Müll, Kanal und Wasser: Wien steht vor nächster Teuerungswelle 2027
Das gefräßige Müllmonster schluckt auch Geld: 2027 wird es wieder etwas mehr sein.
Auf das Jahr der Teuerung anno 2026 folgt wohl das nächste Jahr mit Teuerung: Nachdem es heuer bei kommunalen Leistungen und Tarifen Anstiege in fast historischem Ausmaß gegeben hat – von der Wiener-Linien-Jahreskarte und dem Parkpickerl über die Bäder bis hin zur Hundesteuer – dürfte es 2027 zur nächsten Teuerungswelle kommen. Denn die Gebühren für Müllabfuhr, Wasser und Kanal müssten aufgrund des gesetzlichen Automatismus angehoben werden – im Ausmaß von mindestens rund 4,5 Prozent. Und auch die Kurzparkscheine könnten schon wieder betroffen sein.
„Schuld“ an dieser nächsten Gebührenerhöhung ist die sukzessive anwachsende Inflation – Stichwort Iran-Krieg: Denn laut den aktuellen Daten der Statistik Austria wurde der für das Wiener Valorisierungsgesetz relevante Schwellenwert von drei Prozent Wertsteigerung seit der jüngsten Erhöhung schon wieder deutlich überschritten. Demnach würde es mit Jahresbeginn 2027 automatisch zu einer Gebührenerhöhung kommen.
Die Rechnung ist dabei leicht anzustellen: Seit der letzten Anpassung der kommunalen Tarife (1. Jänner 2025) hat sich der Verbraucherpreisindex (VPI) bis April 2026 um 4,4 Prozent erhöht; damit ist der Schwellenwert für die automatische Erhöhung jedenfalls schon überschritten – wobei es bis zum jährlichen Stichtag für das Valorisierungsgesetz (30. Juni) wohl noch weiter nach oben gehen dürfte.
Die endgültigen Werte der Statistik Austria stehen dann Mitte August fest, weshalb die Stadtpolitik erst dann die fällige Gebührenerhöhung verkünden dürfte. So war es zuletzt im August 2024, als der damalige Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) eine Anpassung im Ausmaß von 5,9 Prozent ankündigte.
Wiener Wasser: Kostbares Gut wird auch teurer.
Parkscheine: Enges Rennen
Damals wurden auch schon die Parkscheine erhöht – und heuer im Jänner im Zuge des teureren Parkpickerls außertourlich noch einmal. Nun könnte der absolute Ausnahmefall eintreten und im dritten Jahr in Folge neue Kurzparkscheine gedruckt werden müssen. Hier gibt es ein ganz enges „Rennen“: Da der Gebühren-Automatismus immer nur in 5-Cent-Schritten (für die 30-Minuten-Parkdauer) greift und seit der letzten Erhöhung ja erst einige Monate vergangen sind, ist der Schwellenwert derzeit noch nicht erreicht: Bei einer Veränderungsrate von 2,4 Prozent seit Jänner sind es erst 4 Cent mehr für den 30-Minuten-Schein (derzeit 1,70 Euro). Es fehlt also noch ein einziger Cent auf die nächste Parkschein-Verteuerung.
Wer in Wien in einem Mehrparteienhaus wohnt, für den verbergen sich die Posten im Dickicht der Betriebskostenabrechnung. Aktuell ist in Wien so viel zu zahlen:
Die Entleerung einer 120-Liter-Mülltonne ein Mal pro Woche kommt auf 288,97 Euro/Jahr. 100 Kubikmeter Wasser kosten (inklusive Zähler) 257,38 Euro; dieselbe Menge Abwasser (Kanalgebühr) schlägt sich mit 236 Euro zu Buche.
Dass die automatische Gebührenerhöhung im kommenden Jahr auch wirklich umgesetzt wird – theoretisch könnte ja auch ein Gebühren-Stopp verkündet werden –, daran gibt es Rathaus-intern jedenfalls keine Zweifel: Bei rund 15 Milliarden Euro Schulden und prekärer Finanzlage sind diese kommunalen Einnahmen unverzichtbar – zumal man sie immer auch mit nötigen Investitionen in die Infrastruktur (besser) verkaufen kann. Auch das Büro von Finanzstadträtin Barbara Novak argumentiert auf KURIER-Anfrage in diese Richtung: „Wir stehen derzeit am Beginn der Budgeterstellung für das Jahr 2027. Ziel ist es dabei, Defizit und Neuverschuldung schrittweise abzubauen, ohne Wien in seiner Rolle als Wirtschaftsmotor Österreichs zu schwächen und ohne notwendige Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche zu gefährden.“ Zurückhaltender äußert sich Neos-Wirtschaftssprecher Markus Ornig: „Die Budgetverhandlungen laufen derzeit intern, diesen Gesprächen greifen wir nicht vor.“
Viertes Mal für Rot-Pink
Das 2007 eingeführte Valorisierungsgesetz kam jedenfalls noch nie so oft zum Tragen wie unter Rot-Pink: Dank Post-Corona und Inflationskrise muss demnächst zum bereits vierten Mal in diesem Jahrzehnt an der Gebührenschraube gedreht werden: 2022 gingen die kommunalen Gebühren um 5,2 Prozent hinauf, 2023 und 2025 waren es jeweils plus 5,9 Prozent.
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