Chronik | Österreich
26.11.2018

Wiener Grüne: Überraschende Siegerin mit sozialem Gewissen

Birgit Hebein profilierte sich im Zuge der Verhandlungen um die neue Mindestsicherung.

Von den drei aussichtsreichen Kandidaten hat sich Birgit Hebein am längsten mit der Bekanntgabe ihrer Kandidatur geziert: Die 51-Jährige machte ihre Bewerbung für den ersten Listenplatz erst nach Klubchef David Ellensohn und ihrem Fraktionskollegen Peter Kraus öffentlich. Zu dem unerwarteten Schritt hatte sich Hebein offenbar erst durchringen müssen: „Ich habe wohlüberlegt. Es ist keine Entscheidung, ob ich meinen Jungs heute Palatschinken mache“, sagte sie damals vor Journalisten. Nun wurde ihre Entscheidung belohnt.

Hebein sitzt seit 2010 für die Grünen im Stadtparlament. Sie ist dort Sprecherin für die Themen Soziales und Sicherheit.

Aufgefallen ist sie bisher vor allem im Zuge der Verhandlungen um das neue Wiener Mindestsicherungsmodell. Im vergangenen Jahr war sie maßgeblich in die diesbezüglichen Gespräche und Debatten mit der damaligen Sozialstadträtin Sandra Frauenberger ( SPÖ) involviert. Insidern zufolge hat ihr Image sehr davon profitiert.

Das von der SPÖ umgesetzte Alkoholverbot am Praterstern hat Hebein zuletzt scharf kritisiert. Sie warnte vor Verdrängungseffekten und plädierte für medizinische Versorgung an Ort und Stelle.

Sozialarbeiterin

Mit ihrem Fokus auf sozialer Gerechtigkeit und Armutsbekämpfung blieb Hebein thematisch ihrer Laufbahn vor dem Gang in die Berufspolitik treu. Bevor sie bei den Grünen Karriere machte, arbeitete sie unter anderem im Bahnhofssozialdienst der Caritas Wien. Denn Hebein ist die diplomierte Sozialarbeiterin. Außerdem war sie früher TCM-Therapeutin (Traditionelle Chinesische Medizin).

Von 2000 bis 2002 war Hebein dann bei der Grünen Gewerkschaft AUGE aktiv. Darüber hinaus engagierte sie sich zwölf Jahre lang im NGO-Bereich, unter anderem bei der ARGE Wehrdienstverweigerung. Aus diesem Kreis speiste sich wohl auch ein wesentlicher Teil ihrer Unterstützer.

Ihr erstes politisches Amt übernahm Hebein bei den Grünen in Rudolfsheim-Fünfhaus. Ab 2005 fungierte sie dort fünf Jahre lang als Bezirksrätin – in zweien davon übernahm sie die Funktion der Klubobfrau.

Kärntnerin im Rathaus

Hebein wuchs in einem kleinen Dorf in Kärnten auf. Geprägt hätten sie sowohl Lieder auf Deutsch als auch auf Slowenisch, erklärte sie mit Verweis auf ihre Biografie. Auch antifaschistische Lieder singe sie mit Überzeugung.

Im internen Wahlkampf fiel die zweifache Mutter vor allem durch ihre ruhige und bedachte Art auf. Inhaltlich legte sie den Schwerpunkt auf ihre Kernthemen: Die Klimakrise könne „nur mit der sozialen Frage beantwortet werden“, wurde sie etwa nicht müde zu betonen.

Bis zum Bekanntwerden der Bewerbung von Marihan Abensperg-Traun hatte Hebein als einzige Anwärterin auf den ersten Listenplatz gegolten. Am Mangel an Bewerberinnen hatte sich allen voran die Frauenorganisation gestört. Hebein selbst wollte dem Geschlechterverhältnis aber nicht zu viel Bedeutung beimessen. „Ich habe mich selbst ausgesucht und bin nicht ausgesucht worden“, erklärte sie gewohnt nüchtern.