Chronik | Wien
29.11.2018

Grüne Stadträtin in spe: Warum Birgit Hebein noch ohne Plan ist

Bei Verkehrs- und Stadtplanungsthemen hält sich die neue Frontfrau der Wiener Grünen noch vornehm zurück.

Spätestens Mitte 2019 wird Birgit Hebein, soeben zur Spitzenkandidatin der Wiener Grünen gekürt, Maria Vassilakou als Planungs- und Verkehrsstadträtin ablösen. In welche Richtung sie das Ressort lenken wird, ist weitgehend offen – und wird es wohl noch eine Weile bleiben.

Mit konkreten Ansagen zu Mobilität und Stadtplanung hält sich die bisherige Sozialsprecherin (noch) zurück. Viel lieber spricht sie über die gesellschaftlichen Effekte des Klimawandels, die Mindestsicherung und die Verdrängungswirkung des Alkoholverbots auf dem Praterstern.

"Warum eigentlich, Frau Hebein?"

Das ist insofern kein Wunder, als mit der gelernten Sozialarbeiterin Hebein eine Vollblut-Sozialpolitikerin das Ruder übernommen hat.

Dass sie inhaltlich noch aufzuholen hat, gibt Hebein offen zu.

Nach ungelösten Baustellen wie dem Schwedenplatz befragt, sagt sie im KURIER-Interview: „Ich könnte jetzt dahinschwurbeln, oder ich sage Ihnen ganz offen, dass nun das Entscheidende ist, sich mit Maria Vassilakou und Experten hinzusetzen und dann Schritt für Schritt zu entscheiden.“

Ein Gesprächstermin habe bereits stattgefunden.

Ruhe vor dem Sturm?

Diese Antwort mag unbefriedigend sein. Mit ihrer Besonnenheit und dem Hang zur Nachdenkpause bleibt Hebein aber jenen Grundsätzen treu, die ihr zum Wahlsieg verholfen haben.

Dementsprechend fordert die 51-Jährige auch nicht lautstark die Citymaut ein, sondern plädiert lediglich für „ernsthafte Diskussion“ darüber. Pendler würden von der niederösterreichischen Regierung im Stich gelassen, betont sie. „Da muss man sich etwas überlegen.“

Ob sich Autofahrer unter ihr noch wärmer anziehen müssen? „Wir haben eine Klimakrise, es geht so nicht weiter“, weicht Hebein aus und verweist auf den Schwendermarkt in ihrem Heimatbezirk Rudolfsheim-Fünfhaus.

„Das ist ein Hitzepol und keine reiche Gegend“, erklärt sie. „Die Menschen dort wünschen sich mehr Bäume, mehr Begrünung, mehr Platz zum Verweilen. Ich nehme mir vor, das sehr zu forcieren.“

Das könnte letztlich bedeuten: Mehr Begegnungszonen oder Pflanztröge statt Parkplätzen.

Alleinstellungsmerkmal nötig

Hebein ist damit wieder bei ihrem Lieblingsthema angelangt: Dem Sozialen – gewürzt mit dem Ökologischen. Die Grünen seien einmalig darin, diese Aspekte zu verbinden, erklärt sie.

Angesichts der Positionierung der Ludwig-SPÖ könnte sie damit zumindest in Wien recht haben. Ein Alleinstellungsmerkmal wird sie jedenfalls brauchen, um bei der Wien-Wahl mit ihrem Sozial-Fokus – einem roten Kern-Terrain– nicht verwechselbar zu sein.