Chronik | Wien 20.07.2013

Fluglärm-Evaluierung zählt Betroffene nicht mit

Hofmann Hietzing Fluglärm Flugroute Bürgerinitiative © Bild: Ichner Bernhard

Dialogforum vermeldet weniger Fluglärm-Opfer. Im Süd-Westen der Stadt sorgt das für Erstaunen.

Im Jahr 2012 waren 7,6 Prozent weniger Personen von Flugverkehrsbelastungen betroffen“, heißt es im brandneuen Evaluierungsbericht des Flughafen-Dialogforums (siehe unten). „Die Abnahme im Dauerschallpegelbereich zwischen 45 und 50 Dezibel ist auf die geringere Anzahl von Landungen auf Piste 11 zurückzuführen.“

So weit, so gut. Für Kritik sorgt allerdings der Umstand, dass zahlreiche Fluglärm-Opfer nach dieser Darstellung gar keinen Fluglärm hätten. All jene nämlich, deren Dauerschallpegel unter 45 Dezibel liegt.

„Beschönigend“

Zu den quasi „Nicht-Betroffenen“ gehört Herbert Hofmann, Sprecher der (im Dialogforum vertretenen) Bürgerinitiative „Stop Fluglärm Wien Süd-West“. Er wohnt in Hietzing unter der Abflugroute von Piste 29 und hat einen Dauerschallpegel von rund 40 Dezibel. Für ihn ist der Evaluierungsbericht „beschönigend“.

„Denn wir haben hier zwar Ruhephasen, die den Dauerschallpegel natürlich nach unten drücken, aber dafür sind die Einzelschall-Ereignisse in der Früh, am Abend oder an Wochenenden besonders störend.“

Um die Problematik mit dem Dauerschallpegel zu verdeutlichen, wählt Hofmann ein anschauliches Beispiel: „Wenn ich auf einer heißen Herdplatte sitze und die Füße ins kalte Wasser halte, ist mir im Durchschnitt nicht heiß. Aber in Wirklichkeit verbrenne ich mir den Hintern.“

Was Hofmann zudem ärgert: „Bei den Lärmmessungen des Flughafens werden tagsüber nur Flugzeuge berücksichtigt, die mindestens 55 Dezibel laut und mindestens zehn Sekunden lang auf diesem Niveau hörbar sind. Das bedeutet, viele Flugzeuge werden gar nicht mitgezählt.“

Wolfgang Hesina, Geschäftsführer des Dialogforums, bestätigt, dass Lärmbelastungen unter 45 Dezibel Dauerschall nicht dargestellt werden – relativiert aber: „Internationaler Standard wäre die Darstellung ab 55 Dezibel, bei uns sind es 45.“

Dass Flieger erst ab 55 Dezibel Eingang in die Messung finden, erklärt er so: „Wir sind mit dem Ansprechpegel so weit wie möglich heruntergegangen. Wären wir noch weiter herunten, würden zu viele Nebengeräusche die Messung verfälschen.“

Bei der Bürgerinitiative „Lärmschutz Laaerberg“ nimmt man den Evaluierungsbericht indes mit einem Schulterzucken zur Kenntnis. Wegen 54 Dezibel Dauer- und bis zu 85 Dezibel Einzelschallpegel erwägen einzelne Mitglieder bereits, ihre Grundstücke zu verkaufen.

Der aktuelle Bericht

Im Bericht des Dialogforums ist zu lesen, dass 2012 die Zahl der Starts und Landungen (244.650) gegenüber 2011 um 0,6 Prozent abgenommen haben. Weiters wurde die Nachtflugregelung eingehalten. Der Zielwert für die Starts und Landungen zwischen 23.30 und 5.30 Uhr von 4700 wurde 2012 um 496 Starts/Landungen unterschritten. Zielwertüberschreitungen gab es dagegen bei den Starts von Piste 29 Richtung Westen.

Information: www.dialogforum.at

Erstellt am 20.07.2013