Die FPÖ/ÖVP-Demo gegen Stau verlängerte den Stau.

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Protest
04/24/2019

FPÖ und ÖVP demonstrierten gegen "Stauchaos" in Simmering

Ein paar Dutzend Teilnehmer protestierten Mittwochfrüh mit Simmeringer FPÖ und ÖVP gegen geplante 6er-Umkehrschleife.

von Bernhard Ichner

Mit einer Handvoll Gleichgesinnten demonstrierten heute Früh FPÖ und ÖVP gemeinsam gegen den Bau der 6er-Bim-Schleife bei der Station Geiereckstraße in Simmering. Dazu verteilten blau bzw. türkis gekleidete Wahlhelfer Werbematerialen der Regierungsparteien. Kipferl im HC-Sackerl, FPÖ-Kulis und blaue Reimkultur auf Transparenten durften da nicht fehlen: "Simmeringer, g'wöhnt Euch dran: Stau für Simas Straßenbahn!", war zum Beispiel zu lesen.

Was den blauen Bezirksvorsteher Paul Stadler und ÖVP-Bezirksparteiobmann Wolfgang Kieslich so erzürnt, dass sie am frühen Morgen auf die Barrikaden stiegen (und dabei ihrerseits den Verkehr behinderten), ist der Plan der Wiener Linien, eine eigene Linie 11 nach Kaiserebersdorf einzurichten.

Um deren Schaffung "irgendwie zu rechtfertigen, sollen die bestehenden Linien 71 und 6 verkürzt/verlängert, umgeleitet und im Kreis geschickt werden", echauffieren sich in den Zusammenhang auch die Klubobleute der Stadtblauen bzw. -türkisen, Toni Mahdalik und Elisabeth Olischar.

"Horror in den Stoßzeiten"

Durch die Schaffung einer Umkehrschleife für die Linie 6 bei der Geiereckstraße würden nicht nur zehn Millionen Euro an Steuergeld verschwendet, meint Stadler. Rot-grün produziere so auch ein dauerhaftes Stauchaos auf der Geiselbergstraße, um "ein Prestigeprojekt von SPÖ-Stadträtin Ulli Sima (SPÖ) durchzuboxen". "In den Stoßzeiten wird das ein Horror", prognostiziert der Bezirksvorsteher.

Zudem müssten die Anrainer infolge der Baustelle mit massiven Lärmbelastungen rechnen. Darüber hinaus befürchtet ÖVP-Bezirkparteiobmann Kieslich ein Geschäftesterben und den Verlust zahlreicher Parkplätze.

Auf KURIER-Nachfrage bestätigen die Teilnehmer an der FPÖVP-Demo, sich von den Staus in der Geiselbergstraße gestört zu fühlen - auch wenn sie zum Teil gar nicht hier wohnen. Frau Blasi ist extra für die Kundgebung aus Kaiserebersdorf gekommen, Frau Novotny wohnt eigentlich beim Zentralfriedhof. Aber irgendwann müsse man hier ja trotzdem durch, stimmen beide überein.

Gegenvorschlag

Die Alternative zur Bim-Schleife sei einfach, sagen Stadler und Kieslich unisono: Den 6er belassen wie er ist. Und die Linie 71 um sechs Stationen nach Kaiserebersdorf verlängern.

Aus dem Büro von Öffi-Stadträtin Ulli Sima folgte postwendend eine Absage. "Stadlers Plan, die Linie 71 nach Kaiserebersdorf zu verlängern, würde 7,5 Millionen Euro Anschaffungskosten bedeuten und jährlich weitere zwei Millionen Euro zusätzlich an Betriebskosten verschlingen." Der aktuelle Plan sei kostengünstiger.

"Demo verursachte Stau"

Für die blau-türkise Protestaktion zeigt man im Rathaus wenig Verständnis. "Staus bis zur Leberstraße: Das waren heute Früh die Folgen der Demo von Blau und Türkis in Simmering", heißt es. Dass ausgerechnet der blaue Bezirksvorsteher gegen "die Verbesserung der Öffis" im Bezirk demonstriere, sei bemerkenswert, sagt Sima. Mit der Linie 11 komme die Stadt "der langjährigen Forderung der Simmeringer Bevölkerung nach einer zweiten Linie bis Kaiserebersdorf nach". Zudem werde eine bessere Verbindung zwischen Simmering und Favoriten geschaffen. In der Absberggasse wird ein neuer Umsteigeknoten für die Linien D, 6 und 11 realisiert.

Für den Autoverkehr entstehe durch die aktuellen Maßnahmen kein Nachteil, argumentiert Sima. Denn das Nadelöhr sei schon jetzt die Ampel an der Kreuzung Gudrunstraße/Gräßlplatz bzw. bei der Kreuzung Geiselbergstraße/Leberstraße. Hier müsse der Bezirk "seine Hausaufgaben machen und die Ampelsituation verbessern", spielt die Stadträtin den Ball zurück.