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Chronik Wien
02/29/2020

Hinterholz 8 lässt grüßen: Das Horrorhaus von Ottakring

Pfusch am Bau: Fast drei Jahre nach einem Brand ist ein Wohnhaus immer noch eine Bauruine.

von Josef Gebhard

Wo sich einst die Dachgeschoßwohnung von Siegfried Knasmüller befand, steht man heute unter freiem Himmel. Der Dachstuhl ragt in die Luft, kein Dach schützt vor der Witterung. Von der Wohnung selbst ist nichts übrig außer der Betonboden.

Nicht weniger trostlos das Bild in den Stockwerken darunter: Aufgerissene Wände, heraushängende Leitungen und Leuchten, Wasser- und Schimmelflecken, Staub und Dreck, mit denen wiederum die Mieter des Hauses zu kämpfen haben, die hier ausharren – und horrende Mieten zahlen müssen.

Knasmüller und sein Nachbar Wolfgang Rigler haben 2014 mehrere Wohnungen in einem Altbau in der Ottakringer Hasnerstraße gekauft. Doch der Kauf entwickelte sich bald zu einem Albtraum: Ende August 2017 kam es zu einem Brand im Dachgeschoß, bei dem zwei der Wohnungen völlig zerstört wurden. Die anderen der beiden Eigentümer wurden durch Löschwasser so schwer beschädigt, dass auch sie unbewohnbar wurden.

Pannenserie

Was folgte, war eine endlose Serie an Pannen, die dafür sorgte, dass das Haus nach wie vor eine halbe Bauruine ist. „Nach dem Brand wurde uns von der Hausverwaltung versprochen, dass wir im Dezember 2018 wieder werden einziehen können“, erinnert sich Knasmüller. Doch schon die ersten Sicherungsmaßnahmen seien so mangelhaft durchgeführt worden, dass es zu weiteren Schäden kam.

Monatelang schleppte sich dann die Planung hin. „Wir wurden aber nicht eingebunden, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt. Wir sollten die Einreichpläne kommentarlos unterzeichnen, um Verzögerungen zu vermeiden“, sagt Rigler.

Das half nichts: Zwar wurden im August 2018 endlich die Arbeiten aufgenommen, kurz darauf wurden sie aber wieder eingestellt – weil Baufirmen und Prüfingenieure nicht bezahlt wurden, wie die Eigentümer schildern. Es folgten mehrere Baustopps, immer wieder kam es zu Wassereinbrüchen, auch die Baupolizei schritt mehrfach ein.

Knasmüller und Rigler sehen die Verantwortung bei der Hausverwaltung, die mit dem Projekt völlig überfordert sei. Diese wurde von einer Eigentümerin eingesetzt, die die Mehrheit der Anteile besitzt. Der Vorschlag der anderen Eigentümer, einen Generalunternehmer zu beauftragen, wurde nicht umgesetzt. Daraufhin entschlossen sich die Eigentümer, die Abberufung der Hausverwaltung einzuleiten. Das Verfahren läuft gerade in der zweiten Instanz.

Hausverwaltung

Die Hausverwaltung (sie betreut nur dieses Haus) weist die Vorwürfe zurück. Schuld an den Verzögerungen seien Probleme mit den Baufirmen, zudem seien einige der Eigentümer wenig kooperativ.

Zuletzt hat eine weitere Firma die Bauführung zurückgelegt, die Baustelle steht seit Dezember wieder still. Dafür wurden die Eigentümer von der Hausverwaltung aufgefordert, 130.000 Euro für Ersatzvornahmen zur Mängelbeseitigung zu überweisen.

Von „Unstimmigkeiten zwischen den Miteigentümern“ spricht Bernhard Gutternigh von der Baupolizei. Man sei aber bemüht, dafür zu sorgen, dass die Wohnungen möglichst rasch wieder bewohnbar sind.

Grundsätzlich sei zu bedenken: „Bei solchen Zwistigkeiten unter Miteigentümern nach einem einzelnen Schuldigen zu suchen, ist wenig sinnvoll.“ Würde wie im konkreten Fall die Baupolizei die Wiederinstandsetzung beauftragen, würden alle Miteigentümer solidarisch haften. „Das heißt: Sie sitzen alle im selben Boot.“