Chronik | Wien
02.11.2018

Grüne: Ellensohn baut auf Konflikt mit Heumarkt-Investor

Der Klubobmann greift Michael Tojners Geschäfte an. Das ist die Chance, mit Vassilakous Linie zu brechen.

Wahlkampf.

Der Vorstoß gegen Tojners Geschäfte ist die Chance, mit Vassilakous Linie

zu brechen. Auf den ersten Blick hat David Ellensohn derzeit zwei heiße Eisen im Feuer: Seine Bewerbung im Rennen um die grüne Nummer eins, das sich der Ziellinie nähert. Und seine Auseinandersetzung mit Heumarkt-Investor Michael Tojner, die sich immer mehr zuspitzt. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich: Die beiden Fronten sind eng miteinander verschmolzen. Der Kampf gegen Tojners Immo-Geschäfte ist die Chance des Klubchefs, mit der Linie Maria Vassilakous zu brechen. Und so im internen Wettstreit zu reüssieren.

Der Name Tojner zieht sich wie ein roter Faden durch Ellensohns Wahlkampf. Bereits bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur begann er, sich intensiv an dem Geschäftsmann abzuarbeiten. Auf einer Pressekonferenz verlautbarte Ellensohn nicht nur seinen Antritt, sondern prangerte auch die Aberkennung der Gemeinnützigkeit zweier Wohnbaugesellschaften an, die zu Tojners Firmenimperium gehören.

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Für Aufregung sorgte zwischenzeitlich die Nachricht, dass sich Tojner als Grün-Wähler registriert haben soll (siehe Kasten). Ob Ellensohn am Hinausspielen dieser Information beteiligt war, ist allerdings unklar. Definitiv zückte der 55-Jährige vergangene Woche einen Trumpf: Er zeigte Tojner wegen Betrugs an, weil eine seiner Firmen Sozialwohnungen als Feriendomizil vermietet haben soll.

Ellensohn greift also jenen Mann direkt an, mit dem die Grünen in Sachen Heumarkt-Umgestaltung gemeinsame Sache machten. Damit teilt er eine Breitseite gegen Vassilakou und ihren Förderer Christoph Chorherr aus, die sich für das Projekt stark gemacht hatten.

Die beiden waren es auch, die Ellensohn im Zuge der grünen Flügelkämpfe in den 2000er-Jahren auf Platz zwei in der Landesorganisation verwiesen hatten. Ellensohn agierte in dieser Position weitgehend loyal und beschaffte etwa die grünen Stimmen für die Hochhaus-Widmung. Nun schert er aus. Das könnte zwei Gruppen ansprechen: Parteifreunde, die Vassilakou ihr Ignorieren der Basis nachtragen und jene, die sich mehr grünes Selbstbewusstsein gegenüber der SPÖ wünschen. Gleichzeitig kann er so seine größte Schwäche ausbügeln: Als langjähriger Mandatar steht Ellensohn für das alte System – und damit für das Gegenteil von Erneuerung, die die Grünen dringend bräuchten.

 

Angriff auf Große

Ellensohn selbst will seine Beschäftigung mit Tojner freilich nicht als Abgrenzungsversuch interpretieren. „Ich greife die Großen an, die Quatsch bauen. Um leistbaren Wohnraum kümmere ich mich schon immer. Ich kann nichts dafür, dass Herr Tojner überall drinnen steckt“, beteuert er. Ungelegen dürfte Ellensohn dieser Umstand nicht kommen, denn er sagt auch: „Veränderung bedeutet, sich zu überlegen, mit wem man Geschäfte macht.“

Eine Reibefläche wird Tojner Ellensohn jedenfalls weiterhin bieten. Wie der

KURIER erfahren hat, droht der Immobilien-Investor den Klubchef wegen Rufschädigung anzuzeigen. Tojner beanstandet, dass er des gewerbsmäßigen Betrugs und der „Geschäftemacherei mit gemeinnützigen Wohnungen“ bezichtigt worden sei.

Rechtzeitig vor der letzten Kandidaten-Konfrontation am Montag.