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Chronik Wien
10/12/2021

Heute und am Donnerstag bleiben viele Kindergärten geschlossen

Pädagoginnen demonstrieren im Wiener Votivpark. Für Unmut sorgen etwa zu große Gruppen und schlechte Arbeitsbedingungen.

Heute sind keine Corona-Cluster daran Schuld, dass viele Kindergartenkinder zu Hause bleiben. In Wien demonstrieren heute und am Donnerstag Kindergarten-Mitarbeiterinnen für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Personal in den Betreuungsstätten.

Betriebsversammlungen von Betriebsräten und Gewerkschaft sind dabei angesetzt. Zwischen 6.00 Uhr und 12.30 Uhr bleiben die Privatkindergärten (exklusive Betriebskindergärten) geschlossen, um 10.00 Uhr wird im Votivpark demonstriert.

2009 und 2012 haben Kindergartenmitarbeiterinnen zuletzt gegen unzumutbare Rahmenbedingungen demonstriert, seither sei die Situation noch prekärer geworden. „Wir sind längst dort, wo die Pflege ist. Auch bei uns ist es fünf nach zwölf“, warnt Thomas-Peter Gerold-Siegl, Geschäftsführer des Wiener Privatkindergartenträgers KIWI, gegenüber der APA.

„Der Fachkräftemangel ist in Wien massiv, es braucht eine Ausbildungsoffensive auch für Quereinsteiger, um mehr Menschen in den Beruf zu bekommen“, meint Gudrun Kern, pädagogische Leiterin und Geschäftsführerin von „Kinder in Wien“ (KIWI). Dabei seien die Engpässe durchaus absehbar gewesen, schon lange fordere man mit anderen Wiener Privatkindergartenträgern (Diakonie, Kinderfreunde, St. Nikolausstiftung), Gewerkschaft und Berufsvertretung bessere Rahmenbedingungen ein.

Das Problem sei dabei keineswegs, dass nicht genug Personen die Ausbildung für die Arbeit im Kindergarten machen. „Das Problem ist, dass sie nicht in den Beruf gehen oder nach ganz kurzer Zeit wieder aussteigen“, so Kern. Und das liege eben an den schlechten Rahmenbedingungen. Das Motiv, das Berufsfeld zu verlassen, sei in der Regel zu wenig Zeit für qualitätsvolle Arbeit mit dem einzelnen Kind.

Weniger Kinder in Gruppen

Notwendig seien deshalb kleinere Gruppen, weniger Kinder pro (gut qualifizierter) Fachkraft und auch mehr Zeit für Elterngespräche und Vorbereitung. „Das wird derzeit alles irgendwo reingezwickt, die Belastung ist sehr hoch“, betont Gerold-Siegl. Zu besseren Rahmenbedingungen gehört dabei für ihn auch gleiche Bezahlung in öffentlichen und privaten Kindergärten, am besten bundesweit, zumindest aber in jedem Bundesland. In Wien liege das Einstiegsgehalt bei den privaten brutto fast 400 Euro unter jenem der städtischen Einrichtungen.

Rot-pinke Reaktion

Im Vorfeld des Kundgebungsreigens hat am Montag die rot-pinke Stadtregierung in Wien auf eine anstehende Budgeterhöhung verwiesen. Im Bundesländervergleich biete Wien das größte Betreuungsangebot, die längsten Öffnungszeiten und die wenigsten Schließtage an - und das beitragsfrei, wurde in der Aussendung versichert. Die hohen Standards würden nun noch weiter ausgebaut. Die Zahl der Sprachförderkräfte an den Wiener Kindergärten werde laufend erhöht, bis 2024 um weitere 200 auf insgesamt 500.

Demo auch am Donnerstag

Am 14. Oktober - zwei Tage nach den Mitarbeiterinnen der Privatkindergärten - demonstrieren dann auf Aufruf der Gewerkschaft younion Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Kindergärten in der Nähe des Bildungsministeriums am Wiener Minoritenplatz, die Einrichtungen bleiben wegen der gesetzlichen Betriebspflicht aber offen. Gefordert wird ein einheitliches Bundesrahmengesetz, derzeit sind Kindergärten Ländersache. Außerdem im Forderungskatalog: Mehr Sicherheit, bessere Rahmenbedingungen und eine Ausbildungsoffensive.

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