Chronik | Wien
30.01.2013

Großalarm beim Akademiker-Ball

Der Verfassungsschutz fürchtet „größtmögliche Eskalation“ durch deutsche Anarchistengruppen.

Großalarm für die Wiener Polizei gibt es am Freitag wegen der von linken Gruppen geplanten Demos gegen den Akademikerball in der Hofburg. Der Verfassungsschutz fürchtet Gewaltausbrüche seitens deutscher Anarchisten. Es wurde sogar Unterstützung von der niederösterreichischen Exekutive angefordert.

Sechs Großdemos und mehrere kleinere Kundgebungen wurden offiziell angemeldet. Kaum mit Problemen rechnet die Polizei bei der Mahnwache von SOS Mitmensch und der SJÖ am Heldenplatz. Anders hingegen lautet die Einschätzung für einen Protestzug, der vom Christian-Broda-Platz über die Mariahilfer Straße zum Heldenplatz geht. Dort wird das Gros der deutschen Aktivisten erwartet.

Ein weiterer Marsch beginnt im Sigmund-Freud-Park. Nicht zur Beruhigung wird es beitragen, dass fast gleichzeitig die FPÖ am Ballhausplatz gegen einen freien Zugang zum Arbeitsmarkt von Asylwerbern demonstriert.

Mobilisierung

Insgesamt werden bei den diversen Demos 5000 Teilnehmer erwartet. Unrealistisch ist diese Zahl nicht. Gegen den Burschenschafterball marschierten im Vorjahr rund 3000 durch die Stadt.

Was dem Verfassungsschutz zusätzlich Sorgen bereitet, ist die besonders intensive Mobilisierung der Szene. „Konkrete Vorbereitungsmaßnahmen beobachten wir bereits seit November,“ sagt ein Verfassungsschützer, der namentlich nicht genannt werden will, dem KURIER.

Eine zentrale Rolle soll der Asyl-Aktionist Hans-Georg E. aus Bayern spielen. Das ist jener Mann, der im November mit dem Megafon im Flüchtlingslager Traiskirchen Asylwerber zu einem Protestmarsch nach Wien überredete und vor der Votivkirche ein Protestcamp errichtete. Der Verfassungsschutz geht davon aus, dass der Asylwerbermarsch Teil einer Operation gegen den Akademikerball war. So hätte das in der Zwischenzeit von der Polizei geräumte Protestcamp als Aufmarschbasis gegen den Ball dienen sollen.

Ziel der Aktivisten sei laut Erkenntnis des BVT die „größtmögliche Eskalation“. Bei den süddeutschen Anarchistengruppen, in denen E. als Kernfigur gilt, wurde eine zunehmende Gewaltbereitschaft registriert. Die Pläne würden vom Steinewerfen bis zu direkten Attacken auf Ballbesucher reichen.

Teilweise in Zusammenarbeit mit den Bayern mobilisieren auch österreichische Gruppen – insbesondere eine „Sozialistische Linkspartei“ – und jene Studenten, die im Jahr 2009 die Besetzung von Unis organisiert hatten.

Verstärkung

Polizeisprecher Roman Hahslinger will keine Angaben über Zahlen beim Polizeiaufgebot machen. Aus früheren Ereignissen weiß man aber, dass mehrere Hundert Beamte, Spezialeinheiten und Zivilpolizei aufgeboten werden. Außerdem schickt die niederösterreichische Polizei einige Einheiten zur Verstärkung nach Wien.

Hahslinger warnt aber die Wiener, dass ab 16 Uhr 30 im gesamten innerstädtischen Bereich mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen sei. Ab 18 Uhr ist auch mit einer Sperre der Mariahilfer Straße zwischen Europaplatz und ehemaliger 2er-Linie zu rechnen. Ab 18 Uhr 30 Uhr wird die Ringstraße ab der Operngasse gesperrt.

Neuer Name – alte Konflikte: Nach den heftigen Protesten gegen das Stelldichein deutschnationaler Burschenschafter und rechter Politiker aus ganz Europa hätte der Ball des Wiener Korporationsrings (WKR) 2012 eigentlich zum letzten Mal in der Hofburg statt finden sollen. Tatsächlich feiert er dieses Jahr als Akademikerball – veranstaltet von der FPÖ Wien – seine Wiederauferstehung.

„Anmaßend und rufschädigend“, nennt das Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ), gleichzeitig Präsident des Bundes sozialdemokratischer Akademiker. „Die handelnden Personen sind vielfach mit denen des WKR-Balls ident.“ So ist für die Organisation auch heuer wieder Udo Guggenbichler, FPÖ-Gemeinderat und schlagender Burschenschafter, zuständig. Und auch auf FPÖ-nahen Webseiten wird klar auf die Kontinuität zu den vergangenen Jahren hingewiesen.

Dennoch beteuert Guggenbichler, es handle sich um einen „neuen Ball“. So will das auch die Hofburg-Betreibergesellschaft sehen, die für die abermalige Bereitstellung der Prunkräume für die Burschenschafter herbe Kritik einstecken musste.

„Dass das Publikum zum Teil ein Ähnliches sein wird wie am WKR-Ball, wird man nicht verhindern können“, sagt dazu der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer, der auch heuer den Ball besuchen wird. Offiziell sei es jedenfalls ein von der FPÖ organisierter Ball. Die Hofburg würde sich schwer tun, ihr die Abhaltung der Veranstaltung zu versagen.

Prominentester Gast im Vorjahr war Marine Le Pen, Vorsitzende des französischen Front National. Unklar ist, welche europäischen Rechtspolitiker heuer in der Hofburg auftanzen werden. Einer hat jedenfalls schon abgesagt: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache wird diesmal nicht teilnehmen und macht stattdessen Urlaub mit seiner Familie.