Chronik | Wien
05.12.2011

Fußgänger rätseln über "R" in neuer Ampel

In Wien wird eine neue Fußgängerampel mit einer "Räumzeitanzeige" getestet, sie soll für mehr Sicherheit sorgen. Für Autofahrer bleibt alles beim Alten.

Fußgänger gelten als schwächste Teilnehmer im Straßenverkehr, allein im Vorjahr starben 94 auf Österreichs Straßen. Eine neue Fußgängerampel, die es noch nie zuvor in Österreich gegeben hat, soll nun für mehr Sicherheit sorgen: Sie ist neben dem Grün- und Rotlicht zusätzlich mit einer orange blinkenden "Räumzeitanzeige" ausgestattet. Diese signalisiert jene Zeit, die den Passanten trotz Rotlichts noch bleibt, um die Fahrbahn sicher zu überqueren.

Das neue System wurde am Freitag in Wien an der Landesgerichtsstraße, bei der Kreuzung zur Josefstädter Straße, in Testbetrieb genommen. Bewährt es sich, sollen weitere Übergänge damit ausgerüstet werden.

Die neuen Ampeln sollen dazu beitragen, das subjektive Sicherheitsgefühl der Fußgänger zu erhöhen, betonte die Grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bei der Präsentation. "Für die Autofahrer ändert sich überhaupt nichts", versicherte sie. Nach der Inbetriebnahme wird nun erhoben, wie das neue System bei den Fußgängern ankommt. Erste Ergebnisse werde es in einem Monat geben. Bewährt es sich, so wird es auch auf andere Ampeln ausgeweitet, kündigte Vassilakou an.

Die neuen Ampeln sind zusätzlich mit einen orangefarbenen Signallicht ausgestattet, das ein "R" anzeigt. Dieses steht für Räumzeit. Dabei handelt es sich um jene Zeit, die vergeht, bis die Autos losfahren dürfen. Springt die Fußgängerampel also auf Rot, fängt das orangefarbene Signal zu blinken an. "Die Räumzeitanzeige ist für die gedacht, die bereits auf der Fahrbahn sind. In dem Moment, wo die Fußgängerampel auf Rot springt, darf nicht mehr losgegangen werden", warnte Vassilakou.

Die Zeit, die bleibt

Der Hintergrund des Pilotversuchs: Es sei oft so, dass Fußgänger melden, dass es eines der unangenehmsten Erlebnisse sei, nicht zu wissen, ob noch genug Zeit sei, die Fahrbahn fertig zu überqueren, berichtete Vassilakou. Das würde Angst, Stress und auch reale Gefahrensituationen erzeugen - nämlich dann, wenn etwa Senioren aus Verunsicherung mitten auf der Kreuzung stehen bleiben. Die neue Anzeige soll Fußgängern das Gefühl geben, "dass es sich noch ausgeht", so die Vizebürgermeisterin.

Die betroffene Kreuzung wurde nicht ohne Grund ausgewählt: "Es ist ein neuralgischer Punkt: Eine stark befahrene Straße mit viel Fußgängerpräsenz", erklärte die Bezirksvorsteherin der Josefstadt, Veronika Mickel (VP).

Tiefststand

548 Menschen sind im Jahr 2010 auf Österreichs Straßen getötet worden, entweder als Fußgänger, auf Zweirädern und als Autofahrer. Was nach einer gewaltigen Zahl anmutet, ist verkehrsstatisch gesehen ein historischer Tiefststand. Denn laut Innenministerium bedeutet das den niedrigsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1950. Seit 1999 ist dieser permanent gesunken. Das schwärzeste Jahr der Verkehrsstatistik war 1972. Damals starben auf den heimischen Straßen 2948 Menschen - obwohl heute mehr als doppelt so viele Fahrzeuge unterwegs sind.