Chronik | Wien
24.09.2015

Flüchtlinge wollen Österreich Danke sagen

Am 28. September ziehen Flüchtlinge über die Mariahilfer Straße, um ein Zeichen des Friedens zu setzen. SPÖ und FPÖ könnten davon profitieren.

"#Danke Österreich“ heißt die Gruppe, die ehemalige syrische Flüchtlinge auf Facebook eingerichtet haben, um Werbung für den Marsch am Montag zu machen. Der Aufruf auf Deutsch, Arabisch und Englisch ist in erster Linie an Asylwerber und Asylberechtigte gerichtet. Zudem möchten die Organisatoren über Helfer jene Flüchtlinge erreichen, die sich erst seit Kurzem in Österreich aufhalten und zurzeit in Notquartieren untergebracht sind. Mehr als 1000 Personen haben ihre Teilnahme bereits zugesagt.

„Wir wollen mit einer gemeinsamen Stimme ‚Danke‘ sagen“, erklärt Mitorganisator Youssef Alyamani. Der 33-Jährige vom Verein „Freie SyrerInnen in Österreich“ floh bereits 2008 vor dem Assad-Regime und hat mittlerweile Asylstatus erhalten. In Wien hat er sich mit einem Bauunternehmen selbstständig gemacht.

"Keine Demo!"

„Um ein Zeichen des Friedens zu setzen und Refugees und Österreicher näher zusammen zu bringen“, will man am 28. September ab 19.30 Uhr vom Christian-Broda-Platz über die Mariahilfer Straße bis zum MuseumsQuartier ziehen. (Treffpunkt ist um 18 Uhr.) Bestärkt fühlen sich die Organisatoren durch die flüchtlingsfreundliche „Mensch sein in Österreich“-Demo, die am 31. August ebendort stattfand.

Mit einem entscheidenden Unterschied: „Das ist ein Dankesmarsch und keine Demonstration“, betont Tarafa Baghajati, Obmann der Initiative Muslimischer ÖsterreicherInnen (IMÖ).

Wien-Wahl

Wäre es eine Demo – etwa um auf etwaige Missstände aufmerksam zu machen – würden die Organisatoren der FPÖ in die Hände spielen, meint Politikexperte Thomas Hofer. Da die Flüchtlinge aber die Intention haben, den österreichischen Helfern und der Zivilbevölkerung zu danken, könnten im Wiener Wahlkampf sowohl SPÖ als auch FPÖ Kapital aus dem Marsch schlagen.

„Strache kann ihn nutzen, um Ressentiments hochzuschaukeln und dadurch die negative Stimmung zu verstärken. Und Häupl wird versuchen, in den Gefilden von Grünen, Neos und Linkskatholiken, sprich: christlich geprägten Helfern, zu wildern“, analysiert Hofer.

Bei den Organisatoren fürchtet man die FPÖ-Strategie, „Flüchtlinge als gefährlich hinzustellen“. Um Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen, will man während des Marschs sowohl die österreichische, als auch die Friedensfahne schwenken und die Bundeshymne singen. „Wir sind Menschen, die in Frieden leben wollen“, sagt Alyamani, „und kein Wahlkampfmaterial.“