Chronik | Wien
10.04.2018

Verzinkerei: Firmeneinrichtung und Management wie vom Erdboden verschluckt

Betriebsrat Hayri Ulay in der leer geräumten Fabrikshalle. © Bild: Kurier/Gerhard Deutsch

Während vermeintlichen Umbaus verschwand die gesamte Verzinkerei. Elf Arbeiter gehen nun vor Gericht.

Nach mysteriösen Vorgängen in einer Floridsdorfer Verzinkerei stehen die Mitarbeiter vor den Trümmern ihrer  beruflichen Existenz. Den elf Beschäftigten von „Lössl & Leitner“ wurde vor Weihnachten von der Geschäftsführung  die vorübergehende Schließung des Werks wegen Umbaus in Aussicht gestellt. Bis zur Fertigstellung sollten die Arbeiter bei vollen Bezügen zu Hause bleiben, hieß es. Als sie sich  Anfang Jänner vom Baufortschritt überzeugen wollten, standen die Mitarbeiter jedoch vor einer leer geräumten Produktionshalle. Die Geschäftsführung ist seitdem nicht mehr auffindbar.

Vertreten werden die Arbeiter um Betriebsrat Hayri Ulay von der Produktionsgewerkschaft ( PRO-GE), die die mittlerweile umbenannte Firma bei der Finanzpolizei anzeigte und Insolvenzklage einreichte. 

PRO-GE-Sekretär Kruno Zuparic ist seit Mitte Dezember in die Causa involviert. Mit dem ehemaligen Geschäftsführer der  Firma „Lössl & Leitner“ – Goran M. – vereinbarte er in einer Betriebsversammlung am 19. Dezember, dass sich die Arbeiter während des angekündigten Umbaus keinen Urlaub nehmen müssen und weiter bezahlt werden. Also blieben die Männer zu Hause.

Böse Überraschung

Als ein paar von ihnen Anfang des Jahres neugierig wurden und sich ansehen wollten, wie weit der Umbau bereits fortgeschritten sei, folgte die böse Überraschung: Auf dem Firmengelände in der Prager Straße war nichts von einer Renovierung zu sehen. Stattdessen waren Lkw, Stapler, 170 Tonnen Zink und das gesamte Rohmaterial (für dessen Transport laut Ulay sechs bis acht Sattelschlepper nötig seien) verschwunden. Die Firmenhalle stand komplett leer.

Von Zuparic kontaktiert, teilte Goran M. daraufhin mit, dass er nicht mehr Geschäftsführer sei. „Er hatte sich noch am 19. Dezember – also am Tag der Betriebsversammlung – per Eilantrag als Geschäftsführer im Firmenbuch austragen lassen“, berichtet der Gewerkschafter. Als neuer Geschäftsführer scheint seither Zoltan T. auf. Anfang Februar wurde die seit 1987 mehrfach vom Konkurs bedrohte Firma zudem auf „Wi ZINCen GmbH“ umbenannt.

Unter der im Firmenbuch angegebenen Telefonnummer ist jedoch niemand zu erreichen und die „Lössl & Leitner“-Homepage  ist offline. Im Firmenbuch wurde stattdessen die Internet-Adresse einer auf demselben Gelände situierten Stiegen-Produktion angegeben. Deren Geschäftsführer behauptet auf KURIER-Anfrage jedoch, mit der „Wi ZINCen GmbH“ nichts zu tun zu haben. Er habe Zoltan T. „noch nie gesehen“ und auch keine Informationen über dessen Aufenthaltsort. Gegen den Verweis auf seine Homepage im Firmenbuch habe er urgiert.

Insolvenzfonds

Seit das Weihnachtsgeld und der Dezemberlohn überwiesen wurden, sahen die elf Arbeiter, die zum Teil seit Jahrzehnten für „Lössl & Leitner“ tätig waren, kein Geld mehr. Dabei war ihnen vertraglich zugesichert worden, „dass sie weiterbezahlt werden, bis die Halle fertig ist“, sagt Zuparic. „Mitte bis Ende Jänner hätte es soweit sein sollen.“ Wie sie ihre Familien erhalten, Mieten oder Kreditraten bezahlen sollen, wissen die Männer nicht. Da sie unter die Abfertigung Alt fallen, dürfte der Insolvenzfonds einspringen müssen, heißt es bei der PRO-GE.

Für deren Wiener Landessekretär, Toni Steinmetz, „eine Riesensauerei“: „Die Geschäftsführung verschwindet und neun bis zwölf Monatsentgelte werden auf die Allgemeinheit abgeschoben.“ Bei der Finanzpolizei hat die PRO-GE bereits Anzeige erstattet. Vor Gericht werde man zudem die Löhne der Mitarbeiter einklagen. Bis diese zu ihrem Recht kommen, könne es aber etliche Monate dauern.