Häupl im Museum: "Würde ihn sofort als Biologielehrer holen"

Der Wiener Bürgermeister kehrt zu seinen "depperten Fröschen" zurück.

Vor 40 Jahren führte Häupl erstmals an Dinosauriern vorbei. Herbert Kritscher, Vizedirektor des Naturhistorischen Museums; Bürgermeister Michael Häupl; Werner Gruber, Physiker an der Universität Wien (v.l.)

Edith Hülber hat der Bürgermeister überzeugt. "Ich würde ihn sofort als Biologielehrer an meine Schule holen", sagt die Direktorin der NMS Konstanziagasse, nachdem sie im Rahmen eines Gewinnspiels als Teil einer zehnköpfigen Gruppe von Michael Häupl (SPÖ) durch das Naturhistorische Museum geführt wurde.

Ein Leichtes für den studierten Biologen, hat er doch schon von 1975 bis 1983 Führungen abgehalten, während er als wissenschaftlicher Mitarbeiter für das Museum tätig war. Diese acht Jahre seien eine bedeutende Zeit in seinem Leben gewesen. "Das von mir geschriebene Buch ‚Die Kriechtiere und Lurche Niederösterreichs‘ war eine gute Vorbereitung auf die Politik", sagt Häupl mit einem Augenzwinkern. "Bis heute muss ich den Leuten erklären, dass das ein zoologisches Fachbuch ist – und kein politisches."

Profi-Biologe

Häupl im Museum… Foto: /Ludwig Schedl Ob er es bereut, der Wissenschaft den Rücken gekehrt zu haben? "Helmut Zilk hat mich damals mit den Worten ‚Deine depperten Frösche kannst du auch später noch zählen‘ in die Politik geholt. Das nehme ich ihm heute noch krumm – aber ich habe es nie bereut, die Seiten gewechselt zu haben." Völlig abgenabelt habe er sich von der Forschung ohnehin nie, erzählt Häupl. "Ich bin noch immer mehr Profi-Biologe als Hobby-Zoologe."

Im Eiltempo führt der Bürgermeister, begleitet von Physiker Werner Gruber, durch die Räumlichkeiten. Die 25.000 Jahre alte Venus von Willendorf scheint es den beiden dabei besonders angetan zu haben. "Das hier ist die berühmteste Österreicherin – natürlich nach Sisi!", sagt Gruber.

In seinen ehemaligen Arbeitsräumen präsentiert der Bürgermeister von ihm eingelegte Kleinechsen. "Das könnte ich auch heute noch", ist Häupl, der seine Doktorarbeit über die Schädelkinetik bei Gekkoniden schrieb, sichtlich stolz. Ob er eines Tages wieder in seinen angestammten Beruf zurückkehren würde? "Ich hab als Bürgermeister noch einiges zu tun, auch wenn sich jetzt nach 20 Jahren das andere Ende der Wurst nähert."

Kein Wirtshaus

Die Gruppe geht weiter, vorbei an Kaffee trinkenden Museumsbesuchern. "Als ich damals im Museum gearbeitet hab, gab es hier noch kein Wirtshaus", bedauert Häupl.

Häupl im Museum… Foto: /Ludwig Schedl Ein Besuch auf dem Dach des Museums bildet den Abschluss des Rundgangs. Wie bewertet Gruber die Führungsqualitäten Häupls? "Aus meiner Sicht ist der Herr Bürgermeister ganz klar ein Biologe", sagt der Physiker.

Während die Besucher die Aussicht genießen, gibt Häupl Tipps, von wo aus man den besten Blick auf das gegenüberliegende Kunsthistorische Museum hat. "Schaut euch das in Ruhe an – ich gehe jetzt was trinken."

Nachgefragt

"Wie fanden Sie die Führung?"

Häupl im Museum… Foto: KURIER/Daniela Wahl Katharina Hülber: "Herr Häupl hat gut und viel geredet und auch den Special Guest  (Werner Gruber, Anm.) zu Wort kommen lassen. Außerdem hat uns der Bürgermeister auf das Dach geführt, wo man ja sonst nicht so leicht die Möglichkeit hat, hinzukommen – echt cool. Die Führung war eine wirklich sehr interessante Erfahrung."

Häupl im Museum… Foto: KURIER/Daniela Wahl Jacqueline Wehofer: "Da ich selbst auf der BOKU bin, war es schon sehr speziell, vom Bürgermeister durch das Naturhistorische Museum geführt zu werden. Ich muss ihm ein Kompliment aussprechen – er hat noch ein  ziemlich fundiertes Wissen und kennt sich gut aus, wenn man bedenkt, dass er das so lange nicht mehr gemacht hat."

(kurier) Erstellt am
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