© David Holzmann

Chronik Wien
07/15/2019

Fridays For Future: "Weil der Klimawandel auch keine Pause macht"

Unterwegs bei der zweiten Fridays-For-Future-Demo in den Sommerferien. Warum die Jugendlichen keine Protest-Pause machen.

von Karina Danilova

"What do we want?" 

Es ist genau 19 Uhr, als die Worte ins Megafon gebr√ľllt werden und die kleine Menschengruppe, die einen Kreis gebildet hat, wie aus einem Hals "Climate Justice" antwortet.

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Wer eineinhalb Stunden fr√ľher noch auf einem der h√∂lzernen Sitzbl√∂cke am Yppenpark und seinen im Sommerwind wankenden B√§umen gesessen ist, h√§tte kaum ahnen k√∂nnen, wie viele Menschen im Laufe der Zeit noch ankommen werden. Laut Sch√§tzungen der Veranstalter sind es etwa 200 Klima-Aktivisten.

Mit jeder Minute haben mehr und mehr Demonstranten ihren Weg zum abgemachten Treffpunkt gefunden. Ein √§hnliches Ph√§nomen prophezeien Forscher auch hinsichtlich der Temperaturen: Langsam aber doch kommen immer mehr Grade hinzu, bis das Fass schlie√ülich √ľbergelaufen sein wird.

Und genau das wollen die Klimaaktivisten verhindern. Der angek√ľndigte Regen hat kaum jemanden abgeschreckt, der Wiener Yppenplatz ist an diesem Freitag schlussendlich gut gef√ľllt. Bunte, selbstgebastelte Schilder ragen √ľber den K√∂pfen der Menschen aller Altersgruppen heraus.

Anders als von Kritikern der Fridays For Future Bewegung, die die Klimastreiks lediglich als Vorwand f√ľrs Schuleschw√§nzen sehen, erwartet, gehen auch an diesem Tag wieder die Kinder und Jugendlichen f√ľr eine bessere Klimapolitik auf die Stra√üe ‚Äď Klimastreik trotz Ferien.

"Der Klimawandel macht keine Pause, wir auch nicht", werden die Jugendlichen bei dieser zweiten Sommerdemo nicht m√ľde zu betonen.

Auch die Forderung nach dem Klimanotstand wird an diesem 12. Juli immer wieder laut. Viele, wie der 18-jährige Vincent und die 17-jährige Marleen, die seit März auf jeder Klimademo in Wien gewesen ist, fordern die Ausrufung. Zwar wäre diese keine rechtlich wirksame Vereinbarung, sondern eher eine Art Selbstverpflichtung, die Frage nach der Auswirkung auf das Klima bei jeder Entscheidung miteinzubeziehen, sie wäre aber ein "wichtiges Signal".

Das sagt auch Valentina (27). Sie ist unter anderem hier, weil die t√ľrkis-blaue Ex-Regierung, wie sie sagt, "nichts gemacht hat" gegen die Klimakrise, die f√ľr sie das wichtigste Thema √ľberhaupt ist. Seit dreieinhalb Jahren ern√§hrt sich Valentina vegan, vermeidet Plastik, versucht so wenig neu zu kaufen wie m√∂glich, besitzt kein Auto mehr und ist seit drei Jahren nicht mehr in den Flieger gestiegen.

Dass zu wenig getan wird, findet auch Helena (16), die die "Notlage entdeckt" und seitdem schon zehnmal bei den Schulstreiks mitgemacht hat, auf Fleisch und Fl√ľge verzichtet und auch ihre Mitmenschen √ľber den Klimawandel aufkl√§rt. Sie ist, wie die meisten hier, nicht √ľberzeugt davon, dass jene Parteien, die das Thema erst kurz vor der Wahl entdeckt haben, auch wirklich hinter dem stehen, was sie da so "rausposaunen".

Glaubt man der Umweltorganisation Greenpeace, sollen vor allem FP√Ė und √ĖVP bei Abstimmungen auf EU- und Nationalratsebene h√§ufig klimasch√§dlich abgestimmt haben.

An der Organisation Parents for Future und an Monika (57), die die Jungen unterst√ľtzt, wann immer sie Zeit hat, erkennt man, dass Klimaschutz nicht nur die jungen Menschen interessiert. Monika ist unzufrieden, mit dem, was die "Ibiza-Regierung" so produziert hat, vor allem Tempo 140 st√∂√üt ihr sauer auf.

Als es Abend wird, verabschieden sich die Aktivisten schlie√ülich mit einem "Kuscheln f√ľrs Klima". In der letzten Stunde sind sie von Passanten bejubelt, aber auch angep√∂belt und mit Wasserbomben beworfen worden. Sie haben mit umgedichteten Liedern und dem Verteilen von Wassermelonen f√ľr gute Stimmung gesorgt und klargemacht, dass die meisten unter jenen, die heute hier sind, wissen, wof√ľr sie demonstrieren. Sie belassen es nicht nur bei einem Schulstreik, sondern verzichten auf Urlaub, fahren mit den √Ėffis und machen auch sonst alles, was sie zum Klimaschutz beitragen k√∂nnen.

Denn sie wissen: Auch, wenn sie um kurz nach 20 Uhr nach Hause gehen; die Temperaturen bleiben.

- Von David Holzmann

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