er und erzählt zum Abschied die Anekdote wie der Verkauf seines ersten Towers zustande kam. "Da stand die Frau des Investors Karl Wlaschek im obersten Stockwerk des Wolkenkratzers und blickte über Wien. Von der Aussicht angetan hat sie sich umgedreht und zu ihrem Mann gesagt: 'Na gut, dann kauf' man halt.'"