Fluglärm stört den Adventfrieden

Untypische Windverhältnisse führten zu vermehrten Überflügen über dicht besiedeltem Gebiet.

Bei der Favoritner Bürgerinitiative „Lärmschutz Laaer Berg“ ist der Unmut groß: An manchen Tagen leide man unter Überflügen im Minutentakt  Die Bürgermeister der Nachbargemeinden wollen mehr Mittel für Lärmschutzmaßnahmen 

Von besinnlicher Stimmung kann in Teilen Wiens keine Rede sein. "Teilweise donnern die Flugzeuge im Minutentakt über uns drüber. 85 Dezibel sind keine Seltenheit. Man hört den Lärm auch durchs geschlossene Fenster – das ist die Hölle", berichtet etwa Walter Plank von der Favoritner Bürgerinitiative "Lärmschutz Laaer Berg". In seiner Nachbarschaft wurden im November 3807 und im Dezember bis dato mehr als 1200 Überflüge gezählt. Deutlich mehr als in den Monaten davor.

Ähnliche Wahrnehmungen erreichen den KURIER aus Penzing, Ottakring und Liesing. In zahlreichen Leserbriefen ähnlichen Inhalts machen die Leser ihrem Ärger Luft (siehe unten). Und ihr Eindruck täuscht nicht. Seitens des Flughafens bestätigt man "ein erhöhtes Flugaufkommen" über Wien. Grund dafür seien die Wetterverhältnisse. "Seit Ende Oktober hat es eine extrem hohe Anzahl an Südostwind-Tagen gegen", erklärt Airport-Sprecher Peter Kleemann. Ist dies der Fall, werden Anflüge über das Stadtgebiet geführt.

In dieser Situation wird einmal mehr der Ruf nach dem "Curved Approach" laut. Von dem gekurvten Anflug versprechen sich viele Fluglärm-geplagte Anrainer eine deutlich Lärmentlastung.

Sie werden sich aber noch in Geduld üben müssen. Derzeit wird das GPS-gesteuerte Landeverfahren bei Groß Enzersdorf im Weinviertel auf seine Effizienz getestet – der KURIER berichtete. Mit ersten Ergebnissen rechnet Franz Jöchlinger vom Flughafen-Dialogforum bis Juni 2015. Erst dann könne man diskutieren, auf welchen Routen der Curved Approach zum Einsatz kommen soll.

Schulterschluss

An einer Änderung des Status-quo sind aber nicht nur Wiener Bürgerinitiativen interessiert, sondern auch die niederösterreichischen Nachbargemeinden des Flughafens. Dort ist man der Meinung, dass das 2005 im Rahmen der Mediation vereinbarte Lärmschutzprogramm nicht mehr zeitgemäß ist. "Wir haben den Eindruck, dass heute weniger kleine Maschinen im Einsatz sind als damals. Die großen Flugzeuge haben aber einen ganz anderen Steigwinkel und fliegen andere Radien", sagt Gerhard Frauenberger, SPÖ-Bürgermeister von Schwechat.

Gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus Fischamend, Kleinneusiedl, Himberg, Schwadorf, Zwölfaxing, Rauchenwarth und Groß Enzersdorf fordert er daher eine neuerliche Überprüfung der Lärmsituation. Das Ziel der parteiübergreifenden Initiative ist, zusätzliche Mittel für Lärmschutzmaßnahmen zu lukrieren.

Dritte Piste

Gelegenheit ihren Standpunkt darzulegen, haben Anrainer-Vertreter aus Wien und Niederösterreich am 7. und 8. Jänner, wenn das Bundesverwaltungsgericht über die Einsprüche gegen die Genehmigung der geplanten 3. Piste entscheidet. Die Verhandlung am Magistratischen Bezirksamt Wien-Landstraße ist öffentlich. Am ersten Tag geht es um die Lärmimissionen, am zweiten um Luftschadstoffe und ornithologische Fragen.

Leserbriefe

"Wir leben seit 10 Jahren (...) nicht weit von Steinhof und sind kurz davor, hier wegzuziehen – seit drei Wochen ununterbrochener Fluglärm, knapp über unseren Köpfen, so wie seit heute Früh PAUSENLOS, jede Minute!!!!"

Katharina Weingartner, Ottakring

"Die SPÖ Wien ist und bleibt ein Feind des Bürgers, wenn es um den Schutz vor den Belastungen des Flughafen Wien geht."

Günther Dieckmann, Penzing

"Mit steuerfreiem Kerosin und sonstigen Begünstigungen werden Fluglinien nach Wien gelockt – im 2-Minuten-Takt über dichtest bebautem Gebiet!"

Susanne Mahlmeister, Hietzing

"Sehr geehrter Herr Juraczka, Ihre Forderung nach dem Ausbau des Flughafens ist genau der richtige Weg, die Wiener ÖVP ganz in der Versenkung verschwinden zu lassen."

Birgit Vögl, Favoriten

"Der Flugterror ist unzumutbar. Tiefflieger im Minutentakt."

Reinhard E., Favoriten

(kurier) Erstellt am
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