Chronik | Wien
18.08.2017

Linie U1: Freie Fahrt bis Oberlaa

Ab September fährt die U1 fünf Stationen weiter. Gleichzeitig bekommt der zehnte Bezirk auch das Parkpickerl.

Bei einigen Schaukästen fehlen die Glaswände, ein paar Paneele gilt es zu montieren und vor den U-Bahnschächten stehen ab und zu noch Absperrgitter. Ansonsten glänzen die weißen Wände und blitzen die roten Schilder.

Zwei Wochen vor Inbetriebnahme der U1-Verlängerung in Wien sind die Bauarbeiten an den Gleisen und Stationen so gut wie abgeschlossen. Fünf Jahre lang war an der 4,6 Kilometer langen Süderweiterung gearbeitet worden. 600 Millionen Euro haben Bund und Stadt Wien dafür in die Hand genommen.

Am Samstag, 2. September, ist es soweit. Um 10.30 Uhr wird die erste U-Bahngarnitur mit Fahrgästen in Richtung Oberlaa abfahren. "Damit hat der Schulanfang nicht nur einen negativen Beigeschmack", sagt Wiener Öffi-Stadträtin Ulli Sima ( SPÖ) mit einem Augenzwinkern, "zumindest für jene aus Favoriten".

Denn die 50.000 Bewohner im Einzugsgebiet brauchen dann nur mehr fünfzehn Minuten, um von Oberlaa ins Stadtzentrum, zur U1 Station Stephansdom, zu gelangen. Derzeit dauert diese Fahrt doppelt so lang.

Mit den fünf zusätzlichen Stationen von Reumannplatz bis Oberlaa wird die U1 die längste Linie im Wiener U-Bahnnetz. Sie misst dann 19 Kilometer.

Wiens tiefste Station

Für Projektleiter Gerhard Ullmann war es eines seiner spannendsten Projekte.

Eine besondere Herausforderung stellte die Station Altes Landgut dar, die sich direkt unter dem Verteilerkreis befindet. Mit 30 Metern ist es die tiefste Station des gesamten U-Bahnnetzes. Geschoßweise mussten sich die Arbeiter in die Tiefe vorkämpfen. Zu den verschiedensten Bodenschichten kam die Problematik durch den immer höher werdenden Wasserdruck. Auch die Rolltreppe, die bei Altes Landgut ans Tageslicht führt, ist mit 50 Metern übrigens die derzeit längste.

Vom der Station Altes Landgut Richtung Oberlaa fährt die U-Bahn direkt unter dem Autobahntunnel der A23. Nur fünf Meter Erde liegen zeitweise zwischen Boden des Autobahntunnels und U-Bahntunnelfirst. Ein heikles Unterfangen. Nachdem dieses Stück geschafft war, konnte Projektleiter Ullmann das erste Mal aufatmen. So richtig entspannt wird er wohl erst am 2. September sein.

Neue Kurzparkzone

Der September bringt den Favoritnern nicht nur Änderungen im öffentlichen, sondern auch im Pkw-Verkehr. Mit 4. September gilt im 10. Bezirk so gut wie flächendeckend das Parkpickerl. 18.000 Bewohner haben bis dato einen Antrag gestellt. Rund 65.000 Pkw sind in Favoriten gemeldet.

Entschieden hat sich Bezirksvorsteherin Hermine Mospointner (SPÖ) auch deshalb für die gebührenpflichtige Kurzparkzone, um eine komplette Verparkung durch Pendler infolge des U-Bahnausbaus zu vermeiden.

Damit Personen ohne Parkberechtigung weiterhin eine Abstellplatz finden, werden derzeit die Park-&-Ride-Anlagen ausgebaut.