Anrainer und Bezirkschefin Kobald wollen Hörndlwald retten

© KURIER/Bernhard Ichner

Ein Herz für Bäume und Käfer
02/23/2016

Hietzing, das Zentrum vieler Bürgerbewegungen

Drei Initiativen treten mit einem gemeinsamen Anliegen an die Stadt heran.

von Julia Schrenk

Auf manche Baumstümpfe im Küniglbergwald wurden sogar Grablichter gestellt. Und zwar von der Bürgerinitiative zur Rettung des Küniglbergwaldes. Denn zuletzt wurden in dem Gebiet im 13. Bezirk zahlreiche Bäume gerodet. Auch gesunde, wie es heißt. "Es wurde mehr gefällt, als notwendig war. Ohne Rücksicht auf Verluste", sagt Arne Johannsen von der Bürgerinitiative. Der Einsatz von schwerem Gerät habe große Flurschäden angerichtet.

Die Bürgerbewegung zur Rettung des Küniglbergwaldes ist nicht die einzige in Hietzing. Seit Jahren kämpfen Anrainer (gemeinsam mit der Bezirksvorsteherin) gegen die Verbauung des Hörndlwaldes mit einem Rehab-Zentrum für Burn-Out-Patienten. Noch länger sorgt sich Helmut Chrobak in einer One-Man-Show um den Naturschutz im Lainzbachtal.

Ein Plan muss her

Bei der Bürgerversammlung im Amthaus Hietzing zur Rettung des Küniglbergeswaldes Montagabend forderten die drei Bürgerbewegungen nun gemeinsam die Erstellung eines "nachhaltigen, ökologischen Landschaftspflegeplans". Dabei sollen nicht nur die Landschaftsschutzgebiete in Hietzing konkret ausgewiesen und beschildert, sondern auch mehr Maßnahmen für den Naturschutz getroffen werden.

Konkret sollen etwa Bäume nicht bis zum Boden abgeschnitten werden, sondern ein Stumpf von mindestens einem Meter und bis zu drei Metern Höhe erhalten werden: "Wir brauchen die Baumstümpfe als Nistplatz für Tiere", sagt Helmut Chrobak. Zum Beispiel Spechte würden drei Meter hohe Baumstümpfe dringend brauchen.

Auf der Agenda der Bürgerbewegungen steht auch der Schutz der Wiesen: Abseits von Spielflächen sollten Wiesen künftig nur noch maximal zwei Mal pro Jahr gemäht werden. "Wir haben einen eklatanten Artenrückgang, dem müssen wir so entgegenwirken", sagt Chrobak.

Weitere Forderung: Die Parkanlagen im Hietzinger Landschaftsschutzgebiet nicht – wie die Beserlparks in der Innenstadt – pflegen, sondern naturnah belassen. Außerdem sollte Laub und totes Holz, in den Wäldern liegen gelassen werden, um daraus Rückzugsorte für Tiere zu schaffen. "Wir sind jetzt mehrere, deshalb erhöhen wir den Druck", sagt Chrobak über den Schulterschluss der Bürgerbewegungen.

Aufforstung

"Man muss sich das anschauen", sagt Hietzings Bezirksvorsteherin Silke Kobald (ÖVP). Würden Baumstümpfe meterhoch stehen gelassen, könnte das etwa eine Gefahr für Kinder im Wald sein.

Zu den Rodungen am Küniglberg sagt Kobald: "Von 7000 Bäumen wurden 100 gefällt. Diese waren gefährlich oder haben anderen Bäumen den Platz genommen." Die Forstarbeiten so stark zu kritisieren, sei ein "zweischneidiges Schwert." Schließlich gehe es um die Sicherheit.

Auch von den Wiener Stadtgärten heißt es, dass "Risikobäume" – also "morsche, brüchige, pilzbefallene Bäume, die eine Gefahr" für die Waldbesucher bedeutet hätten, umgeschnitten wurden. Die "sicherheitstechnische Prüfung" sei jetzt abgeschlossen. Man werde den Wald nun mit etwa 100 Bäumen – darunter Ahorn, Eiche, Buche und Wildkirsche – aufforsten. Und das freiwillig.
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