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Chronik Wien
04/01/2019

Gastgarten: Wie der Gianni zum Schani wurde

Die Schanigarten-Saison startet. Der Streit um die Wiener Institution scheint so alt wie sie selbst.

von Stefanie Rachbauer

Wenn Gianni Taroni gewusst hätte, welche politischen Streitereien ein paar Tische und Sessel vor einem Kaffeehaus nach sich ziehen können, hätte er den Schanigarten vielleicht nicht erfunden. So aber erwirkte der Gastronom im 18. Jahrhundert nichts ahnend die Genehmigung, vor seinem Kaffeehaus am Graben seine Gäste zu bewirten – und errichtete damit den ersten Schanigarten Wiens. Soweit sind sich Historiker einig.

Fast schon geschichtsträchtig sind auch die Streitereien, die die mittlerweile 3.500 Wiener Schanigärten provozieren. Erstens zwischen Wirten auf der einen und Fußgängern sowie Autofahrern auf der anderen Seite. Die Schanigärten nehmen Letzteren nämlich Platz zum Gehen und Parken weg.

Zweitens zwischen Wirten und Anrainern. Sie stört, wenn es im Schanigarten zu später Stunde allzu laut wird.

Strenge Vorschriften

Vor diesem Hintergrund schriebt die Stadt den Gastronomen bis ins kleinste Detail vor, wo sie Schanigärten in welcher Größe aufbauen dürfen – und wie lange sie Gäste dort bedienen dürfen. Dazu kommen genaue Vorschriften zur Gestaltung: etwa zum Sonnenschutz (verlangt ist eine „dezente Farbgebung“) und zur Bepflanzung (besser Oleander als Thujen).

Das erzürnt wiederum die Wirte – und ist die Basis von Konflikt Nummer drei: Die Stadt sei zu unflexibel, beklagt die Wiener Wirtschaftskammer regelmäßig.

Teurer Kompromiss

Große Aufregung zog zuletzt die Winteröffnung nach sich. 2016 erlaubte die Stadt, Schanigärten auch im Dezember, Jänner und Februar – auf Drängen der Kammer und trotz des Widerstands von Innenstadt-Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP), seines Zeichens erbitterter Gegner des „Schanigarten-Wildwuchses“.

Die Stadt lässt sich das auch bezahlen: Parallel zur Liberalisierung hob sie Preise für Schanigärten – teilweise empfindlich – an (siehe rechts).

Heute, Montag, werden diese Differenzen in den Hintergrund treten – zumindest für den Moment. Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Kammer-Chef Walter Ruck eröffnen offiziell die Schanigarten-Saison. Lange, nachdem das die Gastronomen ohnehin gemacht haben, und natürlich mit Kameras im Schlepptau.

Die Tradition der Eröffnung ist gefühlt mindestens so alt wie der Schanigarten selbst. Übrigens genauso alt wie die Diskussion um seinen Namen. Weitgehend sicher ist nur, woher die Bezeichnung nicht kommt: Vom angeblichen Ausspruch eines Wirten „Schani, trag den Garten raus“. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei nur um einen Mythos.

Weitaus plausibler: Der erste Schanigarten-Betreiber „Gianni“ wurde irgendwann zu Schani.

Kammer: Zu teure Schanigärten bringen Wirte unter Druck

Forderungen. Mehr Sitzplätze, mehr Gäste – mehr Einnahmen: Ganz so einfach ist die Rechnung nicht. Tatsächlich verursachen die Schanigärten den Wirten teils hohe Kosten, kritisiert die Wiener Wirtschaftskammer.

Im Jahr 2017 wurden die Gebühren  stark erhöht, teilweise sogar verzehnfacht: In der Reinprechtsdorfer Straße, der Taborstraße und der Praterstraße etwa kostete ein Quadratmeter Schanigarten  einen Euro, seit 2017 sind es zehn  Euro. „Die Wirte sind unter Druck geraten, seitdem wurde nicht nachgebessert. Wir fordern, Preise und Zoneneinteilung zu evaluieren“, sagt Markus Grießler, Obmann der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft.


Auch Winterschanigärten müssten praxisnäher gestaltet werden, sagt er: Derzeit müssen die Möbel jeden Abend bis 23 Uhr weggeräumt werden. „Das ist  in der Praxis schwer umsetzbar. Wo soll man die Möbel hinstellen, wenn das Lokal erst nach 23 Uhr Sperrstunde hat?“ chs

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