Chronik | Wien
16.10.2016

Hunderte Hasspostings wegen psychisch krankem Syrer

Das Video von dem Vorfall hatte binnen kürzester Zeit fast eine Million Aufrufe auf Facebook, dann wurde die Seite von den Administratoren blockiert. Auch, weil es zahlreiche Hass-Postings gab.

Samstagmittag in der Absberggasse in Wien-Favoriten. Ein Mann legt sich auf die Schienen einer Straßenbahn. Er schreit, tritt auf die Bim ein, springt dann auf die Motorhaube eines Autos und schließlich sogar auf das Dach der Straßenbahn. Allem Anschein nach will er in den Stromkreis geraten. Schließlich wird er zu Boden gerungen – ein Video des Vorfalls, das eine Passantin aufnahm, wurde gestern etliche Male auf Facebook geteilt.

Der Mann in dem Video, es handelt sich um einen 21-jährigen syrischen Asylwerber, soll laut unbestätigten Meldungen kurz zuvor die Nachricht bekommen haben, wonach seine Familie bei einem Bombenanschlag gestorben sei. Bestätigt ist bis dato lediglich, dass er sich nun in einem Krankenhaus in psychiatrischer Behandlung befindet, wegen Selbstgefährdung.

Im Internet bekam der 21-jährige Syrer sehr wenig Mitgefühl zugesprochen. Im Gegenteil. Die Ursprungsseite wurde aufgrund der zahlreichen Hasspostings blockiert und spätestens als FPÖ-Chef Heinz Christian Strache den dazugehörigen Krone-Artikel, wo das Video in voller Länge gezeigt wird, mit dem Vermerk "Fassungslos!" teilte, überschlug sich der Hass im Netz.

Kommentare auf Strache Seite schockieren

Und dass dieser Hass offenbar keine Grenzen kennt, haben die Facebook Fans von Heinz-Christian Strache daraufhin wieder einmal bewiesen.

"Ich hätt nicht gebremst"

"Ich hoffe, die Straßenbahn hat gewonnen und nehme den Tramfahrer virtuell in die Arme. Wer will schon Schei*ße auf der Windschutzscheibe?"

"Hut ab vor dem Bim-Fahrer!" I hätt die Courage net ghabt und wär drüber gefahren"

"Ja so vergeht die Zeit. Früher hatten wir dazu Duschen. Und gleich daneben den Heizungsraum"

Diesen Tenor kann man dort hunderte Kommentare hinweg lang verfolgen. Gelöscht wird da im Übrigen kaum etwas. "Wenn jemand versucht, sich selbst zu verletzen oder Selbstmord zu begehen, dann gibt es genau einen Grund das Mobiltelefon in die Hand zu nehmen. Nicht um zu filmen, sondern um 144 zu wählen und die Rettung zu alarmieren. Es handelt sich um einen Menschen. So wie hier lauter Menschen posten. Was ist eigentlich los mit euch? Mit den Menschen, die diese Seite betreuen und mit all den Menschen, die hier zu Gewalt aufrufen oder bedauern, dass dieser Mensch nicht getötet wurde. Was ist los? Woher kommt all euer Hass? Warum schreiben Menschen über einen anderen Menschen, den sie nicht einmal persönlich kennen, solche Dinge. Der Mann ist krank. Euer Hass ist es auch", entgegnet Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner den Hasspostings. Erhalten hat er dafür 24 Likes bisher. Dieser Kommentar dürfte mittlerweile auf Straches Seite gelöscht worden sein, die Hasspostings blieben stehen.

"Naja, wenn er so todesmutig ist, hätte er ja auch in seiner Heimat für seine Interessen kämpfen können!", antwortet ein User auf Schwertners Vermerk. Dafür gab es 1224 Likes.

Hinweis: Kurier.at hat sich dazu entschieden, das Video aus Rücksicht und ethischen Prinzipien nicht zu zeigen.

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