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FPÖ-Chef auf Tour: Zwischen Zustimmung und Nazi-Vorwurf

Vizebürgermeister Dominik Nepp mit Leberkäse und Bier gegen Zuwanderung und die Teuerung. Es gibt Zuspruch und Ablehnung.
Menschen stehen vor einem Imbisswagen bei einer Wahlkampfveranstaltung der FPÖ mit Dominik Nepp in Wien.

Mit seiner grauen Vespa fährt Wiens FPÖ-Chef Dominik Nepp am Bahnhof Heiligenstadt vor. Der grüne Helm ist seinem alten Moped geschuldet, auch das war grün, dazu wurde der Helm gekauft. 

Dominik Nepp auf seiner Vespa.

Dominik Nepp auf seiner Vespa. 

Geht es nach dem Fahrgerät, hat er das Zeug zu höheren politischen Weihen. Denn auch der ÖVP-Bundeskanzler Christian Stocker fährt Vespa. Allerdings nicht (mehr) zu Terminen.

Nepp will vorerst aber „nur“ Wiener Bürgermeister werden. Seine „Kurswechsel-Tour“ macht an diesem Tag vor dem Bahnhof Heiligenstadt in Döbling Halt. 

Heimspiel für Nepp

Ein Heimspiel für den Bezirksobmann. Vor dem Foodtruck mit Leberkäse bildet sich rasch eine Schlange, auch beim Zelt stehen Interessierte. Aber auch Uninteressierte kommen vorbei. 

„Nazis raus, schämt’s euch, hier vor dem Karl-Marx-Hof zu stehen“, ruft ein junger Mann im Vorbeigehen. „Das kommt nur mehr selten vor“, wiegelt Nepp ab. „Lass dir nix gefallen“, bekommt der FPÖ-Politiker Unterstützung, „das sind nur die letzten Mohikaner“, lacht ein anderer.

Am Andrang beim Stand ist die Frequenz des öffentlichen Verkehrs abzulesen. Kommt ein Bus, ein Zug oder eine U-Bahn an, sind es mehr, dazwischen weniger Leute.

„Nie im Leben“

Viele hasten aber auch nur vorbei. Ein Mitarbeiter will einer Passantin einen FPÖ-Flyer geben. „Nie im Leben“, weist sie das Angebot schroff zurück. Ein anderer Mann nimmt Flyer und Feuerzeug hingegen gern. Auch die Luftballons gehen weg. Die Leberkäs-Semmeln und das Bier sind sehr begehrt. Fleischlose Alternative? „Sie können eine Semmel essen“, ist die Antwort deutlich.

Als Nepp an einen Tisch kommt, wird ihm ein Mann vorgestellt. „Der ist aus Braunau“, sagt der zweite im Bunde. „Schau, dass du aufräumst“, ermuntert der Braunauer Nepp. 

Dominik Nepp im Gespräch mit einer älteren Frau vor einem FPÖ-Infostand mit U-Bahn-Logo im Hintergrund.

Dominik Nepp im Gespräch mit der Frau, die sich ihn als Bürgermeister wünscht. 

Ein älteres Paar aus dem gegenüberliegenden Gemeindebau, dem historisch bedeutungsvollen Karl-Marx-Hof, geht auf Nepp zu. Aus den Lautsprechern tönen tendenziell ausgewählte Nachrichten. Längst ist der Gemeindebau nicht mehr SPÖ-Hochburg, zu viel hat sich dort verändert. 

Die Angst im Gemeindebau

„Wir trauen uns nicht mehr in den Hof“, erzählen sie ihm. Die Jugendbanden von Döbling, vor denen haben die beiden Angst. „Die Polizei kommt nicht oder spät“, sagt die Frau. „Die wird kaputtgespart“, nimmt Nepp den Ball gerne auf und verpackt diesen in einer Systemkritik.

Die beiden erzählen ihm, dass sie deshalb auch lieber nach Kapfenberg ziehen würden, nicht nur, weil mit dem Mario Kunasek ein FPÖ-ler dort jetzt Landeshauptmann ist. „Es wäre ein Hit, wenn der Nepp in Wien Bürgermeister wird“, sagt die Frau zum KURIER. „Dann dürfen Sie aber nicht wegziehen“, ermahnt Nepp das Paar, „dazu brauch ich ihre Stimmen.“

Dominik Nepp im Gespräch mit einem älteren Mann bei der „Kurswechsel Tour“ der FPÖ Wien auf einem belebten Platz.

Gegen Ausländer und Teuerung: Die Hauptthemen bei der FPÖ-Tour. 

Die Themen sind vielfältig, und es sind FPÖ-Themen, die kommen, ohne dass Nepp oder seine Mitstreiter etwas dafür tun müssen. Nepp befeuert diese gerne, um seine Agenda zu stärken. „Ich muss ihnen recht geben, die Syrer und Afghanen brauchen wir da nicht“, wirft ein Mann in die Runde. Nepp dankt: „Da muss man harte Kante zeigen.“ Alle, die sich nicht benehmen und straffällig werden, will er zur „Haft in ihrem Heimatland“ zurückschicken.

Teuerung und Sicherheit – das sind sogar in Döbling die Themen, mit denen die FPÖ punktet. Bei ihrer Klientel und darüber hinaus. „Das hat den Mittelstand erreicht“, erklärt der FPÖ-Politiker.

Ärger über „die Ausländer“

Ein früheres Mitglied des ORF-Publikumsrats, in dem dieser mit der Frau von Nepp gesessen ist, kommt auf den FPÖ-Politiker zu, lässt ihm liebe Grüße für die Frau da und verabschiedet sich mit einem Handschlag: „Ich wünsche dir alles Gute, obwohl uns politisch viel trennt.“

Sieben Personen stehen vor einem FPÖ-Wahlstand mit Dominik-Nepp-Banner und Flyern.

Die FPÖ auf Tour in Döbling: Michael Benisch, Marlies Ligasch, Florian Simanek, Klemens Resch, Dominik Nepp, Clemens Strobl, Michael Eischer. 

Eine Seniorin ärgert sich über den Bundespräsidenten, den Bürgermeister und dass der Seniorenfahrschein abgeschafft wurde. „Aber die Ausländer fahren gratis“, ist sie wütend. Nepp greift – wieder dankend – ein: „Da bringen wir nächste Woche einen Antrag ein, dass die wieder eingeführt wird. Aber die Roten und Neos stimmen nicht zu.“

Nach knapp zwei Stunden setzt sich Nepp auf seine Vespa und fährt weg. Die Themen, mit denen die FPÖ Stimmung macht, liegen in Döbling genauso auf der Straße, wie in Favoriten und Floridsdorf. 

„So kann es nicht weitergehen, das höre ich oft“, sagt der FPÖ-Politiker. Deshalb geht die Kurswechsel-Tour bis Ende Juni weiter. Enden soll sie erst 2030 – mit der Gemeinderatswahl in Wien.

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