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Chronik Wien
12/12/2018

Erste Festnahme nach Kunstdiebstahl im Dorotheum

Hotel-Daten führten Ermittler zum Renoir-Dieb, der am Amsterdamer Flughafen festgenommen wurde.

von Daniel Melcher

Nach dem dreisten Diebstahl eines Renoir-Gemäldes in einem Wiener Dorotheum konnte einer der Verdächtigen festgenommen werden. Der  Beschuldigte war in den vergangenen Tagen in Amsterdam direkt in die Arme der Polizei gelaufen.  Die dortigen  Ermittler hatten auf den Beschuldigten am Flughafen gewartet und ihn aufgegriffen.

Zum Verhängnis wurde dem Verdächtigen laut KURIER-Informationen das Einchecken in einem Wiener Hotel. Die Ermittler des Wiener Landeskriminalamtes  hatten sich akribisch hinter den Fall geklemmt und in den vergangenen  zwei Wochen mehrere Hotels, vor allem billigere, in der Bundeshauptstadt abgeklappert. An Hand der Reservierungen war man auf die Spur des Verdächtigen und damit auf  dessen Namen gekommen. Dank eines Abgleichs mit den Flugdaten konnte der Mann ausfindig gemacht werden.

Komplizen auf der Flucht

Wann genau der Verdächtige verhaftet wurde, ist unklar. Laut Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, geschah die Festnahme „entweder am Wochenende oder am Montag“. Klar ist, bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen ukrainischen Staatsbürger. Die Wiener Justiz will so schnell wie möglich, dass der Verdächtige ausgeliefert wird. „Das Übergabeverfahren läuft“, sagt die Sprecherin.

Nach seinen beiden Komplizen dürfte noch gefahndet werden. Auch vom wertvollen Renoir-Gemälde soll  weiterhin jede Spur fehlen.  Die Staatsanwaltschaft sowie die Wiener Polizei  verwiesen auf „laufende Ermittlungen“, weshalb die Behörden keine weitere Auskunft zu diesem  Fall geben wollen.  Ob es sich beim  Gefassten  um einen einschlägig Vorbestraften handelt, ist ebenso unklar. Die Ermittler waren an Hand der Vorgehensweise von einer professionellen Bande ausgegangen.

Das Dorotheum teilte auf Anfrage mit, dass man noch evaluiere, ob die Sicherheitsvorkehrungen verschärft werden müssen. Gleichzeitig hob man die gestochen scharfen Überwachungsbilder hervor. Außerdem bedankte man sich bei der Wiener Polizei mit folgendem Statement: „Das Dorotheum gratuliert der Polizei zu den erfolgreichen Ermittlungen. Die Identifizierung des nunmehr verhafteten mutmaßlichen Täters erfolgte aufgrund der guten Fotos der Sicherheitskameras des Dorotheums. Wir gehen davon aus, dass die beiden weiteren Täter bald gefasst werden können und der Fall positiv abgeschlossen werden kann.“

Ausstellung aufgesucht

Die drei Verdächtigen waren am 26. November gegen 17.15 Uhr, eine Dreiviertelstunde vor der Schließung, seelenruhig  in das Wiener Dorotheum in der Inneren Stadt spaziert und hatten die Ausstellung  „Post-War und Zeitgenössische Kunst“ im ersten Stock aufgesucht. Während dutzende Besucher durch die Gänge schlenderten und sich den Gemälden hingaben, nutzte das Trio die Gunst der Stunde und schlug zu.  Die Verdächtigen dürften in dem Auktionshaus  das 27 mal 40 Zentimeter große Werk einfach eingesteckt haben. Videokameras zeichneten das Trio auf. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie die drei Männer danach über verschiedene Ausgänge das Gebäude verließen. Kunstexperten schätzen das über 120 Jahre alte Öl-Gemälde auf einen Wert von 120.000 bis 160.000 Euro.

 

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