Chronik | Wien
18.05.2017

"HNO-Abteilung wird zerschlagen"

Mitarbeiter gegen geplante Absiedlung. KAV hält am Projekt fest, räumt aber Verzögerungen ein.

Immer größer wird der Widerstand gegen die geplante Neustrukturierung der Wiener Gemeindespitäler. Nach den Protesten von Ärzten und Patienten gegen die geplante Verlegung der Augenabteilung des Donauspitals in die Rudolfstiftung (der KURIER berichtete), steigen jetzt auch die dortigen Mitarbeiter auf die Barrikaden.

Denn im Zuge der geplanten Zentrenbildung in den Spitälern des Krankenanstaltenverbunds (KAV) verliert auch die Rudolfstiftung Abteilungen: So soll etwa die HNO auf das Donauspital und das Kaiser-Franz-Josef-Spital aufgeteilt werden.

Ein tiefer Einschnitt in die Wiener Spitalslandschaft, werden doch in der Rudolfstiftung jährlich bis zu 30.000 HNO-Patienten versorgt und rund 2000 Operationen durchgeführt. Übrig bliebe nur mehr eine Ambulanz, die bei der Urologie-Ambulanz angesiedelt wäre.

"Die Übersiedlung würde die Zerschlagung unserer gut gewachsenen, sehr eingespielten Abteilung bedeuten", warnt Personalvertreter Wolfgang Kreuzbauer. "Erst 2012 wurde die HNO-Abteilung mit viel Geld renoviert. Damit sind wir eine der modernsten in ganz Österreich. Jetzt werden wir mit der Abteilung im Donauspital zusammengelegt, in die seit 1994 nichts mehr investiert wurde."

Sein Kollege Karl Pogats äußert ebenfalls massive Bedenken: "Die Übersiedlung der HNO-Abteilung führt weder zu einer Reduktion der Kosten, noch zu einer Verbesserung der Patientenversorgung und der Arbeitsbedingungen." Schon jetzt müssten Patienten auf planbare Operationen bis Jänner 2018 warten, durch die Umstrukturierung werde sich das Problem noch verschärfen, fürchtet Karl Pogats. "Das sind die Gründe, warum die Kollegen jammern, nicht weil sie künftig mit der U-Bahn in ein anderes Spital zur Arbeit fahren müssen."

Zeitplan hält nicht

Ob die Übersiedlungen tatsächlich wie ursprünglich geplant bis Ende dieses Jahres stattfinden können, sei aber ohnehin fraglich, ist aus KAV-Kreisen zu hören. Geldmangel und Verzögerungen bei der baulichen Planung würde das Projekt massiv bremsen. Zudem sei immer schwerer, die nötigen Fachärzte zu finden.

Auch ein KAV-Sprecher räumt nun ein, dass die Übersiedlungen erst "im Laufe des Jahres 2018" stattfinden werden. Verantwortlich seien die intensiven Planungen, bei denen auch die Mitarbeiter einbezogen werden. Grundsätzlich hält man aber am umstrittenen Konzept fest: "Mit der Einrichtung spezialisierter Zentren werden das Know-how des medizinischen Personals gebündelt. Gleichzeitig wird in den Zentren eine größere Anzahl an Patienten behandelt, wodurch die Erfahrung bei der Behandlung komplexer Krankheitsbilder in den medizinischen Teams erhöht wird", betont der Sprecher.

Kreuzbauer lässt das nicht gelten: "In der Qualität ihrer Versorgung hat die Rudolfstiftung jetzt schon Zentrumscharakter. Das gilt für alle Abteilungen."