Chronik | Wien 14.06.2018

"Frauen sollen sich beim Donauinselfest sicherfühlen können"

Donauinselfest 2017 © Bild: Kurier/Jeff Mangione

Maßnahmenpaket zur Frauen-Sicherheit am 35. Festival präsentiert

Sexuelle Belästigung bei Großevents ist traurige Realität. Bråvalla, das größte und populärste Festival Schwedens findet heuer nicht mehr statt, nachdem es in den vergangenen Jahren zu massiven Übergriffen gekommen ist. 2017 gab es 23 Anzeigen wegen sexueller Belästigung. Ein 15-jähriges Mädchen soll Medienberichten zufolge während eines Konzertes in der Zuschauermenge misshandelt worden sein.

Auch beim Donauinselfest wurde vergangenes Jahr ein Vorfall gemeldet. Zwei 20-jährige Männer haben zwei 15-jährige Mädchen bedrängt und belästigt sowie zumindest einem Mädchen K.o.-Tropfen verabreicht.

Das Schlimmste konnte in dem Fall verhindert werden, dennoch war es Inselfest-Veranstalter Thomas Waldner wichtig, nachzuschärfen – auch, um Taten wie in Schweden zu verhindern. Jeder und jede soll dem Donauinselfest ohne Angst beiwohnen können. In Zusammenarbeit mit dem Frauenservice der Stadt Wien präsentierte er am Donnerstag eine „Awareness-Kampagne“.

Rettungsanker

Erstmals werden rund 500 Securitys und 200 Organisationsmitarbeiter speziell in puncto Belästigung und Übergriffen geschult. Gleichzeitig sollen jene, die bedrängt oder belästigt werden, rasch erkennen, an wen sie sich wenden können. Deshalb werden die geschulten Mitarbeiter Sticker mit der Aufschrift „Hilfe bei Belästigung“ und „Ich bin dein Rettungsanker“ tragen.

Während des Festivals werden Informationsvideos über die 16 Vidi-Walls gespielt, und an den WCs werden Plakate mit der Nummer des Frauennotrufs (01 71 71 9) befestigt. All das soll auch potenzielle Täter abschrecken.

Ansprechpartner tragen diesen Button
© Bild: Manuel Domnanovich

„Mit der Kampagne wollen wir auch das gesellschaftliche Bewusstsein für das Thema heben“, sagte Frauen-Stadträtin Kathrin Gaal (SPÖ), deshalb soll die Kampagne auch nach dem Fest fortgeführt werden.

Die rote Wiener Landesparteisekretärin Barbara Novak ergänzte: „Wir wollen klarmachen: Belästigung ist kein Kavaliersdelikt, und die Schuld liegt klar beim Täter. Man muss sich als Opfer nicht schlecht fühlen, sie dürfen, ja sie sollen darüber sprechen und werden gehört.“

Spezielle WC-Container

Um Situationen zu vermeiden, bei denen Frauen alleine in geschlossenen Räumen anzutreffen sind, wurden diesmal Spezial-WC-Container aus Deutschland angeschafft. Hier befinden sich nicht drei oder vier, sondern gleich 16 Kabinen in einem Container.

Generell sei Sicherheit für Frauen beim Donauinselfest seit Jahren ein Thema, ergänzte Thomas Waldner. So werden etwa Nachtsichtgeräte verwendet, damit die Securitymitarbeiter auch in den Büschen nach dem Rechten sehen können.

Und apropos allgemine Sicherheit: Erstmals werden beim Donauinselfest Hand-Metelldetektoren zum Einsatz zukommen, um zu verhindern, dass Waffen oder Messer auf die Insel gebracht werden.Generell werden wieder ca. 500 Securitys und 700 bis 1000  Polizisten auf der Insel unterwegs sein.

Das Donauinselfest findet von 22. bis 24. Juni zum 35. Mal statt. Details gibt es hier.

( kurier.at , amb ) Erstellt am 14.06.2018