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Zwischen Fingerhut und Grußhand: Das größte Bezirksmuseum Wiens

Ina Gehbauer leitet seit einem Jahr das größte Bezirksmuseum der Stadt – und entdeckt zwischen Greißlerei, Frauenzimmer und Handschuhwerkstatt noch immer Neues.
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Für einen Besuch im Bezirksmuseum Penzing sollte man viel Zeit einplanen. „Bei einer Ausstellung war einmal ein Herr, der ist über den ersten Raum nicht hinausgekommen“, erzählt Ina Gehbauer. Er wird noch oft wiederkommen müssen. Schließlich ist das Museum mit 800 m2 Fläche und 25 Räumen das größte Bezirksmuseum der Stadt.

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Ina Gehbauer mit Johanna Dohnals Porträt im neu geschaffenen Frauenzimmer.

Dieses leitet Gehbauer nun seit ziemlich genau einem Jahr. 2020 ging die Volksschullehrerin und Psychologin in Pension – um gleich ein Studium am Postgraduate Center der Universität Wien zu beginnen. Als Besucherin kam sie ins Bezirksmuseum Penzing und bot gleich ihre Mitarbeit an. „Und als dann die Stelle der Leitung freigeworden ist, habe ich mir gedacht, warum nicht ich? Ja, und dann bin ich es geworden.“ Ein Jahr voller Veränderung, Freude und Arbeit liegt hinter Gehbauer und dem Museum. Zahlreiche Veranstaltungen wurden organisiert, fünf neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kamen dazu. „Darunter auch zwei Junge – das freut mich riesig. Die Objekte sind alt, wir sind alt, da gehört ein bisschen frischer Wind hinein“, sagt sie. Den bringt auch Gehbauer mit – derzeit laufen im Museum drei Sonderausstellungen parallel.

Grußhand und Greißlerei

Eine ihrer großen Aufgaben im Museum ist das behutsame Ausdünnen der Sammlung. „Es war teilweise einfach zu vollgestopft, die Exponate konnten nicht wirken“, sagt sie beim Rundgang durch die Museumsräume. „Es geht mir immer noch so, dass ich ein Bild anschaue, das mir bis dahin noch nie aufgefallen ist.“ Auch diese Dinge brauchen eben Luft und Platz zum Atmen.

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Die einzige Fingerhutfabrik Österreichs stand in Penzing

Zu entdecken gibt es dennoch mehr als genug. Allein in der vollständig eingerichteten Greißlerei könnte man Stunden verbringen. Die ist zwar eigentlich nicht aus Penzing, sondern wurde vor Jahrzehnten nach der Pensionierung seiner Betreiberin im Waldviertel abgebaut. Zu den Höhepunkten des Museums zählt sie dennoch. Die alten Regale sind bis unter die Decke vollgeräumt mit alten Dosen, Schächtelchen und Haushaltsgegenständen vergangener Tage. „Manchmal setze ich mich einfach hier herein und schaue mir die Dinge an“, sagt Gehbauer.

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Die Grußhand

Natürlich ist auch die eine oder andere Kuriosität ausgestellt. So wie die Grußhand, die an einer Wand von einem Haken hängt. Sie stammt aus einer Zeit, als die einzelnen Bezirksteile noch eigenständige Dörfer waren. „Wenn zu einer Sitzung mit allen Bezirksräten dann einer zu spät gekommen ist, konnte er einfach die Grußhand schütteln, statt die Runde zu machen und jedem einzeln die Hand zu geben.“

Im Frauenzimmer

Ina Gehbauer liebt Penzing und den ländlichen Charakter, den es sich in manchen Grätzeln erhalten hat. „Einmal hat jemand geschrieben, Penzing sei langweilig. Da habe ich richtig gemerkt, dass ich einen Zorn bekomme. Das stimmt nämlich überhaupt nicht. Bei uns hat sich immer etwas getan“, sagt sie.

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Sie öffnet ein großes Holztor am Gang. Es stand einst in der Penzinger Straße 31. Im Museum darf es weiterleben – ebenso wie die vielen Exponate in den Auslagen links und rechts, die einer Einkaufsstraße nachempfunden sind. In einer der Auslagen ist eine Sammlung von Fingerhüten zu sehen. Diese stammt aus der letzten und zugleich einzigen Fingerhutfabrik Österreichs, die einst in Penzing stand.

Der Lieblingsort im Museum

Die Handschuhwerkstatt, ein paar Räume weiter, zählt zu Gehbauers persönlichen Lieblingsorten im Museum. An den Wänden hängen bereits zugeschnittene Lederteile in verschiedenen Brauntönen, auf den Arbeitstischen liegen Werkzeuge, als hätten die Handwerker den Raum eben erst verlassen. „Ich denke mir immer, es ist alles da, um Handschuhe zu machen. Wäre ich 30 Jahre jünger, würde ich das lernen“, sagt Gehbauer während sie andächtig über das weiche Leder streicht.

In der langen Zimmerflucht folgt schließlich jener Raum, der ihr besonders am Herzen liegt und der auf ihre Initiative hin eingerichtet wurde: das sogenannte Frauenzimmer. Es ist den vielen Frauen gewidmet, die die Geschichte des Bezirks geprägt haben. Eine von ihnen ist Johanna Dohnal, die erste Frauenministerin Österreichs. „Es weiß kaum jemand, aber sie hat in der Penzinger Bezirkspolitik begonnen.“

Die Arbeit im Bezirksmuseum sieht Gehbauer sehr langfristig. „Ich habe meinem Mann gleich gesagt, das ist ein Job bis ans Lebensende. Ich liebe dieses Museum.“

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