„Ein musiksüchtiger Teenager“: Schubert-Geburtshaus wird renoviert
„In einem Bächlein helle“ – die erste Textzeile von Franz Schuberts „Forelle“, der dieses Gedicht von Christian Friedrich Schubart 1817 vertont hat, kennt jedes Kind, nicht nur in Wien.
Denn Franz Schubert hat eine Strahlkraft weit über seine Geburtsstadt hinaus. Franz Schubert kam am 31. Jänner 1797 am Alsergrund zur Welt. Das heutige Haus mit der Adresse Nußdorfer Straße 54 war sein Geburtshaus, die Schubertstraße hat ihren Anfang genau an dieser Stelle.
In zwei Jahren feiert Wien den 200. Todestag des großen Komponisten – und genau für dieses Jubiläum wird das Geburtshaus renoviert, ebenso wird eine neue Ausstellung etabliert.
„Einer der größten Schätze der Stadt“
„Franz Schubert hat in 31 Lebensjahren ein unglaubliches Werk geschaffen“, schwärmt etwa SPÖ-Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler von über 600 Liedern und vielen Sinfonien: „Wir zehren noch heute von seinem Werk, das einer der größten Schätze der Stadt ist.“
Franz Schubert.
Und dieser Schatz soll ab 2028 in einem entsprechenden Umfeld präsentiert werden, versprechen Christina Schwarz und Matti Bunzl vom Wien Museum, unter deren Federführung die Renovierung des Hauses und die Neuaufstellung der Ausstellung erfolgen. Und das Projekt ist vielschichtig, wie die Präsentation der Pläne in dem bereits zur Baustelle mutierten Haus zeigen sollte.
Das Vorstadthaus
Denn es ist nicht nur Franz Schubert in dem Haus geboren worden, es zählt auch zu den wenigen noch gut erhaltenen Vorstadthäusern seiner Zeit – das historische Haus „Zum roten Krebsen“ wurde 1731 in der Wiener Vorstadt Himmelpfortgrund errichtet. Schuberts Vater betrieb in dem Haus im Erdgeschoß eine Volksschule mit 180 Kindern, im Obergeschoß lebten die Schuberts als eine von 15 Wohnparteien. Nur vier Jahre lebten Schubert dort, ehe die Familie wieder auszog, seit 1912 besteht das Schubertmuseum der Stadt Wien an diesem Ort.
Derzeit läuft die Suche nach einem Generalunternehmer für das Projekt, deshalb werden aktuell keine Budgetzahlen genannt. Allerdings werden derzeit genaue bautechnische und historische Untersuchungen der Bausubstanz durchgeführt, um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude schließlich so behutsam wie möglich in seinen historisch so weit wie möglich belegbaren Urzustand zurückzuführen.
„Ordentlich herumgepfuscht“
Denn in den 1960er-Jahren „ist an dem Haus ordentlich herumgepfuscht worden“, stellt Schwarz unmissverständlich fest: „Uns geht es um eine sanfte Rückführung in den ursprünglichen Zustand.“ Deshalb wird etwa der üppige und sehr dominante Holzbalkon im Innenhof („Pawlatschen“) gegen einen schlichten aus Eisen getauscht, wie die Pläne von Architekt Neumayer ZT Gmbh zeigen.
Der Garten im Schuberthaus.
Darüber hinaus wird das ganze Objekt barrierefrei gemacht – etwa mit einem Aufzug im hinteren Teil des Gebäudes, über den auch der schmucke Garten erreicht wird – dieser soll während der Öffnungszeiten des Hauses der öffentlich zugänglich sein, ohne die Ausstellung besuchen zu müssen.
Das neue Museum
Den Ausstellungsmacherinnen und -machern des Wienmuseums geht es jedenfalls nicht um eine Art musikalisches Disneyland mit Schubert und seiner Musik als Protagonisten.
Das Geburtshaus
Das Wien Museum saniert das historische Gebäude und etabliert eine neue Dauerausstellung zu Leben und Werk von Franz Schubert (1797– 1828) sowie dem Leben in Wien in dieser Zeit.
200. Todestag
2028 begeht Wien den 200. Todestag Schuberts. Ein „Schubertjahr“ ist derzeit nicht in Planung, wichtig sei, das Sichtbarmachen aller Aktivitäten rund um Schubert in diesem Jahr.
Rund um Schubert
Am Alsergrund läuft derzeit die Kammermusik-Reihe „Kunst rund um Schubert“ mit Konzerten an ausgewählten Sonntag im Juli und September.
Auf 210 Quadratmetern nähert sich die Dauerausstellung in sieben Räumen natürlich Leben und Werk von Schubert, aber auch dem Wien zwischen 1800 und 1830. So wird ein Blick auf das Bildungswesen dieser Zeit geworfen – schließlich fand sich in dem Haus ja die Schule von Schuberts Vater. Elke Doppler leitete das kuratorische Projektteam und verspricht, die Mythen und Geschichten rund um Schubert einer kritischen Prüfung zu unterziehen.
„Schubert war ein musiksüchtiger Teenager, der zum Leidwesen seines Vaters die Schule geschmissen hat, aber zum Schluss seines Lebens mit dem Komponieren recht gut verdient hat“, gibt sie einen ersten Einblick in das Leben Schuberts, der sich wohl auch in der Dauerausstellung finden wird.
Objekte aus Schuberts Leben
Wesentlicher Faktor bei der Erstellung der Ausstellung ist der neueste Stand der wissenschaftlichen Schubertforschung, der sich in einer lustvollen Ausstellung niederschlagen soll. Die Biografie und der Blick auf die damalige Zeit, die einen Teil der Ausstellung prägen, soll anhand persönlicher Gegenstände wie Brille, Sterbekreuz und Objekten aus Schuberts Alltag wirken.
Ein zweiter Ausstellungsteil widmet sich dem Musikerlebnis Schubert: Kompositionen können neu entdeckt und akustisch nachvollzogen werden. Ein „Bächlein helle“ wie in einem Disneyland braucht es dazu nicht. „Wir wollen die Aura des Hauses wirken lassen“, sagt Matti Bunzl.
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