Wien bleibt jetzt hart: Jahresbericht an UNESCO sorgt für Irritationen

Beim umstrittenen Heumarkt-Projekt macht die Stadt Wien keine weiteren Zugeständnisse mehr und zementiert die 50-Meter-Variante ein. Das sorgt in Diplomatenkreisen für Ärger.
Ein Platz in Wien mit Menschen, Gebäuden und einer Eisfläche im Winter.

Eigentlich war schon am 1. Februar Stichtag für Wien und den jährlichen Statusbericht zum UNESCO-Welterbe: Dass eine – selten gewährte – Nachfrist für den sogenannten „State of Conservation Report“ nötig war, sorgte für allerlei Spekulationen; etwa, ob dies mit einer gravierenden Umplanung des umstrittenen Heumarkt-Projekts zu tun haben könnte.

Schließlich erlitt Investor Michael Tojner („Wertinvest“) erst am 2. Februar die nächste juristische Niederlage: Laut Bundesverwaltungsgericht ist auch die kleinste Variante (49,95 Meter) nicht kompatibel mit dem Weltkulturerbe und benötigt daher eine Umweltprüfung (UVP).

Mit gut zwei Wochen Verspätung ist besagter Bericht ans Pariser Welterbezentrum nun da – und er birgt tatsächlich eine Überraschung. Allerdings in die entgegengesetzte Richtung. Denn in dem Schriftstück, das dem KURIER vorliegt, werden keine weiteren Zugeständnisse punkto Höhenreduktion mehr gemacht, sondern man versucht, den Status quo einzuzementieren.

„Schritte anerkennen“

„Die Stadt Wien bekennt sich ausdrücklich zu Rechtssicherheit, Planungssicherheit und einem verantwortungsvollen und nachhaltigen Management des UNESCO-Welterbes und bittet darum, die bisher unternommenen Optimierungsschritte entsprechend anzuerkennen“, heißt es unmissverständlich. So habe man über die Jahre eine Reduktion des ursprünglich 74 Meter hohen Turms (2014) auf besagte rund 50 Meter erzielt. Weiteren Spielraum sieht man offenkundig nicht mehr – jedenfalls wird auf die Vorgaben der UNESCO gar nicht weiter eingegangen. Stattdessen verweist man auf „die zahlreichen Vorteile für die Stadtentwicklung Wiens“ durch das Projekt – etwa ein neues Konferenzzentrum oder die Erneuerung des Eislaufvereins.

Zur Erinnerung: Auf der Welterbekonferenz im Juli wurde Wien noch einmal aufgefordert, am Heumarkt eine von vier Lösungsvarianten zu entwickeln – um die rote Liste des gefährdeten Welterbes erstmals seit 2017 verlassen zu können. Dafür müsste sich das Heumarkt-Projekt jedoch am Bestand – das Hotel Intercontinental misst rund 38 Meter – orientieren.

Bemerkenswert ist, dass ausgerechnet ein Gegner der bisherigen Heumarkt-Varianten jetzt als Art Kronzeuge angeführt wird. Welterbe-Gutachter Michael Kloos habe festgestellt, dass die 50-Meter-Variante „deutlich besser mit dem Weltkulturerbe vereinbar ist“, schreibt Wien. Allerdings: Der Sukkus von Kloos’ Kulturerbeverträglichkeitsprüfung (HIA2plus) ist ein ganz anderer: Wie der KURIER bereits im März 2024 berichtete, fordert Kloos eine weitere Reduktion um zwei Geschoße und Maximalhöhen von 44 (Wohnturm) und 42 Metern (Hotel). Sonst sei die „visuelle Integrität des Weltkulturerbes (...) nach wie vor stark beeinträchtigt“.

Kritik: „Rückschritt“ und „Mission impossible“

Während das Rathaus den Jahresbericht inhaltlich nicht weiter kommentieren wollte, regt sich in hohen Diplomatenkreisen Unmut darüber: Von einem „Rückschritt“ und einem „gefährlichen Poker“ ist da die Rede: „Es ist absurd zu glauben, dass das Welterbekomitee jetzt umschwenken wird. Vielmehr werden sich die gepflanzt vorkommen, weil einfach alles ignoriert wird.“ Die Streichung von der roten Liste werde so zur „Mission impossible“.

Die Entscheidung dazu fällt Ende Juli beim nächsten Jahreskongress in Südkorea.

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